Jesus richtet den Tempel
12. Juli 2020

Jesus richtet den Tempel

Prediger:
Passage: Markus 11,12-33
Dienstart:

Bible Text: Markus 11,12-33 | Prediger: Stefan Beyer |

Markus 11,12-33 – Jesus richtet den Tempel

12 Und als sie am folgenden Tag Bethanien verließen, hatte er Hunger. 13 Und als er von fern einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, ging er hin, ob er etwas daran finden würde. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen. 14 Und Jesus begann und sprach zu ihm: Es esse in Ewigkeit niemand mehr eine Frucht von dir! Und seine Jünger hörten es. 15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und begann die hinauszutreiben, die im Tempel verkauften und kauften; und er stieß die Tische der Wechsler um und die Stühle der Taubenverkäufer. 16 Und er ließ nicht zu, daß jemand ein Gerät durch den Tempel trug. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht! 18 Und die Schriftgelehrten und die obersten Priester hörten es und suchten, wie sie ihn umbringen könnten; denn sie fürchteten ihn, weil die ganze Volksmenge über seine Lehre staunte. 19 Und als es Abend geworden war, ging er aus der Stadt hinaus. 20 Und als sie am Morgen vorbeikamen, sahen sie, daß der Feigenbaum von den Wurzeln an verdorrt war. 21 Und Petrus erinnerte sich und sprach zu ihm: Rabbi, siehe, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt! 22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 23 Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand zu diesem Berg spricht: Hebe dich und wirf dich ins Meer! und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, daß das, was er sagt, geschieht, so wird ihm zuteil werden, was immer er sagt. 24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr auch immer im Gebet erbittet, glaubt, daß ihr es empfangt, so wird es euch zuteil werden! 25 Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. 26 Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben. 27 Und sie kamen wiederum nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, traten die obersten Priester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 28 und sprachen zu ihm: In welcher Vollmacht tust du dies? Und wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dies zu tun? 29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch ein Wort fragen; wenn ihr mir antwortet, so will ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich dies tue. 30 War die Taufe des Johannes vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir! 31 Und sie überlegten bei sich selbst und sprachen: Wenn wir sagen: Vom Himmel, so wird er fragen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32 Wenn wir aber sagen: Von Menschen — da fürchteten sie das Volk; denn alle meinten, daß Johannes wirklich ein Prophet gewesen war. 33 Und sie antworten Jesus und sprachen: Wir wissen es nicht! Da erwiderte Jesus und sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, in welcher Vollmacht ich dies tue!

Die Wut von Jesus über den Tempel und den Feigenbaum kommt unerwartet und ist vielleicht verwirrend.

Warum dieser plötzliche Wutanfall?

Warum dieser Fluch über einen unschuldigen Feigenbaum?

Aber Markus verbindet die Szene mit dem Feigenbaum bewusst mit der Tempelszene, deshalb müssen sie gemeinsam interpretiert werden.

Im Tempel geht es Jesus nicht darum, eine bewaffnete Revolte anzuzetteln.

Er legt sich hier nur mit den Dienern am Tempelmarkt an und es geht ihm stattdessen um etwas Symbolisches.

Das Staunen der Menge hat mehr mit seinem Zorn zu tun als mit der physischen Kraft, die er einsetzt.

Viele andere deuten diese Stelle als ein Zeichen des gerechten Zorns Jesu über die Missstände im Tempel.

Es wird gesagt, dass Jesus hier den Tempel reformieren möchte.

Jesus würde sich gegen den Kommerz im Tempel wenden, der vom Gebet ablenkt.

Aber die Frage muss gestellt werden: Warum will Jesus etwas reformieren, von dem er voraussagt, dass es bald zerstört werden wird (Mk 13,2)?

Die beste Antwort ist, dass Jesus hier gar nicht den Tempel reformieren will.

Als Prophet macht er hier eine prophetische Handlung, die etwas Größeres kommunizieren will.

Jesus bringt hier symbolisch das Gericht über den Tempel und alle Aktivitäten, die damit zusammenhängen.

Die Herrlichkeit des Tempels wird zu einem Ende kommen.

Seinen Jüngern kündigt er an, dass der Tempel zerstört werden wird.

1 Und als er aus dem Tempel ging, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh nur! Was für Steine! Und was für Gebäude sind das! 2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Es wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird! (Mk 13,1-2)

Seine Feindschaft gegen den Tempel wird ihm bei seinem Prozess vorgeworfen und selbst am Kreuz vorgehalten.

58 Wir haben ihn sagen hören: Ich will diesen mit Händen gemachten Tempel zerstören und in drei Tagen einen anderen aufbauen, der nicht mit Händen gemacht ist. (Mk 14,58)

29 Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf und sprachen: Ha, der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen aufbaust, 30 rette dich selbst und steige vom Kreuz herab! (Mk 15,29)

Jesus zitiert hier aus Jesaja 56,7.

Gott wollte nie, dass der Tempel ein nationaler Schrein wird.

Im ganzen Kapitel 56 kündigt Jesaja an, dass Gott seine Erlösung zu allen Menschen bringen wird, nicht nur zu Israel.

1 So spricht der HERR: Bewahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, um herbeizukommen, und meine Gerechtigkeit, um geoffenbart zu werden. 2 Wohl dem Menschen, der dies tut, und dem Menschenkind, das daran festhält: der den Sabbat hält, um ihn nicht zu entweihen, und seine Hand davor bewahrt, irgend etwas Böses zu tun! 3 Und der Fremdling, der sich dem HERRN angeschlossen hat, soll nicht sagen: Der HERR wird mich gewiß von seinem Volk ausschließen! Und der Verschnittene soll nicht sagen: Siehe, ich bin ein dürrer Baum! 4 Denn so spricht der HERR: Den Verschnittenen, die meine Sabbate halten und erwählen, was mir gefällt, und an meinem Bund festhalten, 5 denen will ich in meinem Haus und in meinen Mauern einen Platz und einen Namen geben, der besser ist als Söhne und Töchter; ich will ihnen einen ewigen Namen geben, der nicht ausgerottet werden soll. 6 Und die Fremdlinge, die sich dem HERRN anschließen, um ihm zu dienen und den Namen des HERRN zu lieben [und] um seine Knechte zu sein, und alle, die darauf achten, den Sabbat nicht zu entheiligen, und die an meinem Bund festhalten, 7 die will ich zu meinem heiligen Berg führen und sie in meinem Bethaus erfreuen; ihre Brandopfer und Schlachtopfer sollen wohlgefällig sein auf meinem Altar; denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker genannt werden. 8 GOTT, der Herr, der die Verstoßenen Israels sammelt, spricht: Ich will noch mehr zu ihm sammeln, zu seinen Gesammelten! (Jes 56,1-8)

Jesus geht davon aus, dass diese Verheißung sich nun erfüllt.

Israel hatte diese Vision jedoch zur Zeit Jesu vollkommen verloren.

Jesus zitiert mit dem Verweis auf die Räuberhöhle auch aus Jeremia 7,11:

1 Dies ist das Wort, das vom HERRN an Jeremia erging: 2 Stelle dich in das Tor am Haus des HERRN und rufe dort dieses Wort aus und sprich: Hört das Wort des HERRN, ihr alle aus Juda, die ihr zu diesen Toren hineingeht, um den HERRN anzubeten! 3 So spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Bessert euren Wandel und eure Taten, so will ich euch an diesem Ort wohnen lassen! 4 Verlaßt euch nicht auf trügerische Worte wie diese: »Der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN, der Tempel des HERRN ist dies!« 5 Denn nur wenn ihr euren Wandel und eure Taten ernstlich bessert, wenn ihr wirklich Recht übt untereinander, 6 wenn ihr die Fremdlinge, die Waisen und Witwen nicht bedrückt und an dieser Stätte kein unschuldiges Blut vergießt und nicht anderen Göttern nachwandelt zu eurem eigenen Schaden — 7 dann will ich euch an diesem Ort wohnen lassen, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe, von Ewigkeit zu Ewigkeit. 8 Siehe, ihr verlaßt euch auf trügerische Reden, die keinen Nutzen bringen! 9 Meint ihr denn, nachdem ihr gestohlen, gemordet, die Ehe gebrochen, falsch geschworen, dem Baal geräuchert habt und anderen Göttern nachgelaufen seid, die ihr nicht kennt, 10 daß ihr dann kommen und vor mein Angesicht treten könnt in diesem Haus, das nach meinem Namen genannt ist, und sprechen: »Wir sind errettet!« — nur, um dann alle diese Greuel weiter zu verüben? 11 Ist denn dieses Haus, das nach meinem Namen genannt ist, in euren Augen zu einer Räuberhöhle geworden? Ja wahrlich, auch ich sehe es so an! spricht der HERR. 12 Denn geht doch hin zu meiner Stätte in Silo, wo ich zuerst meinen Namen wohnen ließ, und seht, wie ich mit ihr verfahren bin wegen der Bosheit meines Volkes Israel! 13 Und nun, weil ihr alle diese Werke verübt habt, spricht der HERR, und weil ich zu euch geredet habe, indem ich mich früh aufmachte und [immer wieder] redete, ihr aber nicht hören wolltet; weil ich euch gerufen habe, ihr aber nicht geantwortet habt, 14 so will ich auch mit dem Haus, das nach meinem Namen genannt ist und auf das ihr euch verlaßt, und mit dem Ort, den ich euch und euren Vätern gegeben habe, so verfahren, wie ich mit Silo verfahren bin; 15 und ich will auch euch von meinem Angesicht verwerfen, gleichwie ich alle eure Brüder, die ganze Nachkommenschaft Ephraims, verworfen habe! (Jer 7,1-15)

Es geht Jesus nicht primär um Kommerz und Handel, sondern um die falsche Sicherheit, die der Opferkult bot.

Jesus greift die Tempelbesucher an, weil sie denken, dass sie sich im Tempel verstecken können und dort Vergebung und Gemeinschaft mit Gott finden, egal, wie sie sich außerhalb des Tempels verhalten.

Die religiösen Führer glaubten, dass sie die Häuser der Witwen bestehlen können, dann aber durch lange Gebete wieder in Sicherheit kommen können.

40 welche die Häuser der Witwen fressen und zum Schein lange Gebete sprechen. Diese werden ein um so schwereres Gericht empfangen! (Mk 12,40)

Der Tempel war zu einem Schutzraum für Banditen geworden, die sich vor Gottes Gericht verstecken wollten.

In diesem Zusammenhang ist nun der Fluch über den Feigenbaum zu verstehen.

Der Feigenbaum, der keine Frucht gebracht hat, wird verflucht.

Genauso wie Jesus Frucht vom Feigenbaum erwartet, erwartet Gott, der Weingärtner, Frucht vom Weinstock.

1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg. (Joh 15,1-2)

Die Fruchtlosigkeit des Feigenbaums repräsentiert die Fruchtlosigkeit der jüdischen Religion im Tempel, die Jesus und seine Herrschaft als Messias nicht annehmen wollen.

Am nächsten Tag kommt Jesus mit den Jüngern am Feigenbaum vorbei und sieht, dass er von den Wurzeln an verdorrt ist.

Damit wird das endgültige Gericht über den Feigenbaum und den Tempel deutlich.

Anwendung

Frucht ist keine Voraussetzung für die Errettung, aber eine unweigerliche Folge davon, dass man eine lebendige Beziehung zu Gott hat.

Gott wird unsere geistliche Frucht prüfen.

12 Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, 13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden; der Tag wird es zeigen, weil es durchs Feuer geoffenbart wird. Und welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben. 14 Wenn jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen; 15 wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. (1Kor 3,12-15)

Die Gemeinde ist nicht der Ort, wo man sich verstecken kann vor dem Gericht Gottes.

Allerdings dürfen wir auch nie vergessen, dass dieses Gericht zuerst auf Jesus selbst gefallen ist.

Er hat stellvertretend für uns den Fluch getragen und die Strafe für unsere Fruchtlosigkeit.

Wahre Frucht entsteht aus Liebe zu diesem Retter und aus Freude über die Erlösung, die er uns geschenkt hat.

Lasst uns also zu diesem Retter umkehren und Frucht bringen, die der Buße entspricht.

8 So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind! (Mt 3,8)

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