Predigt vom 05.03.2017: Stefan Beyer – Hebräer 12:12-17 – Das Evangelium produziert Heiligkeit

  • Der Hebräerbrief ist in zwei große Teile eingeteilt:
    • 1. Christus und sein Werk im Evangelium
    • 2. unsere Antwort
  • Die Reihenfolge ist entscheidend: Die Imperative des Neuen Testaments gründen sich immer auf Evangeliumsindikativen.
    • Unser Leben wird sich nur verändern, wenn wir immer tiefer verstehen, was Jesus für uns im Evangelium getan hat und wenn wir lernen, diese Wahrheiten in unser Leben aufzunehmen.
  • Was sollte unsere Antwort sein auf die großen Taten Christi im Evangelium?
    • Standhaftigkeit
    • Heiligkeit
    • echte Bekehrung
Standhaftigkeit
12 Darum »richtet wieder auf die schlaff gewordenen Hände und die erlahmten Knie«,
  • Sowohl äußere Anfechtung (Verfolgung) als auch innere Anfechtung (Züchtigung) können müde machen.
  • Der Weg zur Stärkung und Ermutigung im Glauben ist eine Erinnerung an Gottes Heilshandeln im Evangelium.
    • Die Wüste und Einöde wird sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und blühen wie ein Narzissenfeld. Sie wird lieblich blühen und frohlocken, ja, es wird Frohlocken und Jubel geben; denn die Herrlichkeit des Libanon wird ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Saron[-Ebene]. Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaff gewordenen Hände und macht fest die strauchelnden Knie; sagt zu denen, die ein verzagtes Herz haben: Seid tapfer und fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er selbst kommt und wird euch retten! Jesaja 35:1‭-‬4
  • Dieses gegenseitige Erinnerung und Stärken ist für den Schreiber des Hebräerbriefs ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde.
    • Sowohl Predigt, als auch Sakramente, Kleingruppen und persönliche Gespräche sollen dazu dienen, sich an die Rettung des Herrn im Evangelium zu erinnern.
Heiligkeit
13 und »macht gerade Bahnen für eure Füße«, damit das Lahme nicht vom Weg abkommt, sondern vielmehr geheilt wird! 14 Jagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!
  • Der Hebräerbrief rechnet damit, daß man abdriften und vom rechten Weg in der Nachfolge Christi abkommen kann.
    • Darum sollten wir desto mehr auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht etwa abgleiten.
      Hebräer 2:1
  • So wie ein Schiff auf See durch die Wellen und den Sturm vom Kurs abkommen kann, so kann es uns Christen in der Nachfolge Jesu Christi gehen.
  • Welche Faktoren können zu einem solchen Abdriften führen?
    • Die Belange der Welt werden wichtiger als Christus (Geschäftigkeit).
    • Versuchungen versprechen ein mehr, als Christus zu geben bereit wäre (Fleischlichkeit).
    • Sorgen und Nöten führen dazu, daß man nicht mehr aktiv auf Christus ausgerichtet ist (Ziellosigkeit).
    • Man vergißt die Wahrheiten des Evangeliums und verbindet seine Identität mit irdischen Dingen (Evangeliumsamnesie).
  • Die Bibel ruft uns auf, unser Herz in den Geboten und in der Liebe Gottes zu bewahren und uns von falschen Wegen und falschen Göttern fernzuhalten.
    • Mein Sohn, achte auf meine Worte, neige dein Ohr zu meinen Reden! Lass sie nie von deinen Augen weichen, bewahre sie im Innersten deines Herzens! Denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leib. Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. Tue hinweg von dir die Falschheit des Mundes, und verdrehte Reden seien fern von dir! Lass deine Augen geradeaus schauen und deine Blicke auf das gerichtet sein, was vor dir liegt! Mache die Bahn für deinen Fuß gerade, und alle deine Wege seien bestimmt; weiche weder zur Rechten ab noch zur Linken, halte deinen Fuß vom Bösen fern! Sprüche 4:20‭-‬27
  • Die Aufgabe, das Herz zu bewahren und den rechten Weg ist sowohl eine individuelle Verantwortung, als auch eine Verantwortung der Gemeinde.
    • Eine besondere Verantwortung kommt hier den Pastoren und Ältesten der Gemeinde zu. Eine ihrer primären Aufgaben ist darauf zu achten, daß sich ein Schaf nicht verirrt, sondern wieder zur Herde und zum rechten Weg zurückfindet (Hebräer 13:17).
  • Die Jagd nach Frieden und Heiligkeit ist eine absolute Bedingung für die Erlösung.
  • Wie kann sie eine Bedingung sein, wenn sich die Erlösung doch vollkommen auf Christus gründet?
    • In wahren Christen wirkt der Heilige Geist
      • ein neues Herz, welches Christus über alles liebt
      • das Verlangen, Christus immer mehr zu lieben und zu ehren
    • Die Jagd nach Frieden und Heiligkeit ist das beste äußere Anzeichen, daß jemand wirklich neugeboren ist.
      • Sie ist aber auch das beste Mittel, um selbst in der Gewißheit der Erlösung zu wachsen.
  • Das besondere ist hier, daß Frieden und Heiligkeit verbunden sind.
    • In der Kombination sind sie wirklich die Frucht des Heiligen Geistes, während sie für sich allein auch gefälscht werden können.
  • Welcher Frieden ist hier gemeint?
    • Die Liebe und Versöhnung zu den Gläubigen an Jesus Christus.
  • Wer das Evangelium verstanden hat, in dem Jesus Frieden geschaffen hat, wird auch für Frieden und Versöhnung in der Gemeinde kämpfen.
  • Welche Heiligkeit ist hier gemeint?
    • Die Liebe zu Christus und seinen Geboten.
  • Wer das Evangelium verstanden hat, in dem Christus Gott vollkommen geehrt und seine Gebote für uns erfüllt hat und dann auch noch an unserer Stelle für unsere Übertretungen der Gebote mit dem Tod bezahlt hat, der wird auch selbst danach streben, Christus zu ehren und seine Gebote zu halten.
Echte Bekehrung
15 Und achtet darauf, dass nicht jemand die Gnade Gottes versäumt, dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwächst und Unheil anrichtet und viele durch diese befleckt werden, 16 dass nicht jemand ein Unzüchtiger oder ein gottloser Mensch sei wie Esau, der um einer Speise willen sein Erstge­burtsrecht verkaufte. 17 Denn ihr wisst, dass er nachher verworfen wurde, als er den Segen erben wollte, denn obgleich er ihn unter Tränen suchte, fand er keinen Raum zur Buße.
  • Der Hebräerbrief kennt das Phänomen eines sogenannten Namenschristen.
    • Ein Namenschrist bezeichnet sich selbst als Christ, ist mitunter Teil einer Gemeinde und zeigt in Teilen seines Lebens christliche Eigenschaften, aber er ist nicht wirklich bekehrt.
  • Das Problem eines Namenschristen ist, daß er zwar äußerlich dazu gehört, aber die Gnade Gottes versäumt.
    • Versäumen heißt hier, daß er die Gnade Gottes im Evangelium noch nicht wirklich erfahren hat.
  • Deshalb ist es so wichtig, das Evangelium auch Menschen gegenüber zu verkünden, die sich selbst für Christen halten, damit sie die Gnade Gottes wirklich erfahren.
  • Aber auch in einem Christen, der wirklich bekehrt ist, bleiben unbekehrte Teile seines Herzens zurück, die nur durch beständiges Hören des Evangeliums und Erkennen und Schmecken der Gnade Gottes im Evangelium verändert werden.
  • Ein unbekehrter Christ bzw. ein unbekehrtes Herz äußern sich z.B. in
    • Bitterkeit, die Streit und Unfrieden anrichtet.
    • Unzucht und Gottlosigkeit (mangelnde Ehrfurcht vor Gott).
  • Auch hier ist die ganze Gemeinde aufgefordert aufeinander zu achten, wo sich Zeichen einer fehlenden Bekehrung zeigen.
    • entweder im umfassenden Sinn, daß die Person gar kein Christ ist
    • oder im engeren Sinn, daß die alte Natur im Herzen eines wahren Christen wieder aktiver wird
  • Aber es liegt eine besondere Verantwortung bei den Leitern der Gemeinde.
    • Deswegen ist verbindliche Gemeindemitgliedschaft so wichtig, damit das Mitglied zu erkennen gibt, daß es unter Leitung und Fürsorge sein möchte, und daß die Leiter wissen, für wen sie eigentlich verantwortlich sind.
  • Bitterkeit und Unfrieden sind ansteckend und müssen deshalb mitunter durch Gemeindezucht bekämpft werden.
    • Einen sektiererischen Menschen weise nach ein- und zweimaliger Zurechtweisung ab, da du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt und sich selbst verurteilt hat. Titus 3:10‭-‬11
  • Es wird einen Zeitpunkt geben, wo Bekehrung nicht mehr möglich ist (siehe Esau).
    • Im Gesamtzeugnis des Hebräerbriefs wird deutlich, daß entgegen mancher Ansichten (z.B. in der Pilgerreise) dieser Punkt nicht schon in diesem Leben erreicht werden kann, sondern mit dem Tod eintritt.
      • Und so gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Hebräer 9:27
      • Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Johannes 6:37
  • Daraus entsteht eine gewisse Dringlichkeit in der christlichen Verkündigung: Wir sollen heute und jetzt die Gnade Gottes im Evangelium ergreifen, weil es irgendwann zu spät sein wird.

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