Predigt vom 09.10.2016: Stefan Beyer – Hebräer 3:7-19 – Eine ernste Warnung

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  • Im Hebräerbrief wechseln immer wieder Passagen der theologischen Argumentation mit Passagen der persönlichen Ermahnung ab.
    • Nachdem der Schreiber in den Versen 1 bis 6 deutlich gemacht hat, wieviel höher Jesus gegenüber Mose ist und wie treu er zu seinem Volk steht, schließt er nun mit einer ernsten Warnung und einem ernsten Aufruf an.
  • Anhand der Geschichte Israels in der Wüstenwanderung unmittelbar vor dem Eintritt in das verheißene Land warnt der Schreiber die Hebräer vor Unglauben und Abfall.
    • Das Volk Israels wurden durch Gott unter der Führung von Mose aus dem Land Ägypten befreit.
    • Das ist das große alttestamentliche Symbol der Rettung des Herrn, welches auf die Befreiung des Messias hindeutet.
      • 30 Und siehe, zwei Männer redeten mit [Jesus], das waren Mose und Elia; 31 die erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte. (Lukas 9:30-31)
    • Aber nicht alle, die den Auszug aus Ägypten erlebten, gehörten zum gläubigen Volk Gottes, welches den Herrn fürchtete und im geistlichen Sinn gerettet war.
      • 38 Es zog aber auch viel Mischvolk mit ihnen, und Schafe und Rinder und sehr viel Vieh. (2. Mose 12:38)
    • Als das Volk in Kadesch am Rand des verheißenen Landes lagerte, befahl der Herr, daß zwölf Kundschafter ausgesandt werden sollten (4. Mose 13).
      • Dadurch sollte der Glaube der Israeliten auf die Probe gestellt werden, denn die Kundschafter erzählten sowohl von der Schönheit des verheißenen Landes als auch von den zu erwartenden Gefahren.
        • 27 Und sie erzählten … und sprachen: Wir sind in das Land gekommen, in das du uns sandtest, und es fließt wirklich Milch und Honig darin, und dies ist seine Frucht. 28 Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark, und die Städte sind sehr fest und groß. (4. Mose 13:27-28)
    • Statt dem Herrn zu vertrauen, daß er mit ihnen ist und ihnen hilft, mißtraute das Volk dem Herrn und murrte gegen ihn – bis hin zur offenen Rebellion.
      • 30 Kaleb aber beschwichtigte das Volk gegenüber Mose und sprach: Laßt uns doch hinaufziehen und das Land einnehmen, denn wir werden es gewiß bezwingen! 31 Aber die Männer, die mit ihm hinaufgezogen waren, sprachen: Wir können nicht hinaufziehen gegen das Volk, denn es ist stärker als wir! 32 Und sie brachten das Land, das sie erkundet hatten, in Verruf bei den Kindern Israels und sprachen: Das Land, das wir durchzogen haben, um es auszukundschaften, ist ein Land, das seine Einwohner frißt, und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von hohem Wuchs. 33 Wir sahen dort auch Riesen, Söhne Enaks aus dem Riesengeschlecht, und wir waren in unseren Augen wie Heuschrecken, und ebenso waren wir auch in ihren Augen! 14:1 Da erhob die ganze Gemeinde ihre Stimme und schrie, und das Volk weinte in dieser Nacht. 2 Und alle Kinder Israels murrten gegen Mose und Aaron; und die ganze Gemeinde sprach zu ihnen: Ach, daß wir doch im Land Ägypten gestorben wären, oder noch in dieser Wüste sterben würden! 3 Und warum führt uns der HERR in dieses Land, daß wir durch das Schwert fallen, und daß unsere Frauen und unsere kleinen Kinder zum Raub werden? Ist es nicht besser für uns, wenn wir wieder nach Ägypten zurückkehren? 4 Und sie sprachen zueinander: Wir wollen uns selbst einen Anführer geben und wieder nach Ägypten zurückkehren! (4. Mose 13:30-14:4)
    • Gott wurde über diese Rebellion so zornig, daß er schwor, daß diese ganze Generation nicht in das verheißene Land kommen werden.
      • 20 Da sprach der HERR: Ich habe vergeben nach deinem Wort. 21 Aber – so wahr ich lebe und die ganze Erde mit der Herrlichkeit des HERRN erfüllt werden soll: 22 Keiner der Männer, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich in Ägypten und in der Wüste getan habe, und die mich nun schon zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben, 23 keiner soll das Land sehen, das ich ihren Vätern zugeschworen habe; ja, keiner soll es sehen, der mich verachtet hat! 24 Aber meinen Knecht Kaleb, in dem ein anderer Geist ist, und der mir völlig nachgefolgt ist, ihn will ich in das Land bringen, in das er gegangen ist, und sein Same soll es als Erbe besitzen. (4. Mose 14:20-24)
    • Die Hebräer standen in den Augen des Schreibers des Hebräerbriefs vor der gleichen Gefahr des Unglaubens und Abfallens.
  • Um dieser Gefahr zu begegnen, erinnert sie der Schreiber an die Größe und Autorität aber auch Barmherzigkeit und Nähe von Jesus Christus (Kapitel 1 bis 3:6).
  • Aber er warnt und ermahnt sie auch direkt anhand dieser alttestamentlichen Geschichte.
    • Er warnt sie vor Unglauben, Rebellion und Abfall angesichts der Schwierigkeiten und Verfolgungen, vor denen sie stehen.
    • Er ermahnt sie auf die Stimme Gottes zu hören, die uns in seinem Wort offenbart ist.
    • Er ermahnt sie, nicht nur diese Stimme zu hören, sondern mit Glauben zu reagieren.
    • Er ermahnt sie, nicht nur zu hören und zu glauben, sondern auch als Folge daraus Gott zu gehorchen.
    • Und er ermahnt, sich gegenseitig dieses Wort von Gott weiterzusagen und sich gegenseitig zu ermahnen.
7 Darum, wie der Heilige Geist spricht: “Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 8 so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Auflehnung, am Tag der Versuchung in der Wüste, 9 wo mich eure Väter versuchten; sie prüften mich und sahen meine Werke 40 Jahre lang. 10 Darum wurde ich zornig über jenes Geschlecht und sprach: Immer gehen sie in ihrem Herzen in die Irre, und sie haben meine Wege nicht erkannt, 11 so daß ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen!”
  • Der Schreiber zitiert aus Psalm 95, allerdings mit einer wichtigen Änderung.
    • Während in Psalm 95 die 40 Jahre als ein Gericht Gottes über den Unglauben der Israeliten in der Wüste dargestellt werden, sind sie im Hebräerbrief eine Gnadenzeit, wo Gott sein Volk einlädt, seine Werke zu sehen und ihm aufgrund seiner erwiesenen Treue zu vertrauen.
    • Das spiegelt eine Ambiguität des Alten Testaments wider, welches die 40 Jahre zur gleichen Zeit als Strafe und Ausdruck des Zornes Gottes darstellt, aber zum anderen auch als Zeit, wo die junge Generation die Treue Gottes und seine Versorgung erleben konnte.
      • 33 Und eure Kinder sollen in der Wüste 40 Jahre lang Viehhirten sein und eure Hurereien tragen, bis eure Leichname in der Wüste aufgerieben sind! 34 Entsprechend der Zahl der 40 Tage, in denen ihr das Land erkundet habt – so daß je ein Tag ein Jahr gilt – sollt ihr 40 Jahre lang eure Ungerechtigkeiten tragen, damit ihr erfahrt, was es bedeutet, wenn ich mich von euch abwende! (4. Mose 14:33-34)
      • 1 Das ganze Gebot, das ich dir heute gebiete, sollt ihr bewahren, um es zu tun, damit ihr lebt und euch mehrt und hineinkommt und das Land in Besitz nehmt, das der HERR euren Vätern zugeschworen hat. 2 Und du sollst an den ganzen Weg gedenken, durch den der HERR, dein Gott, dich geführt hat diese 40 Jahre lang in der Wüste, um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. 3 Und er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit dem Manna, das weder du noch deine Väter gekannt hatten, um dich erkennen zu lassen, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, sondern daß er von all dem lebt, was aus dem Mund des HERRN hervorgeht. 4 Deine Kleider sind nicht zerlumpt an dir, und deine Füße sind nicht geschwollen diese 40 Jahre. 5 So erkenne nun in deinem Herzen, daß der HERR, dein Gott, dich erzieht, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. 6 Und bewahre die Gebote des HERRN, deines Gottes, daß du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest! (5. Mose 8:1-6)
  • Das heißt, Gott versorgt sein Volk, aber er läßt bewußt Schwierigkeiten zu, um ihren Glauben auf die Probe zu stellen und ihr Herz zu prüfen.
  • Er möchte, daß sein Volk auf seine Stimme hört, ihm vertraut und mit ihrem Herzen im Gehorsam folgt.
    • Wer diesen robusten Glauben hat und darin wächst, wird Gottes Verheißungen ererben.
    • Wer diesen robusten Glauben nicht hat, wird Gottes Verheißungen nicht ererben.
  • Die Ruhe, von der im Hebräerbrief gesprochen wird, hat eine zweifältige Dimension.
    • Zum einen ist damit die Erlösung und der Eintritt in den Himmel gemeint (mit dem Bild Kanaans aus dem Alten Testament).
    • Zum anderen ist damit die existenzielle Glaubensruhe gemeint, die man durch das vollbrachte Werk Jesu Christi erlangen kann.
  • Nebenbeobachtung aus dem Hebräerbrief: Der Schreiber sagt, daß der Heilige Geist jetzt zu seinem Volk redet (Präsens) und zitiert dann die Heilige Schrift.
    • Für ihn redet der Heilige Geist heute nicht neben, sondern durch die Heilige Schrift.
12 Habt acht, ihr Brüder, daß nicht in einem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen! 13 Ermahnt einander vielmehr jeden Tag, solange es “Heute” heißt, damit nicht jemand unter euch verstockt wird durch den Betrug der Sünde!
  • Jetzt ermahnt der Schreiber die Hebräer dazu, gemeinschaftlich danach zu streben, im Glauben fest zu bleiben.
    • Der Hebräerbrief hat einen starken Fokus auf die Wichtigkeit der Gemeinde.
      • 32 Erinnert euch aber an die früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuchtet wurdet, viel Kampf erduldet habt, der mit Leiden verbunden war, 33 da ihr teils selbst Schmähungen und Bedrängnissen öffentlich preisgegeben wart, teils mit denen Gemeinschaft hattet, die so behandelt wurden. (Hebräer 10:32-33)
      • 24 und laßt uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, 25 indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr den Tag herannahen seht! (Hebräer 10:24-25)
  • Wir brauchen eine enge Gemeinschaft, die beinhaltet, daß
    • wir auf das Herz des anderen achten und auf die Wege, wie Zweifel, Unglauben und Sünde in ihm wachsen.
    • wir einander ermutigen und zurechtweisen, weil die Sünde betrügerisch ist und zur Rebellion verleitet.
  • Diese Art von Gemeinschaft ist nicht in der großen Gruppe möglich.
    • Deswegen fördern wir als Gemeinde Kleingruppen, die zur Unterweisung, Ermutigung und Gebet dienen.
    • Aber wir legen auch großen Wert auf Zweierschaften, weil nur dort dieses intensive Achtgeben und Ermahnen möglich ist.
14 Denn wir haben Anteil an Christus bekommen, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis ans Ende standhaft festhalten, 15 solange gesagt wird: “Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Auflehnung”. 16 Denn einige lehnten sich auf, als sie es hörten, aber nicht alle, die durch Mose aus Ägypten ausgezogen waren. 17 Über wen war er aber 40 Jahre lang zornig? Waren es nicht die, welche gesündigt hatten, deren Leiber in der Wüste fielen? 18 Welchen schwor er aber, daß sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, wenn nicht denen, die sich weigerten zu glauben? 19 Und wir sehen, daß sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens.
  • Der Schreiber schließt mit einer ernsten Warnung ab, in der er nochmal einige Gedanken aufgreift, die er schon geäußert hat.
    • Nur weil jemand äußerlich zur Gemeinde gehört oder getauft wurde, ist das keine Garantie, daß er diesen robusten Glauben hat, der an den Verheißungen Gottes festhält und zum verheißenen Land führt.
      • 1 Ich will aber nicht, meine Brüder, daß ihr außer acht laßt, daß unsere Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durch das Meer hindurchgegangen sind. 2 Sie wurden auch alle auf Mose getauft in der Wolke und im Meer, 3 und sie haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen und alle denselben geistlichen Trank getrunken; 4 denn sie tranken aus einem geistlichen Felsen, der ihnen folgte. Der Fels aber war Christus. 5 Aber an der Mehrzahl von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen; sie wurden nämlich in der Wüste niedergestreckt. 6 Diese Dinge aber sind zum Vorbild für uns geschehen, damit wir nicht nach dem Bösen begierig werden, so wie jene begierig waren. (1. Korinther 10:1-6)
  • Der Unglaube der hier gemeint ist, ist kein temporäres Zweifeln, sondern ein bewußtes Rebellieren gegen Gott.
    • Deshalb wird er auch mit verschiedenen Worten umschrieben:
      • sein Herz verstocken
      • sich auflehnen
      • gesündigt haben
      • sich weigern zu glauben
  • Um das Schicksal dieser Abtrünnigen zu vermeiden, müssen wir
    • die anfängliche Zuversicht standhaft festhalten
    • uns nicht gegen Gottes Stimme auflehnen, sondern ihr gehorchen
    • auf Gottes Stimme mit Glauben und Vertrauen antworten

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