Predigt vom 06.11.2016: Stefan Beyer – Hebräber 6:9-20 – Die Kraft der Hoffnung

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  • Der Hebräerbrief ist eine pastorale Predigt.
    • Sie enthält alle Elemente, die Christen zum Wachstum im Glauben brauchen.
      • Tiefe Theologie, die die Herrlichkeit von Jesus unterstreicht.
      • Warnungen und Ermahnungen, die vor falschen Wegen bewahren.
      • Verheißungen und Zuspruch, die geistliche Kraft verleihen.
      • Vorbilder, die zu Glaubensschritten inspirieren.
  • Nachdem der Schreiber die Hebräer für ihren schwachen geistlichen Zustand gescholten hat und gewarnt hat davor, von einem äußerlichen Glauben abzufallen, ermutigt er sie nun wieder und verweist sie auf die große Hoffnung, die sie durch das Evangelium haben.
  • Hoffnung ist neben Glauben und Liebe eines der großen Themen des Neuen Testaments.
    • Glauben ist die Lehre davon, wie wir mit Gott versöhnt werden können und in unserer Beziehung zu ihm wachsen können.
    • Liebe ist die Lehre davon, wie wir geistliche Frucht bringen und Gott anbeten.
    • Hoffnung ist die Lehre davon, wie wir langfristig im Glauben durchstehen können, indem wir die Erfüllung von Gottes Verheißungen erwarten.
  • Die neutestamentliche Hoffnung ist kein vages Zutrauen auf eine positive Zukunft, sondern eine feste Gewißheit durch die Unverbrüchlichkeit der Zusagen Gottes.
9 Wir sind aber überzeugt, ihr Geliebten, daß euer Zustand besser ist und mit der Errettung verbunden ist, obgleich wir so reden.
  • Auch wenn die Hebräer manche Schwäche und Unreife in ihrem Glauben haben, sind sie doch echte Christen und haben die Gewißheit der Errettung.
    • Errettung bezieht sich im Hebräerbrief insbesondere auf den zukünftigen Freispruch im jüngsten Gericht und den Eingang in die ewige Herrlichkeit.
    • Die Gewißheit dieser Errettung schafft eine Hoffnung, die jetzt Standhaftigkeit gibt, Glaubensproben zu überstehen.
10 Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er euer Werk und die Bemühung in der Liebe vergäße, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient.
  • Die Frucht aus dem Leben der Hebräer, die dem Schreiber Gewißheit gibt, daß sie wirkliche Christen sind, ist ihre werktätige Liebe.
    • Sie haben ihre Liebe zu anderen Christen (den Heiligen) praktisch gezeigt und ihnen gedient.
    • Das besondere und echt christliche daran ist aber die tiefere Motivation: Die Herrlichkeit Gottes (für seinen Namen).
  • Gott wird diesen Dienst belohnen und auch das ist ein Teil der christlichen Hoffnung: die himmlische Belohnung.
11 Wir wünschen aber, daß jeder von euch denselben Eifer beweise, so daß ihr die Hoffnung mit voller Gewißheit festhaltet bis ans Ende,
  • Genauso wie man im Glauben nachlassen kann, was dazu führt, daß man den Verheißungen Gottes nicht mehr vertraut und sich eigene Sicherheit schafft oder verzweifelt, so kann man auch in der Hoffnung nachlassen.
  • Der Schreiber ruft die Hebräer auf, ihre feste Hoffnung nicht fallenzulassen, sondern bis zum Ende (dem Eingang in den Himmel) festzuhalten.
12 damit ihr ja nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben.
  • Die Hebräer sollen in der Hoffnung nicht träge (faul) werden, sondern eifrig.
    • Es benötigt eine bewußte Kraftanstrengung sich auf die Wahrheiten des Evangeliums zu konzentrieren und dadurch Hoffnung zu schöpfen.
  • Gott hat seinem Volk viele Verheißungen gemacht, aber sie sind vielfach an Bedingungen geknüpft.
    • Die zwei wichtigsten sind Glaube und Geduld.
  • Der Schreiber wird noch eine ganze Menge von Glaubenshelden vorstellen, in deren Reihe sich die Hebräer eingliedern sollen, indem auch sie Glauben und Geduld üben und dadurch Gottes Errettung erleben.
  • Gottes Errettung ist aber nicht immer eine direkte Befreiung und Erlösung von allem Leid.
    • Sie besteht zunächst und hauptsächlich in der Errettung vor den Folgen der Sünde und Gottes Gericht.
    • Danach gebraucht Gott oft Leid, um seine Kinder im Glauben und in der Beziehung zu ihm wachsen zu lassen.
    • Errettung bezieht sich in dem Zusammenhang auf die sichere Führung Gottes mitten in den Anfechtungen und Leiden.
    • Schlußendlich bedeutet Errettung eben auch vornehmlich die Gewißheit, in die himmlische Herrlichkeit einzugehen, nicht ein Verwandeln des irdischen Lebens in eine schmerzfreie Zone.
13 Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwor er, da er bei keinem Größeren schwören konnte, bei sich selbst 14 und sprach: “Wahrlich, ich will dich reichlich segnen und mächtig mehren!” 15 Und da jener auf diese Weise geduldig wartete, erlangte er die Verheißung. 16 Denn Menschen schwören ja bei einem Größeren, und für sie ist der Eid das Ende alles Widerspruchs und dient als Bürgschaft. 17 Darum hat Gott, als er den Erben der Verheißung in noch stärkerem Maße beweisen wollte, wie unabänderlich sein Ratschluß ist, sich mit einem Eid verbürgt, 18 damit wir durch zwei unabänderliche Handlungen, in denen Gott unmöglich lügen konnte, eine starke Ermutigung haben, wir, die wir unsere Zuflucht dazu genommen haben, die dargebotene Hoffnung zu ergreifen.
  • Abraham wurde von Gott aufgefordert, seinen einzigen Sohn (Isaak) zu opfern (1. Mose 22).
  • Eine der Gründe dafür war, daß Gott den Glauben Abrahams prüfen wollte.
    • Er wollte sehen, ob Abraham bereit war, Gott alles was ihm wichtig war, zu unterstellen.
    • Es war ein Test seiner Gottesfurcht (ähnlich wie bei Hiob).
  • Daneben war diese Prüfung auch ein Typus für das Evangelium, durch den Abraham und alle Israeliten vorgedeutet bekamen, was Gott mit seinem eigenen Sohn für sein Volk tun würde.
  • Alles Abraham diese Prüfung bestand und Gott einen Widder anstelle Isaaks zum Opfer sandte, schwor Gott, daß er seine Verheißungen ihm gegenüber wirklich erfüllen werden.
    • 15 Und der Engel des HERRN rief Abraham zum zweitenmal vom Himmel her zu, 16 und er sprach: Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der HERR: Weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, nicht verschont hast, 17 darum will ich dich reichlich segnen und deinen Samen mächtig mehren, wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres; und dein Same soll das Tor seiner Feinde in Besitz nehmen, 18 und in deinem Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du meiner Stimme gehorsam warst! (1. Mose 22:15-18)
  • Diese gewisse Verheißung bot Abraham eine feste Hoffnung für die Zukunft, daß Gott sein Leben zum Guten und zur Ehre seines Namens gebrauchen würde, und daß Gott eine herrliche Zukunft für Abraham bereithielt.
    • Allerdings erfüllte sich schon für Abraham nicht jede Verheißung zu Lebzeiten, sondern erst nach seinem Tod.
    • Dadurch ist Abraham ein Vorbild für einen Christen, der durch schwierige Umstände geprüft wird, aber dem Gott eine reiche Zukunft verheißt, die sich mitunter aber erst und vornehmlich in der Ewigkeit erfüllt.
  • Später hat Gott selbst erfüllt, was er von Abraham gefordert hatte: Er gab seinen eigenen Sohn.
  • Diese Gabe ist nun die Grundlage der sicheren Hoffnung, daß Gott alles zum Guten wenden wird und uns nichts vorenthalten wird, was wir in diesem Leben brauchen, um zu seinen Willen zu tun und zu seiner Ehre zu leben.
    • 28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. 32 Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? (Römer 8:28,32)
19 Diese Hoffnung halten wir fest als einen sicheren und festen Anker der Seele, der auch hineinreicht ins Innere, hinter den Vorhang, 20 wohin Jesus als Vorläufer für uns eingegangen ist, der Hoherpriester in Ewigkeit geworden ist nach der Weise Melchisedeks.
  • Der Schreiber benutzt hier das Bild eines Ankers, der einem Schiff Sicherheit und Stabilität gibt.
  • Nur daß dieser Anker nicht nach unten ins Meer geworfen wurde, sondern nach oben in den Himmel.
  • Jesus ist durch seine Auferstehung und Himmelfahrt in die unmittelbare Gegenwart Gottes eingegangen (hinter den Vorhang).
  • Dort setzt er sich für sein Volk bei seinem Vater ein und sorgt dafür, daß ihnen nichts Schädliches zustößt und nichts sie geistlich überwinden kann.
    • 33 Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der rechtfertigt! 34 Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt! 35 Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: “Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet!” 37 Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. (Römer 8:33-37)
  • Jesus ist der Vorläufer (prodomos), der den Lauf schon vollendet hat und das Ziel erreicht hat.
    • Jetzt sorgt er von dort aus dafür, daß sein Volk auch sicher ans Ziel kommt.
Anwendung
  • Hoffnung ist eine der zentralsten Kraftquellen im christlichen Leben.
  • Um in der Hoffnung zu wachsen, müssen wir uns mit den Verheißungen Gottes vertraut machen.
  • Aber vor allem müssen wir auf den erhöhten Jesus schauen, der jetzt vor dem Angesicht Gottes dafür sorgt, daß die Verheißungen auch erfüllt werden.
  • Deswegen sind die geistlichen Übungen so wichtig, weil wir dadurch die Verheißungen Gottes verinnerlichen und bewußt auf Jesus blicken.
    • Wenn wir die Bibel lesen, bekommen wir einen groben Überblick über Gottes sicheren Heilsplan.
    • Wenn wir einzelne Versprechen auswendig lernen, gelangen sie tief in unser Bewußtsein.
    • Wenn wir dann noch über die Verheißungen nachsinnen, schauen wir bewußt über die Verheißungen hinaus auf Jesus, der sicherstellt, daß sie erfüllt werden.
    • Dadurch wächst Hoffnung in unserem Leben, die uns trägt.
      • 3 Aber nicht nur das, sondern wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, weil wir wissen, daß die Bedrängnis standhaftes Ausharren bewirkt, 4 das standhafte Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung; 5 die Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Römer 5:3-5)

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