Der Christ und die Rolle des Staates
26. Juli 2020

Der Christ und die Rolle des Staates

Prediger:
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Passage: Markus 12,13-17
Dienstart:

Bible Text: Markus 12,13-17 | Prediger: Stefan Beyer | Series: Markus |

Markus 12,13-17 – Der Christ und die Rolle des Staates

13 Und sie sandten etliche von den Pharisäern und Herodianern zu ihm, um ihn in der Rede zu fangen. 14 Diese kamen nun und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, daß du wahrhaftig bist und auf niemand Rücksicht nimmst; denn du siehst die Person der Menschen nicht an, sondern lehrst den Weg Gottes der Wahrheit gemäß. Ist es erlaubt, dem Kaiser die Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben? 15 Da er aber ihre Heuchelei erkannte, sprach er zu ihnen: Weshalb versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, damit ich ihn ansehe! 16 Da brachten sie einen. Und er sprach zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? Sie aber sprachen zu ihm: Des Kaisers! 17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie verwunderten sich über ihn.

Jesus werden etliche Fragen im Tempel gestellt, die alle mit jüdischen Themen zu tun haben.

Kann man dem Kaiser Steuern zahlen und trotzdem Gott ehren?

Lässt sich die Auferstehungshoffnung aus den Büchern Mose ableiten?

Was ist das höchste der Gebote Gottes?

Wie erklärt sich der scheinbare Widerspruch im Alten Testament über den Sohn Davids?

Dass Jesus diese Herausforderungen beantworten kann, zeigt, dass seine Vollmacht von Gott kommt.

Hier ist nun die erste Herausforderung.

Pharisäer und Herodianer werden zu Jesus gesandt, um ihn in eine Falle zu locken (Vers 13).

Zuerst preisen sie ihn für seine Unparteilichkeit.

Ironischerweise täuschen sie Aufrichtigkeit vor, während sie gleichzeitig die Ehrlichkeit von Jesus loben.

Er lehrt den Weg Gottes der Wahrheit gemäß (Vers 14).

Aber sie täuschen sich in ihm. Jesus gibt keine klare Antworten gegenüber denen, die nicht nach der Wahrheit streben.

Die Falle wird gelegt, indem sie Jesus eine ja/nein-Frage vorlegen über ein explosives Thema: Steuern.

Judäa wurde im Jahr 6 n.Chr. zu einer römischen Provinz.

Danach wurde eine Volkszählung durchgeführt und auf der Grundlage Steuern erhoben.

Dagegen revoltierten die Juden in Galiläa, weil aus ihrer Sicht das Land der Juden nun unter Fremdherrschaft stand.

Die Frage an Jesus ist ernst, denn es geht um die Treue gegenüber den Gott Israels.

Kann man dem Kaiser Steuern zahlen und trotzdem dem Gott Israels treu sein?

Verraten die Menschen ihre Beziehung zu Gott, weil sie die Herrschaft des Kaisers unterstützen?

Wahrscheinlich erwarten die Widersacher Jesu, dass er ein Extremist ist, der diese Steuern offen ablehnt.

Wäre das der Fall, würde er zu den Rebellen gezählt und verhaftet werden können.

Andererseits, wenn er die Steuer unterstützt, sagt er sich von den Gottesfürchtigen los, die unter der römischen Herrschaft leiden.

Fast jeder Bewohner Israels kannten jemanden, der unter den Römern gelitten hatte. Entweder als Sklave, durch Schulden oder als Widerstandskämpfer.

Jesus erkennt die Heuchelei der Fragesteller und stellt selbst eine Falle (Vers 15).

Indem er um eine Münze bittet, werden sie erst einmal durcheinander gebracht, weil sie die Münze suchen müssen.

Der Denar hatte ein Bild des Kaisers und trug die Aufschrift: Kaiser Tiberius, Sohn des göttlichen Augustus.

Auf der Rückseite war eine weibliche Person abgebildet, die auf einem Thron saß, eine Krone und einen Speer in der rechten Hand trug oder einen Olivenzweig. Darunter stand: Pontifex Maximus (Hohepriesterin).

Die Frau war entweder eine Priesterin oder Livia, die Frau von Augustus und Mutter von Tiberius.

Die Münze verkündigte den römischen Frieden, der die ganze Welt unterjocht hat.

Sie war in gewisser Hinsicht ein tragbarer, heidnischer Götzengegenstand.

Jesus fragt nun, wessen Abbild die Münze trägt (Vers 16).

Sie antworten: Des Kaisers.

Nun kann Jesus ihre Frage beantworten.

Die Münze des Kaisers gehört dem Kaiser. Da sie keine Probleme hatten, ihre Geschäfte mit dem Geld des Kaisers zu bezahlen, sollten sie besser dem Kaiser Steuern bezahlen.

Jesus offenbart, dass sie anscheinend kein Problem hatten, ein Bild des Kaisers in den Tempel Gottes zu bringen.

Dadurch erscheinen sie töricht und unfromm.

Sie hatten dem Kaiser schon einen Tribut bezahlt, indem sie seine Münze besaßen. Jesus sagt nun, dass sie ihm deswegen auch die Steuern schulden.

Auf der anderen Seite sollten sie aber auch Gott geben, was Gott gehört.

Gott ist der Herr auch über den Kaiser.

Man mag dem Kaiser schulden, was sein Bild und seine Aufschrift trägt: Geld.

Aber man schuldet Gott, was Gottes Bild und Namen trägt.

Da wir in seinem Ebenbild geschaffen sind und als Kinder seinen Namen tragen, gehört ihm unser ganzes selbst.

Wir schulden ihm die Liebe unseres Herzens, unserer Seele, unseres Verstandes und unserer Stärke.

Anwendung

In dieser Bibelstelle wird die wichtige Frage aufgeworfen, wie Gott und die Regierung in Beziehung stehen.

Jesus trennt hier die zwei Bereiche scharf ab und in der Kirchengeschichte ist daraus die Zwei-Reiche-Lehre entstanden.

Jesus redet hier die Wahrheit Gottes, ohne sich um politische Annehmlichkeit zu kümmern.

Er lehnt radikale Rebellion gegen den Staat ab.

Stattdessen gründet er eine Gemeinde, die durch ihre Liebe zu einander den Staat von innen heraus verändert.

Er lehnt Weltflucht ab und geht davon aus, dass wir Teil des weltlichen Systems sind, auch wenn wir unserer Bürgerschaft im Himmel haben (Phil 3,20).

Allerdings begrenzt er die Rolle des Staates auch, denn Gott bleibt der oberste Herr über unser Leben.

Sollte der Staat versuchen, auf religiöser Ebene Macht auszuüben, gilt unsere höhere Loyalität Christus.

Ein Staat kann götzerdienerisch werden und seine Bürger zum Götzendienst verleiten (siehe Offb 13; 17,1-19,10).

Jesus selbst starb durch die Hand der Römer. Er erkannte Gott als obersten Herrn an.

Er gab sich ganz für uns hin, weil wir versäumt haben, uns ganz Gott hinzugeben.

Durch seine Erlösung sind wir freigesetzt, nun wieder mit voller Liebe unserem himmlischen Vater zu dienen.

Unsere oberste Aufgabe als Christen ist immer nicht politisch, sondern das Evangelium zu verkünden.

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