Predigt vom 29.10.2017:Stefan Beyer – 2. Timotheus 3:14-17 – Sola fide und sola scriptura

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Predigt vom 29. Oktober 2017

2. Timotheus 3:14-17 – Sola fide und sola scriptura

  • Bei der Reformation wird manchmal von der formellen Ursache und der materiellen Ursache gesprochen.
  • Mit der materiellen Ursache wird beschrieben, worum es es Martin Luther im Kern ging: die Rechtfertigung aus Glauben allein.
    • Er hatte durch tiefe Gewissenskonflikte und intensives Studium des Wortes Gottes erkannt, dass der Mensch nicht durch seine eigenen Werke vor Gott bestehen kann, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, durch den er alle Gerechtigkeit erhält, die Christus selbst hat.
      • 16 Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen; 17 denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: “Der Gerechte wird aus Glauben leben”. (Röm 1,16-17)
      • Der Glaube gibt nicht nur so viel, dass die Seele dem göttlichen Wort gleich wird, aller Gnaden voll, frei und selig, sondern er vereinigt auch die Seele mit Christus wie eine Braut mit ihrem Bräutigam. Aus dieser Ehe folgt, wie Paulus sagt, dass Christus und die Seele ein Leib werden – so werden auch beider Güter eins, Gelingen und Unglück und alle Dinge. Denn was Christus hat, das ist der gläubigen Seele eigen, was die Seele hat, wird Christi eigen. So hat Christus alle Güter und Seligkeit, die sind der Seele eigen. So hat die Seele alle Untugend und Sünde auf sich, die werden Christi eigen. Hier hebt nun der fröhliche Wechsel und Austausch an: Da ja Christus Gott und Mensch ist, der niemals gesündigt hat und dessen Gerechtigkeit unüberwindlich, ewig und allmächtig ist, wenn der die Sünde der gläubigen Seele durch ihren Brautring, den Glauben, sich zu eigen macht und sich nicht anders verhält, als hätte er sie getan, dann müssen die Sünden in ihm verschlungen und ertränkt werden, denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark. So wird die Seele von allen ihren Sünden allein durch ihre Mitgift, also um des Glaubens willen, los und frei und mit der ewigen Gerechtigkeit ihres Bräutigams Christus beschenkt. Ist das nun nicht eine fröhliche Hochzeit, wo der reiche, edle, gerechte Bräutigam Christus das arme, verachtete, unansehnliche Mädchen heiratet und sie von allem Übel befreit, mit allen Gütern ziert? Daher ist es unmöglich, dass die Sünden sie verdammen, denn sie lasten nun auf Christus und sind in ihm verschlungen, daher besitzt sie eine so reiche Gerechtigkeit in ihrem Bräutigam, dass sie erneut gegen alle Sündev zu bestehen vermag, wenn sie denn auf ihr liegen. Davon spricht Paulus 1Kor. 15: Gott sei Lob und Dank, der uns eine solche Überwindung in Christus Jesus gegeben hat, durch die der Tod mitsamt der Sünde verschlungen ist. (Freiheit eines Christenmenschen, Artikel 12)
  • Aber um die Kirche wieder zum Evangelium zurückzuführen, wußte Martin Luther, daß er sie zur obersten Autorität der Schrift zurückführen mußte.
  • Das war die formelle Ursache der Reformation, der Punkt über den er sich mit der katholischen Kirche äußerlich stritt, um den wesentlichen Inhalt, die Rechtfertigung aus Glauben allein, zu begründen.
    • Es hat die Seele nichts anderes, weder im Himmel noch auf Erden, worin sie leben kann, recht, frei und Christ sei, als das heilige Evangelium, das Wort Gottes von Christus gepredigt. Wie er selbst Joh. 11 sagt: Ich bin das Leben und die die Auferstehung. Wer an mich glaubt, der lebt ewiglich. Ebenso Joh. 17: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ebenso Mt. 4: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von allen Worten, die aus dem Mund Gottes gehen. Daher müssen wir nun gewiss sein, dass die Seele aller Dinge entbehren kann bis auf das Wort Gottes, und ohne Gottes Wort ist ihr durch gar nichts geholfen. Wenn sie aber das Wort hat, so braucht sie auch sonst nichts mehr, sondern sie hat an dem Wort Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Erkenntnis, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gute im Überschwang. Entsprechend lesen wir im Psalter, besonders im Ps 119, dass der Prophet nach nichts sonst schreit als nach Gottes Wort. Und in der Schrift wird es für die die allerhöchste Plage und Gottes Zorn gehalten, wenn er sein Wort von den Menschen nimmt. Umgekehrt für keine größere Gnade, wenn er sein Wort hinsendet, wie in Ps 106 steht: Er hat sein Wort ausgesandt, damit hat er ihnen geholfen. Und Christus ist um keines anderen Amts willen gekommen als das Wort Gottes zu predigen. Auch alle Apostel, Bischöfe, Priester und der ganze geistliche Stand sind allein um des Wortes Gottes willen berufen und eingesetzt – obwohl es nun leider anders steht. (Freiheit eines Christenmenschen, Artikel 5).
  • Diese zwei Prinzipien wurden zu den zentralen Anliegen der Reformation: sola fide und sola scriptura.
  • Gegen Ende seines Lebens schrieb der Apostel Paulus zwei Lehrbriefe an seinen Schützling Timotheus, in denen er ihm die wichtigsten Hinweise mitgibt, die er für seinen christlichen Dienst benötigt.
  • Auch hier betont er ausdrücklich diese zwei Prinzipien: sola fide und sola scriptura.
14 Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewißheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast,
  • Zunächst ermahnt Paulus Timotheus zur Beständigkeit.
  • Sola fide und sola scriptura sind Prinzipien, die beständig unter Angriff stehen.
    • Die natürliche Religion des Menschen ist eine Form von Werksgerechtigkeit, deshalb wird er immer versucht sein, sola fide aufzulösen.
      • 9 Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wieso wendet ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Grundsätzen zu, denen ihr von neuem dienen wollt? (Gal 4,9)
      • 20 Wenn ihr nun mit Christus den Grundsätzen der Welt gestorben seid, weshalb laßt ihr euch Satzungen auferlegen, als ob ihr noch in der Welt lebtet? (Kol 2,20)
    • Der Mensch versucht, der Autorität des Wortes Gottes zu entkommen und schafft sich eigene, menschliche Autoritäten (z.B. Priester, Eingebungen).
      • 24 Aber sie gehorchten nicht und neigten mir ihre Ohren nicht zu, sondern sie wandelten nach den Ratschlägen, nach dem Starrsinn ihres bösen Herzens, und sie wandten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. (Jer 7,24)
    • Aber der Teufel und böse Menschen versuchen auch aktiv, das Wort Gottes zu verdrehen und sich selbst als Lehrer einzusetzen.
      • 1 Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der HERR gemacht hatte; und sie sprach zu der Frau: Sollte Gott wirklich gesagt haben, daß ihr von keinem Baum im Garten essen dürft? (Gen 3,1)
    • Manchmal ist es auch ein schleichender Prozess, indem die Kirche immer weltlicher wird.
      • 2 Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch in eurem Wesen verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Röm 12,2)
      • Und Weltlichkeit muss nicht immer Atheismus heißen, sondern kann auch Religiosität heißen, die aber sola fide und sola scriptura auflöst.
15 und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.
  • Nun erinnert Paulus Timotheus an die zentrale Funktion der Schrift: sie lehrt die Errettung (Rechtfertigung) durch Glauben an Jesus Christus.
  • Paulus bezieht sich hier auf das Alte Testament, welches deutlich lehrt, dass der Mensch nicht durch seine eigenen Werke vor Gott besteht, sondern durch Glauben.
    • 1 Nach diesen Begebenheiten geschah es, daß das Wort des HERRN an Abram in einer Offenbarung erging: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn! 2 Abram aber sprach: O Herr, HERR, was willst du mir geben, da ich doch kinderlos dahingehe? Und Erbe meines Hauses ist Elieser von Damaskus! 3 Und Abram sprach weiter: Siehe, du hast mir keinen Samen gegeben, und siehe, ein Knecht, der in meinem Haus geboren ist, soll mein Erbe sein! 4 Doch siehe, das Wort des HERRN erging an ihn: Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der aus deinem Leib hervorgehen wird, der soll dein Erbe sein! 5 Und er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein! 6 Und Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an. (Gen 15,1-6)
    • 4 Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen; wir aber hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. 5 Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden. 6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn. (Jes 53,4-6)
16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.
  • Nun erinnert Paulus Timotheus an die Genugsamkeit der Schrift und damit indirekt an sola scriptura: Timotheus hat in der Heiligen Schrift alles, was er zu seinem Leben und zu seinem Dienst braucht.
    • 16 Als ich deine Worte fand, da verschlang ich sie; deine Worte sind mir zur Freude und Wonne meines Herzens geworden, denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, o HERR, du Gott der Heerscharen! (Jer 15,16)
    • 26 Wie lange soll das noch gehen? Soll etwa die falsche Weissagung im Herzen der Propheten bleiben? Und die Propheten, die selbsterfundenen Betrug weissagen, 27 haben sie nicht im Sinn, bei meinem Volk meinen Namen in Vergessenheit zu bringen durch die Träume, die sie einander erzählen, gleichwie ihre Väter meinen Namen vergessen haben über dem Baal? 28 Der Prophet, der einen Traum hat, der erzähle den Traum; wer aber mein Wort hat, der verkündige mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Weizen gemeinsam? spricht der HERR. 29 Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert? 30 Darum siehe, ich komme über die Propheten, spricht der HERR, die meine Worte stehlen, einer dem anderen; 31 siehe, ich komme über die Propheten, spricht der HERR, die ihre eigenen Zungen nehmen und behaupten: “Er hat geredet!” 32 Siehe, ich komme über diejenigen, spricht der HERR, die Lügenträume weissagen und sie erzählen und mit ihren Lügen und ihrem leichtfertigen Geschwätz mein Volk irreführen, während ich sie doch nicht gesandt und ihnen nichts befohlen habe, und sie diesem Volk auch gar nichts nützen! spricht der HERR. (Jer 23,26-32)
Anwendung
  • Der Kampf um sola scriptura und sola fide ist nicht bloß ein historischer Kampf, sondern ein täglicher Kampf im Leben eines Christen.
  • Der Teufel und die Sünde in uns wollen täglich unsere Freude in Christus rauben und uns von sola fide abbringen.
  • Der Teufel und die Sünde in uns wollen uns von sola scriptura abbringen, damit wir Gott nicht gehorchen müssen.
  • Der Teufel und die Sünde in uns wollen die Freude an Gottes Wort dämpfen, sodass wir uns nach etwas anderem ausstrecken.
  • Der Widerstand der Welt treibt uns dazu, uns von sola scriptura zu trennen.
  • Auch wir müssen uns durch das Wort Gottes ermahnen lassen, beständig zur Rechtfertigung aus Glauben allein und zur Genugsamkeit der Schrift zurückzukehren.
    • 12 Aus diesem Grund erleide ich dies auch; aber ich schäme mich nicht. Denn ich weiß, an wen ich glaube, und ich bin überzeugt, daß er mächtig ist, das mir anvertraute Gut zu bewahren bis zu jenem Tag. 13 Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! (2 Tim 1,12-13)

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