Werkstagsgottesdienst vom 11.10.2018: Stefan Beyer – Sola Gratia – Die Gnade allein

Sola Gratia – Die Gnade allein

  • Welchen Sinn hat die Beschäftigung mit dem Abgrund unserer Sündhaftigkeit?
    • Um uns unsere vollkommene Abhängigkeit von der Gnade zu zeigen.
  • Gnade ist Gottes Güte gegenüber Sündern.
  • Gnade ist sowohl eine Einstellung Gottes als auch eine Bezeichnung für sein gnädiges Wirken in uns.
  • Unsere Sünde ist so tiefgehend, dass wir beides benötigen:
    • Wenn Gott nicht aus Gnade einen Weg schafft, um für unsere Sünde zu sühnen, sind wir verloren.
    • Wenn Gott nicht in uns wirkt, können wir niemals glauben oder im Glauben ausharren.
  • Die biblische Religion ist durch und durch eine Religion der Gnade.
  • Das fing mit Gottes Selbstoffenbarung an:
    • 4 Und Mose hieb sich zwei steinerne Tafeln zurecht, wie die ersten waren; und er stand am Morgen  früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei  steinernen Tafeln in seine Hand. 5 Da kam der HERR in einer Wolke herab und trat dort zu ihm und rief den Namen des HERRN  aus. 6 Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke  Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; 7 der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs  ungestraft läßt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in  das dritte und vierte Glied! (2Mo 34,4-7)
  • Gnade bestimmte das Glaubensleben der Israeliten:
    • 8 Ich aber darf durch deine große Gnade eingehen in dein Haus; ich will anbeten, zu deinem  heiligen Tempel gewandt, in Ehrfurcht vor dir. (Ps 5,8)
    • 13 Denn du, HERR, segnest den Gerechten; du umgibst ihn mit Gnade wie mit einem Schild. (Ps  5,13)
    • 5 Kehre doch wieder zurück, HERR, rette meine Seele! Hilf mir um deiner Gnade willen! (Ps 6,5)
    • 6 Ich aber vertraue auf deine Gnade; mein Herz soll frohlocken in deinem Heil. Ich will dem HERRN  singen, weil er mir wohlgetan hat! (Ps 13,6)
    • 7 Erweise deine wunderbare Gnade, du Retter derer, die vor den Widersachern Zuflucht suchen bei  deiner Rechten! (Ps 17,7)
    • 51 dich, der seinem König große Siege verliehen hat, und der Gnade erweist seinem Gesalbten,  David und seinem Samen bis in Ewigkeit. (Ps 18,51)
    • 8 Denn der König vertraut auf den HERRN, und durch die Gnade des Höchsten wird er nicht  wanken. (Ps 21,8)
    • 6 Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des  HERRN immerdar. (Ps 23,6)
  • Gnade gipfelt in der Bibel im Werk des Messias:
    • 4 Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber  hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. 5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten  zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir  geheilt worden. 6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf  unser aller Schuld auf ihn. (Jes 53,4-6)
  • Der Kirchenvater, der die Gnade am meisten betonte, war Augustinus: Gib, was du befiehlst, und dann befiehl, was du willst. (Bekenntnisse, contra Pelagius)
  • Auch für die Reformatoren war die Gnade eines der zentralen Anliegen: sola gratia (Martin Luther – Vom unfreien Willen).
  • Die absolute Priorität der Gnade musste seit der Reformation immer wieder verteidigt werden, so in der Dortrechter Lehrregel (1618/19):
    • I/Artikel 7
      • Die Erwählung aber ist ein unveränderlicher Vorsatz Gottes, durch den er vor Grundlegung der Welt aus dem gesamten Menschengeschlecht, das aus der anfänglichen Unschuld durch seine eigene Schuld der Sünde und dem Verderben verfallen war, nach freiem Belieben seines Willens, aus reiner Gnade, eine bestimmte Menge von Menschen, die weder besser noch würdiger als andere waren, sondern mit ihnen im gemeinschaftlichen Elend lagen, zum Heil auserwählt hat in Christus, den er auch von Ewigkeit her zum Mittler und Haupt aller Erwählten sowie zum Grund der Seligkeit bestimmt hat. Und so hat er auch sie ihm zur Rettung zu übergeben und sie wirksam zur Gemeinschaft mit ihm durch das Wort und seinen Heiligen Geist zu berufen und zu führen oder sie mit dem wahren Glauben an ihn zu beschenken, sie zu rechtfertigen, sie zu heiligen und, nachdem er sie mächtig in der Gemeinschaft mit seinem Sohn bewahrt hat, endlich zu verherrlichen beschlossen, um seine Barmherzigkeit und den Ruhm des Reichtums seiner gepriesenen Gnade zu zeigen, wie geschrieben steht: »wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe. Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.« (Eph 1,4–6). Und an einer anderen Stelle: »Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.« (Röm 8,30).
    • I/Artikel 10
      • Der Grund dieser Erwählung aus Gnade aber ist allein das Wohlgefallen Gottes, nicht darin bestehend, dass er bestimmte Eigenschaften oder Handlungen der Menschen aus allen möglichen Bedingungen zur Bedingung des Heils auserwählte, sondern darin, dass er gewisse, bestimmte Personen aus der allgemeinen Menge der Sünder sich zum Eigentum nahm, wie geschrieben steht: »als [die Kinder] noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten – damit der gemäß der Auserwählung gefasste Vorsatz Gottes bestehen bleibe, nicht aufgrund von Werken, sondern aufgrund des Berufenden –, wurde zu ihr gesagt:  ›Der Ältere wird dem Jüngeren dienen‹; wie auch geschrieben steht: ›Jakob habe ich geliebt, Esau aber habe ich gehasst‹.« (Röm 9,11–13). Und: »[…] es wurden alle die gläubig, die zum ewigen Leben bestimmt waren.« (Apg 13,48).
    • II/Artikel 8
      • Dies war nämlich ein völlig freier Entschluss Gottes, des Vaters, und sein gnadenvoller Wille und Zweck, dass die belebende und beseligende Kraft des kostbaren Todes seines Sohnes sich an allen Erwählten zeigt, um sie allein mit dem rechtfertigenden Glauben zu beschenken und durch ihn untrüglich zur Seligkeit zu führen. Das heißt: Gott wollte, dass Christus durch das Blut des Kreuzes (mit dem er den neuen Bund besiegelte) aus allen Völkern, Stämmen, Geschlechtern und Zungen diejenigen alle und allein, welche von Ewigkeit zur Seligkeit erwählt und ihm vom Vater gegeben sind, kräftiglich erlöst, mit dem Glauben (den er ihnen, wie andere heilbringende Gaben des Heiligen Geistes, durch seinen Tod erwarb) beschenkt, sie von allen Sünden, sowohl von der Erbsünde als von wirklich begangenen Sünden, sowohl nach als vor dem Glauben, durch sein Blut reinigt, bis zum Ende treu bewacht und endlich frei von allem Flecken und Fehl herrlich vor ihn stellt.
    • III/Artikel 3
      • So werden denn alle Menschen in Sünde empfangen und als Kinder des Zorns geboren, unfähig zu allem seligmachenden Guten, geneigt zum Bösen, in der Sünde tot und Knechte der Sünde; und ohne die Gnade des wiedergebärenden Heiligen Geistes wollen und können sie nicht zu Gott zurückkehren, die verderbte Natur verbessern oder sich zu ihrer Verbesserung fähig machen.
    • III/Artikel 7
      • Dieses Geheimnis seines Willens hat Gott im Alten Testament wenigeren offenbart, im Neuen Testament tut er es mehreren kund, indem schon der Unterschied der Völker aufgehoben ist. Die Ursache dieser Erteilung ist nicht darin zu suchen, dass ein Volk vor dem anderen würdig sei oder das natürliche Licht besser benutzt hätte, sondern in das freie Belieben und die unverdiente Liebe Gottes zu setzen. Deshalb müssen die, denen ohne und gegen alles Verdienst eine so große Gnade wird, sie mit demütigem und dankbarem Herzen anerkennen, bei den übrigen aber, denen diese Gnade nicht zuteil wird, die Strenge und Gerechtigkeit der Gerichte Gottes mit dem Apostel verehren, keineswegs aber sie neugierig zu erforschen suchen.
    • III/Artikel 10
      • Dass aber andere, die durch den Dienst des Evangeliums berufen sind, kommen und sich bekehren, das ist nicht dem Menschen zuzuschreiben, als wenn er sich durch seinen freien Willen von anderen, die mit gleicher oder wenigstens hinreichender Gnade zum Glauben und zur Bekehrung begabt sind, trenne (was die übermütige Ketzerei des Pelagius annahm), sondern Gott, der, wie er die Seinigen von Ewigkeit in Christus erlesen hat, so auch dieselben zur Zeit wirksam beruft, mit Glauben und Bußfertigkeit beschenkt, sie aus der Gewalt der Finsternis reißt und in seines Sohnes Reich führt, damit sie die Vollkommenheiten dessen, der sie aus der Finsternis zu diesem wunderbaren Licht berufen hat, preisen und sich nicht in sich, sondern im Herrn rühmen sollen. Dies bezeugen die apostolischen Schriften an mehreren Stellen.
    • III/Artikel 12
      • Und dies ist die in der Schrift so herrlich gepredigte Wiedergeburt, neue Schöpfung, Erweckung von den Toten und Belebung, welche Gott ohne uns in uns bewirkt. Sie wird aber nicht hervorgebracht nur durch eine von außen herkommende Lehre, sittliche Ermahnung oder eine solche Art der Wirkung, dass nach dem Wirken Gottes (seinerseits) es in der Gewalt des Menschen stehe, wiedergeboren zu werden oder auch nicht, bekehrt zu werden oder auch nicht; sondern es ist eine völlig übernatürliche, sehr mächtige und zugleich sehr angenehme, wunderbare, geheimnisvolle und unaussprechliche Wirkung, welche in Rücksicht auf ihre Kraft nach der Heiligen Schrift (welche von dem Urheber dieser Wirkung eingegeben ist) weder kleiner noch geringer ist als die Schöpfung und die Auferweckung der Toten, dermaßen, dass alle, in deren Herzen Gott auf diese wunderbare Art wirkt, sicher unfehlbar und kräftiglich wiedergeboren werden und in der Tat glauben. Und dann wird der erneuerte Wille nicht nur von Gott getrieben und bewegt, sondern, von Gott getrieben, handelt er auch selbst. Deshalb wird auch mit Recht vom Menschen selbst gesagt, dass er durch diese empfangene Gnade glaube und sich bessere.
    • III/Artikel 13
      • Die Art dieser Wirkung können die Gläubigen in diesem Leben nicht völlig begreifen; jedoch beruhigen sie sich dabei, dass sie wissen und fühlen, dass sie durch diese Gnade Gottes von Herzen glauben und ihren Heiland lieben.
    • III/Artikel 14
      • So ist daher der Glaube ein Geschenk Gottes, nicht weil er dem freien Willen des Menschen von Gott dargeboten wird, sondern weil er dem Menschen wirklich erteilt, eingehaucht und eingeflößt wird. Auch nicht dadurch, dass Gott nur die Fähigkeit zu glauben erteilte, die Zustimmung aber und die Tatsache des Glaubens erst von dem Willen des Menschen erwartete, sondern weil das Glauben-Wollen sowohl als das Glauben selbst der im Menschen bewirkt, der das Wollen und Vollbringen wirkt und so alles in allen wirkt.
    • III/Artikel 15
      • Diese Gnade ist Gott niemandem schuldig; denn was sollte er dem schuldig sein, der nichts zuvor geben kann, dass es ihm vergolten würde? Ja, was sollte er dem schuldig sein, der aus sich nichts hat als Sünde und Lüge? Wer daher jene Gnade empfängt, schuldet und bezeigt Gott allein ewig Dank; wer jene nicht empfängt, der kümmert sich entweder überhaupt um geistliche Dinge nicht und gefällt sich in seinem Wesen, oder rühmt sich töricht in seiner Sicherheit zu haben, was er nicht hat. Ferner ist von denen, die äußerlich sich zum Glauben bekennen und ihr Leben bessern, nach dem Beispiel der Apostel aufs beste zu urteilen und zu sprechen, denn das Innerste des Herzens kennen wir nicht. Für die aber, die nicht berufen sind, muss man Gott anflehen, der das, was nicht ist, ruft, als wäre es. Keineswegs aber muss man gegen sie stolz sein, als ob wir uns selbst ausgeschieden hätten.
    • III/Artikel 17
      • Wie auch jene allmächtige Wirkung Gottes, durch die er unser natürliches Leben fortführt und erhält, den Gebrauch von Mitteln, durch die Gott seiner unendlichen Weisheit und Güte gemäß diese seine Kraft äußern wollte, nicht ausschließt, sondern erfordert, so schließt auch diese genannte übernatürliche Wirkung Gottes, durch die er uns wiedergeboren werden lässt, keineswegs den Gebrauch des Evangeliums, das der allweise Gott zum Samen der Wiedergeburt und zur Speise der Seele verordnete, aus oder stört ihn. Wie daher die Apostel und die Lehrer, die ihnen gefolgt sind, über diese Gnade Gottes zu seinem Ruhm und zur Unterdrückung alles Stolzes das Volk mit Frömmigkeit unterrichtet haben, unterdessen aber nicht vernachlässigt haben, es durch die heiligen Ermahnungen des Evangeliums und der Übung des Wortes, der Sakramente und der Zucht zu halten, so sei es auch noch jetzt fern, dass Lehrende oder Lernende in der Kirche Gott damit zu versuchen wagen, dass sie das trennen, was Gott nach seinem Erachten eng verbunden wissen wollte. Denn durch Ermahnungen wird die Gnade mitgeteilt, und je gewissenhafter wir unsere Pflicht tun, desto herrlicher pflegt in uns die Wohltat Gottes, der sie wirkt, zu sein, und sein Werk geht am besten vonstatten. Ihm allein gebührt für die Mittel und ihre seligmachende Frucht und Wirksamkeit Ruhm in Ewigkeit. Amen.
  • Unser Glaubensleben sollte vom Lob und vom alleinigen Vertrauen auf die Gnade Gottes bestimmt sein.

Stefan Beyer – Sola Gratia – Die Gnade allein

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