Paulus vor dem Hohen Rat
31. März 2019

Paulus vor dem Hohen Rat

Prediger:
Passage: Apostelgeschichte 22:30-23:11
Dienstart:

Apostelgeschichte 22:30-23:11 - Paulus vor dem Hohen Rat

30 Da er aber mit Gewissheit erfahren wollte, weshalb er von den Juden angeklagt wurde, ließ er ihm am folgenden Tag die Fesseln abnehmen und befahl den obersten Priestern samt ihrem ganzen Hohen Rat, zu kommen; und er führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie. 1 Da sah Paulus den Hohen Rat eindringlich an und sprach: Ihr Männer und Brüder, ich habe mein Leben mit allem guten Gewissen vor Gott geführt bis zu diesem Tag. 2 Aber der Hohepriester Ananias befahl den Umstehenden, ihn auf den Mund zu schlagen. 3 Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Du sitzt da, um mich zu richten nach dem Gesetz, und befiehlst, mich zu schlagen gegen das Gesetz? 4 Die Umstehenden aber sprachen: Schmähst du den Hohenpriester Gottes? 5 Da sprach Paulus: Ich wusste nicht, ihr Brüder, dass er Hoherpriester ist, denn es steht geschrieben: "Über einen Obersten deines Volkes sollst du nichts Böses reden". 6 Da aber Paulus wusste, dass der eine Teil aus Sadduzäern, der andere aus Pharisäern bestand, rief er in die Ratsversammlung hinein: Ihr Männer und Brüder, ich bin ein Pharisäer und der Sohn eines Pharisäers; wegen der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten werde ich gerichtet! 7 Als er aber dies sagte, entstand ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadduzäern, und die Versammlung spaltete sich. 8 Die Sadduzäer sagen nämlich, es gebe keine Auferstehung, auch weder Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen sich zu beidem. 9 Es entstand aber ein großes Geschrei, und die Schriftgelehrten von der Partei der Pharisäer standen auf, stritten heftig und sprachen: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen; wenn aber ein Geist zu ihm geredet hat oder ein Engel, so wollen wir nicht gegen Gott kämpfen! 10 Da aber ein großer Aufruhr entstand, befürchtete der Befehlshaber, Paulus könnte von ihnen zerrissen werden, und er befahl der Truppe, herabzukommen und ihn rasch aus ihrer Mitte herauszuführen und in die Kaserne zu bringen. 11 Aber in der folgenden Nacht trat der Herr zu ihm und sprach: Sei getrost, Paulus! Denn wie du in Jerusalem von mir Zeugnis abgelegt hast, so sollst du auch in Rom Zeugnis ablegen.
  • Der römische Befehlshaber möchte nun genau erfahren, weshalb Paulus überhaupt angeklagt wird (Vers 30).
  • Nachdem er von der Menge nichts genaues erfahren konnte und auch Folter keine Option war, lässt er Paulus vor den Hohen Rat führen (Vers 30).
  • Im Rahmen dieses Verhörs werden drei Dinge deutlich:
    • die mögliche Sünde von Paulus
    • die Verlorenheit der Sadduzäer und Pharisäer
    • der Beistand von Jesus
Die mögliche Sünde von Paulus
  • Über den Einstieg in das Verhör wird viel diskutiert.
    • Warum lässt der Hohepriester Ananias Paulus schlagen (Vers 2)?
    • Warum erkannte Paulus nicht, dass es sich um den Hohepriester handelte (Vers 5)?
    • War die Reaktion von Paulus in Vers 3 gerechtfertigt oder hat er seine Fassung verloren?
  • Auf jeden Fall steht die Reaktion von Paulus im Kontrast zum Verhalten Jesu vor dem Hohepriester.
    • 59 Aber die obersten Priester und die Ältesten und der ganze Hohe Rat suchten ein falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten. 60 Aber sie fanden keines; und obgleich viele falsche Zeugen herzukamen, fanden sie doch keines. 61 Zuletzt aber kamen zwei falsche Zeugen und sprachen: Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen aufbauen! 62 Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen? 63 Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester begann und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! 64 Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Überdies sage ich euch: Künftig werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels! 65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert! Was brauchen wir weitere Zeugen? Siehe, nun habt ihr seine Lästerung gehört. 66 Was meint ihr? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! 67 Da spuckten sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; andere gaben ihm Backenstreiche 68 und sprachen: Christus, weissage uns! Wer ist's, der dich geschlagen hat? (Mt 26,59-68)
  • Wenn Paulus hier auf ungerechtfertigte Weise zornig reagiert hat, sollte uns das nicht überraschen, da er in Römer 7 offen darüber redet, dass er in der Heiligung wachsen muss und dass immer noch Sünde in seinem Leben ist.
    • 18 Denn ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. 19 Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich. 20 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. 21 Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. 22 Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. (Röm 7,18-23)
  • Es gibt verschiedene falsche Ansichten über die Heiligung, die dazu führen, dass wir falsche Erwartungen über das christliche Leben haben und dann entweder
    • enttäuscht werden, weil sich die Erwartungen nicht erfüllen
    • vortäuschen, dass wir etwas sind, was wir nicht sind
  • Welche falsche Ansichten über den Heiligungsprozess sind im Umlauf?
    • Keswick/höheres Leben: Gott führt mich zu einer Krisenerfahrung, in der ich dann mein ganzes Leben ihm unterstelle. Danach kann ich nicht mehr sündigen.
    • die charismatische Sicht: Solange ich mit dem Heiligen Geist erfüllt bin, kann ich nicht sündigen. Es gibt bestimmte Menschen Gottes, die nicht sündigen können.
    • die freikirchliche Sicht: Die innewohnende Sünde wird nicht richtig ernst genommen, sondern mit Nettigkeit überspielt.
  • Was ist die biblische Sicht von Heiligung?
    • Heiligung ist ein lebenslanger Prozess, in welchem ich die Sünde in meinem Leben abtöte und ein heiliges Verlangen nach Gott herausbilde.
      • Sie geschieht durch den Geist Gottes, der das Wort Gottes gebraucht.
        • 13 Denn wenn ihr gemäß dem Fleisch lebt, so müßt ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. (Röm 8,13)
Die Verlorenheit der Sadduzäer und Pharisäer
  • Die Sadduzäer und Pharisäer sind ein Beispiel dafür, dass man durch eine oberflächliche Religiosität oder durch eine tiefe Religiosität trotzdem Christus nicht erkennen und deshalb verloren sein kann.
  • Die Sadduzäer glaubten nicht an eine Auferstehung, noch an Engel und Geister (Vers 8).
    • Sie hatte ein zivile Religion, die sich auf einen allgemeinen Gottesglauben beschränkte, sonst aber durch und durch säkular war.
  • Die Pharisäer glaubten sowohl an eine Auferstehung als auch an Engel und Geister (Vers 8).
    • Sie waren tief religiös, erkannten aber nicht, dass sie Erlösung brauchten und dass Christus der Erlöser ist.
  • Die Sadduzäer und Pharisäer sind eine Warnung, dass es nicht ausreicht, nur allgemein ein bisschen religiös zu sein oder sogar sehr religiös.
  • Wir brauchen einen Retter.
    • 23 Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten. (Röm 3,23)
Der Beistand von Jesus
  • Es ist unheimlich tröstlich, dass der Herr seinem Knecht persönlich begegnet und ihn ermutigt (Vers 11).
  • Der Herr hat verheißen, bei uns zu sein.
    • 5 Niemand soll vor dir bestehen dein Leben lang! Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein; ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen. 9 Habe ich dir nicht geboten, daß du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst! (Jos 1,5.9)
  • Diese Worte an Josua werden im Neuen Testament aufgegriffen und auf alle Christen angewandt.
    • 5 Euer Lebenswandel sei frei von Geldliebe! Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist; denn er selbst hat gesagt: "Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!" (Hebr 13,5)

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