Predigt vom 02.09.2018: Stefan Beyer – Apostelgeschichte 16:6-10 – Paulus wird nach Europa berufen

Apostelgeschichte 16:6-10 – Paulus wird nach Europa berufen

6 Als sie aber Phrygien und das Gebiet Galatiens durchzogen, wurde ihnen vom Heiligen Geist gewehrt, das Wort in der Provinz Asia zu verkündigen. 7 Als sie nach Mysien kamen, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist ließ es ihnen nicht zu. 8 Da reisten sie an Mysien vorbei und kamen hinab nach Troas. 9 Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht: Ein mazedonischer Mann stand vor ihm, bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! 10 Als er aber dieses Gesicht gesehen hatte, waren wir sogleich bestrebt, nach Mazedonien zu ziehen, indem wir daraus schlossen, daß uns der Herr berufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen.
Hermeneutik
  • Viele versuchen aus solchen Stellen in der Apostelgeschichte allgemeine Prinzipien abzuleiten, wie der Herr uns heute führt.
  • Oft begehen sie dabei aber viele hermeneutische Fehler.
  • Hermeneutik ist die Wissenschaft, wie man die Bibel auslegt.
  • Dabei wird der Kontext der Bibelstelle untersucht, die literarische Gattung, der heilsgeschichtliche Zusammenhang und der Vergleich mit anderen Bibelstellen.
  • Die Reformatoren gingen von der Klarheit der Heiligen Schrift aus.
  • Diese Klarheit bedeutet, dass die wesentlichen Aussagen der Bibel über das Evangelium so deutlich sind, dass jeder, der die Bibel liest, sie verstehen kann.
  • Deshalb wollten sie auch, dass jeder Mensch die Bibel in seiner eigenen Sprache liest.
  • Die Klarheit der Schrift sollte aber niemals in Abrede stellen, dass die Bibel korrekt auslegt werden muss.
  • Die Reformatoren selbst hielten in ihren Kirchen Bibelstunden, in denen der Text auf Deutsch, Lateinisch und Griechisch vorgelesen wurde, dann noch Kommentare und Querverweise hinzugezogen wurden, und am Ende versucht wurde, möglichst treu auszulegen.
  • Das besondere an der Apostelgeschichte ist, dass sie zunächst ein beschreibender Erzähltext und kein Lehrtext ist. Sie will uns zunächst erst einmal berichten, wie es damals war.
  • Dazu kommt, dass die Apostel eine besondere Rolle und besondere Gaben hatten, die niemals in der Kirchengeschichte wiederholt wurden.
  • Diese Gaben zeichneten sie als Gesandte Gottes aus.
  • Ähnlich erging es Mose, der das alttestamentliche Gesetz brachte.
    • 11 Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund  redet; und er kehrte wieder ins Lager zurück. (2Mo 33:11)
    • 10 Es stand aber in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der HERR kannte von Angesicht zu  Angesicht, 11 in all den Zeichen und Wundern, zu denen der HERR ihn gesandt hatte, daß er sie im Land  Ägypten tun sollte an dem Pharao und an allen seinen Knechten und an seinem ganzen Land; 12 und in all den gewaltigen Handlungen und all den großen und furchtgebietenden Taten, die Mose  vollbrachte vor den Augen von ganz Israel. (5Mo 34:10-12)
  • Wir wissen nicht, wie Paulus hier vom Heiligen Geist gewehrt wurde, aber es muss so deutlich gewesen sein, wie es nur für einen Propheten Gottes gilt.
  • Nirgendwo im Neuen Testament ruft Paulus die Gemeinde später auf, irgendwelche Eindrücke des Geistes oder Träume zu suchen.
  • Stattdessen sollen sie sich an das Wort Gottes halten und sonst mittels biblischer Weisheit entscheiden.
    • 16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur  Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. (2Tim 3:16-17)
  • Literaturhinweis: Gefunden: Gottes Wille von John MacArthur (https://clv.de/Buecher/Glaube-Nachfolge/Gefunden-Gottes-Wille.html)
Gottes Souveränität
  • Was auf der anderen Seite erstaunlich ist, ist dass Gott Paulus wehrt, in bestimmten Regionen das Evangelium zu verkünden.
  • Und das waren keine unwichtigen Regionen, denn in einer dieser Regionen befand sich die Großstadt Byzanz, die später als Konstantinopel eines der Zentren des Christentums werden würde.
  • Aber Gott hatte nun vor, Paulus und seine Mitarbeiter auf das europäische Festland zu senden.
  • Gott verfolgt bei der Weltgeschichte und bei der Ausbreitung des Evangeliums einen souveränen Plan, den er uns nicht eröffnet.
  • Wir können oft nicht verstehen, warum diese oder jene Person zum Glauben kommt, oder warum Gott unser Leben in diese oder jene Richtung lenkt.
  • Aber wir dürfen ihm vertrauen, dass er in seiner hohen Souveränität einen festen Plan hat und unser Leben Teil von etwas ist, was ihm große Ehre bringt.
    • 11 In ihm, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir vorherbestimmt sind nach dem  Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Ratschluß seines Willens, 12 damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit dienten, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben. (Eph 1:11-12)
  • Es sollte uns als Erklärung ausreichen, dass Gott unser Leben zum Lob seiner Herrlichkeit gebraucht.
  • Literaturhinweis: Gott im Leid begegnen von Timothy Keller (https://brunnen-verlag.de/gott-im-leid-begegnen.html)
Der Ruf zur Mission
  • Paulus erhielt hier einen direkten Ruf zur Mission nach Europa.
  • Viele Christen warten auf solch einen Ruf, bis sie sich überhaupt an Mission beteiligen.
  • Das ist aber grundlegend falsch.
  • Paulus war schon in der Mission aktiv und Gott lenkte hier nur seine Richtung.
  • Alle Christen sind schon laut dem Wort Gottes zur Mission berufen:
    • 19 So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und  des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis  an das Ende der Weltzeit! Amen. (Mt 28:19-20)
    • 8 Sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr  werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der  Erde! (Apg 1:8)
  • Die Frage ist nicht ob, sondern wo und wie.
  • Hanniels große Sorge ist, dass viele Christen im Wohlstand unserer Zeit versanden.
  • Was passiert?
    • Man verliert seine Leidenschaft für Christus und das Evangelium.
    • Man fängt an, Bibelverse zu delegieren.
    • Man gönnt sich mehr.
    • Man hat keine Vision mehr, was man mit und für Christus tun will.
    • Man passt sich immer mehr den weltlichen Werten und Maßstäben aus dem Arbeitsplatz, dem Freundeskreis oder der Schule an.
  • Das heißt nicht, dass die neuen Aufrufe zur Radikalität immer vollkommen richtig sind.
    • Oft wird darin Gesetz und Evangelium vermischt und eine neue Gesetzlichkeit geschaffen.
  • Aber wenn wir fest auf dem Evangelium gegründet sind, sollte es natürlich sein, dass wir unsere Leidenschaften von Christus bestimmen lassen.
  • Er sollte immer das Schönste und Kostbarste sein, das wir haben.
  • Wenn dem so ist, dann wird sich das in dem Wunsch nach Mission und radikaler Nachfolge äußern (auch in Bezug auf unsere Güter).
  • Wenn wir das verloren haben, ist es für Christen gut, Buße zu tun.
  • Buße ist nicht nur etwas, dass wir am Anfang des christlichen Lebens tun, sondern immer wieder.
  • Buße ist die Abkehr von der Sünde und die Neuausrichtung auf Christus.
  • Literaturhinweis: Die Lehre der Buße von Thomas Watson (https://www.3lverlag.de/die-lehre-der-busse.html)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: