Predigt vom 30.10.2016: Stefan Beyer – Hebräer 5:11-6:8 – Geistliches Wachstum

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  • Nach der tiefgehenden Entfaltung des priesterlichen Dienstes von Jesus Christus schiebt der Schreiber wieder einen Abschnitt der persönlichen Ermahnung ein.
    • Er ist enttäuscht über den mangelnden Fortschritt im Glauben der Hebräer.
    • Er will aber auch davor warnen, damit zu warten, eine feste Entscheidung für die Nachfolge von Jesus Christus zu treffen.
11 Über ihn haben wir viel zu sagen, und zwar Dinge, die schwer zu erklären sind, weil ihr träge geworden seid im Hören. 12 Denn obgleich ihr der Zeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr es wieder nötig, daß man euch lehrt, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. 13 Wer nämlich noch Milch genießt, der ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit; denn er ist ein Unmündiger. 14 Die feste Speise aber ist für die Gereiften, deren Sinne durch Übung geschult sind zur Unterscheidung des Guten und des Bösen.
  • Der Prediger würde gerne noch mehr und tiefere Wahrheiten über Jesus entfalten, wird aber an der Einstellung der Hebräer gehindert.
    • Sie haben sich mit einem bestimmten geistlichen Niveau zufriedengegeben und wollen darüber hinaus keine Lehre hören.
  • Man kann im geistlichen Leben aber nicht auf einer Stufe stehenbleiben: Entweder man wächst in der Beziehung zu Jesus oder man nimmt ab.
  • Die Hebräer haben, ohne es zu wollen, an geistlicher Kraft und Erkenntnis verloren und waren deshalb auch nicht gewappnet für die Anfechtungen ihres Glaubens.
  • Sie konnten nur noch einfache geistliche Wahrheiten verdauen und haben die Vertrautheit mit dem Wort Gottes verloren.
  • Sie haben sich zu geistlichen Kindern zurückentwickelt.
    • Auf der einen Seite lobt Jesus kindliches Vertrauen.
      • 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! (Markus 10:15)
    • Auf der anderen Seite warnt Paulus davor, im geistlichen Verständnis auf dem Level eines Kindes zu bleiben.
      • 20 Ihr Brüder, werdet nicht Kinder im Verständnis, sondern in der Bosheit seid Unmündige, im Verständnis aber werdet erwachsen. (1. Korinther 14:20)
  • Das Ziel des Neuen Testaments für jeden Christen ist geistliche Reife.
    • 28 Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus Jesus darzustellen. (Kolosser 1:28)
  • Das Mittel zur geistlichen Reife sind die geistlichen Übungen (gymnazo).
    • z.B. Bibellesen, Gebet, Gemeinschaft (Jüngerschaft), Evangelisation
  • Ein Ergebnis von geistlicher Reife ist Weisheit.
    • Weisheit in der Bibel ist Fähigkeit, langfristig erfolgreiche Entscheidungen zu treffen.
      • 1 Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst und meine Gebote bei dir bewahrst, 2 so daß du der Weisheit dein Ohr leihst und dein Herz der Einsicht zuwendest; 3 wenn du um Verständnis betest und um Einsicht flehst, 4 wenn du sie suchst wie Silber und nach ihr forschst wie nach Schätzen, 5 dann wirst du die Furcht des HERRN verstehen und die Erkenntnis Gottes erlangen. 6 Denn der HERR gibt Weisheit, aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Einsicht. 7 Er hält für die Aufrichtigen Gelingen bereit und beschirmt, die in Lauterkeit wandeln; 8 er bewahrt die Pfade des Rechts, und er behütet den Weg seiner Getreuen. 9 Dann wirst du Gerechtigkeit und Recht verstehen, Aufrichtigkeit und jeden guten Weg. 10 Wenn die Weisheit in dein Herz kommen wird und die Erkenntnis deiner Seele gefällt, 11 dann wird Besonnenheit dich beschirmen, Einsicht wird dich behüten, 12 um dich zu erretten von dem Weg des Bösen, von dem Menschen, der Verkehrtes spricht; 13 von denen, welche die geraden Pfade verlassen, um auf den Wegen der Finsternis zu wandeln. (Sprüche 2:1-13)
    • Sie findet ihren Einsatz im Kontext der Furcht des Herrn und dient damit gottgefälligen Zielen.
    • Die Fähigkeit der Unterscheidung (diakrisis) ist ein zentraler Bestandteil von biblischer Weisheit.
      • Der Christ wird dadurch in die Lage versetzt, geistlich Gutes und Förderliches von geistlich Schlechtem und Abträglichen zu unterscheiden.
1 Darum wollen wir die Anfangsgründe des Wortes von Christus lassen und zur vollen Reife übergehen, wobei wir nicht nochmals den Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott, 2 mit der Lehre von Waschungen, von der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht. 3 Und das wollen wir tun, wenn Gott es zuläßt.
  • Das Neue Testament hat eine klare Unterscheidung zwischen grundlegenden Lehren, die man zu Beginn des christlichen Lebens hören muß, und weitergehenden Lehren, die nötig sind, um langfristig treu und stark im Glauben zu bleiben.
    • Der Schreiber des Hebräerbriefs hat kein Verständnis für Christen, die permanent auf dem Level eines Glaubensgrundkurses bleiben möchten.
  • Auch wenn die Hebräer schwer zum hören geworden sind, entfaltet er in den folgenden Kapiteln doch das Evangelium auf eine sehr tiefgehende Weise, weil der Schreiber weiß, daß sie das volle Evangelium brauchen, um im Glauben zu überleben.
4 Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind 5 und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, 6 und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen! 7 Denn ein Erdreich, das den Regen trinkt, der sich öfters darüber ergießt, und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; 8 dasjenige aber, das Dornen und Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluch nahe; es wird am Ende verbrannt.
  • Diese Stelle gehört wohl zu den schwierigsten und meist diskutiertesten Stellen im Hebräerbrief.
    • Es stellen sich die Fragen: Kann ein Christ seine Errettung verlieren? Kann man sich nach einem Abfall vom Glauben wieder neu zu Gott wenden?
  • Es ist beim Hebräerbrief äußert wichtig, daß man dem ganzen Argument des Schreibers folgt und nicht einzelne Passagen aus dem Zusammenhang reißt.
  • Außerdem steht der Hebräerbrief im Kontext des ganzen Neuen Testaments und kann nicht anderen klaren Aussagen widersprechen.
    • Das Neue Testament macht ganz eindeutig klar, daß ein wahrer Christ sein Heil nicht verlieren kann.
      • 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. (Römer 8:30)
    • Außerdem macht Jesus ein bedingungslose Einladung und ein Versprechen an jeden, der zu ihm kommen will.
      • 37 Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. (Johannes 6:37)
  • Wer sind also diese Menschen, die der Schreiber in diesen Versen beschreibt?
  • Zunächst ist es wichtig, sich an den Kontext zu erinnern: Der Schreiber ist enttäuscht über den schwachen geistlichen Zustand der Hebräer.
    • Aber er geht davon aus, daß auch wenn sie geistlich schwach sind, sie dennoch wahre Christen sind und errettet werden.
      • 9 Wir sind aber überzeugt, ihr Geliebten, daß euer Zustand besser ist und mit der Errettung verbunden ist, obgleich wir so reden. (Hebräer 6:9)
    • Dagegen sind diese Gruppe Menschen für den Schreiber keine echten Christen (siehe Hebräer 6:9).
      • Wenn die Gemeinde zu dieser Gruppe von Menschen gehören würde, dann hätte es keinen Sinn, ihnen das Evangelium weiter zu erklären, weil sie es sowieso ablehnen würden.
  • Es scheint also für den Schreiber des Hebräerbriefs möglich zu sein, daß Menschen äußerlich zur Gemeinde gehören und viele geistliche Realitäten erfahren haben, ohne wirkliche Christen zu sein, die errettet werden.
    • Diese Menschen wurden erleuchtet.
    • Sie haben Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gemacht.
    • Das Wort Gottes wurde ihnen gepredigt und hat sie berührt.
    • Ihr Leben hat sich verändert.
  • Danach sind sie aber vom Glauben abgefallen.
    • Das Verb für abfallen (parapipto) steht im Aorist und drückt damit einen entscheidenden Punkt aus, wo sich diese Menschen gegen den Willen Gottes entschieden haben.
  • Ihr Leben ist jetzt davon gekennzeichnet (griech. Präsens), daß sie den christlichen Glauben samt seiner Inhalte verspotten.
  • Dieses Verhalten ähnelt dem Verhalten der Juden, die Jesus vor der Sünde gegen den Heiligen Geist warnt.
    • 22 Da wurde ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war, und er heilte ihn, so daß der Blinde und Stumme sowohl redete als auch sah. 23 Und die Volksmenge staunte und sprach: Ist dieser nicht etwa der Sohn Davids? 24 Als aber die Pharisäer es hörten, sprachen sie: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen! 31 Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 32 Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen. (Matthäus 12:22-24;31-32)
  • Es scheint also einen Punkt des Abfalls vom christlichen Glauben zu geben, wo man die christlichen Inhalte nur noch verspottet und keinen Ehrfurcht vor Jesus mehr übrig hat.
  • Von diesem Punkt aus ist es unmöglich, zu Gott umzukehren, weil der Heilige Geist aufgehört hat im Leben dieses Menschen zu wirken.
Anwendung
  • Der Schreiber möchte die wahren Christen ermutigen und ermahnen, weiter im Glauben zu wachsen und sich nicht mit einer bestimmten Stufe zufrieden zugeben.
    • Außerdem warnt er sie davor, daß man sich geistlich zurückentwickeln kann.
  • Außerdem macht er in seinem ganzen Brief deutlich, daß der Glaube auf die Probe gestellt wird und sich herausstellen kann, daß er nicht echt war.
  • Deswegen ist die große Ermahnung und Warnung dieser Stelle, sich nicht mit einem äußerlichen Glauben und Erfahrungen zufrieden zugeben, sondern danach zu streben, einen echten, ausdauernden Glauben zu haben.
  • Aber diese Stelle sollte nicht als Aussage interpretiert werden, daß es Menschen gibt, die gerne Christen werden möchten, es aber nicht mehr können, weil sie Gottes Einladung irgendwann einmal abgelehnt haben.
    • Die Gruppe, die hier beschrieben wird, sind Menschen, die permanent den christlichen Glauben verspotten und gar keine Christen mehr werden wollen.
  • Da wir bei niemanden genau wissen können, ob er diesen Punkt überschritten hat, genauso wenig wie wir wissen können, ob jemand erwählt ist, sollten wir nicht aufhören, für andere zu beten und sie zu Christus einzuladen.
    • 25 [Ein Knecht des Herrn] soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit 26 und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen. (2. Timotheus 2:25-26)

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