Predigt vom 02.10.2016: Stefan Beyer – Hebräer 3:1-6 – Christus das Haupt

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  • Der Hauptaufruf der Predigt im Hebräerbrief ist: Betrachtet (katanoeo) Jesus Christus.
    • Dieses Betrachteten schließt ein intensives Hinschauen, Wahrnehmen und Nachdenken ein.
    • Der Aufruf ist nicht primär, den Sohn als 2. Person in der Dreieinigkeit wahrzunehmen, sondern den fleischgewordenen Gottessohn im Evangelium.
  • Indem wir unsere Augen auf Jesus Christus im Evangelium richten, erhalten wir alle Lehre und Kraft, die wir für unser christliches Leben benötigen.
    • Wir lernen echte Liebe und echtes Mannsein.
    • Wir lernen zu leiden.
    • Wir lernen neues Verhalten und neue Einstellungen.
  • Dabei erscheint uns Jesus im Evangelium nicht nur als Vorbild (Gesetz), sondern auch als jemand, der das Gesetz für uns erfüllt hat und in uns erfüllt (Gnade).
    • Auch im Hebräerbrief gibt es ein ständiges Wechselspiel zwischen den Evangeliumsindikativen (was Jesus bewirkt hat) und den Evangeliumsimperativen (was daraus für unseren Gehorsam folgt).
    • Sobald wir diese beiden Aspekte des Evangeliums trennen, entsteht entweder Gesetzlichkeit oder Antinomismus (Ungesetzlichkeit).
1 Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus,
  • Hier haben wir drei Evangeliumsindikative auf die ein Evangeliumsimperativ folgt.
    • Wir sind heilig (hagios).
    • Wir sind Brüder (adelphoi).
    • Wir haben Anteil an der himmlischen Berufung.
      • Die himmlische Berufung ist nicht der generelle Ruf des Evangeliums zu Glaube und Umkehr, sondern die wirksame Berufung Gottes zum Glauben.
        • 9 Er hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf , nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade , die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde. (2. Timotheus 1:9).
  • Daraus folgt die Aufforderung, auf Jesus zu schauen.
    • Als Apostel, der von Gott gesandt wurde.
    • Als Hohepriester, der uns vor Gott vertritt.
  • Der Glaube wird im Hebräerbrief mehrfach als Bekenntnis (homologia) bezeichnet.
    • Ein Bekenntnis ist ein Bund, der öffentlich gemacht wird.
    • Für dieses öffentliche Bekenntnis zu Jesus standen die Hebräer unter Verfolgung und waren nun aufgerufen, auf ihren Bundesherrn und Mittler zu schauen.
2 welcher dem treu ist, der ihn eingesetzt hat, wie es auch Mose war in seinem ganzen Haus.
  • Der Schreiber des Hebräerbriefs zieht wieder einen Vergleich, mit dem Ziel zu zeigen, wie viel höher und besser Jesus Christus ist.
  • Nachdem er den fleischgewordenen Sohn Gottes mit den Engeln verglichen hatte, stellt er ihn hier dem Dienst und der Berufung Mose gegenüber.
  • Mose wurde bei den Juden zur Zeit des Neuen Testaments hoch verehrt, als treuer Empfänger und Überbringer des Gesetzes Gottes.
  • Mose war ein treuer Anführer Israels (sein sprichwörtliches Haus).
    • 7 Aber nicht so mein Knecht Mose: er ist treu in meinem ganzen Haus. (4. Mose 12:7)
  • So wie Gott Mose das alttestamentliche Volk zur Führung, Versorgung und Schutz anvertraut hatte, so hat er sein neutestamentliches Volk dem Herrn Jesus Christus anvertraut.
    • 4 Ich habe dich verherrlicht auf Erden; ich habe das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tun soll. 6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbar gemacht, die du mir aus der Welt gegeben hast; sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. (Johannes 17:4+6)
  • Jesus führt seinen Dienst treu aus und wir sind sicher in seiner Führung und Versorgung.
3 Denn dieser ist größerer Ehre wertgeachtet worden als Mose, wie ja doch der, welcher ein Haus gebaut hat, mehr Ehre hat als das Haus selbst. 4 Denn jedes Haus wird von jemand gebaut; der aber alles gebaut hat, ist Gott.
  • Jesus hat größere Macht und Autorität, weil Mose selbst in gewisser Hinsicht teil des Hauses Gottes war, obwohl er für eine kurze Zeit die irdische Führung innehatte.
  • Jesus dagegen ist das eigentliche Haupt über das ganze Volk Gottes aus dem Alten und dem Neuen Testament – alles untersteht ihm.
    • 20 Die hat er wirksam werden lassen in dem Christus, als er ihn aus den Toten auferweckte und ihn zu seiner Rechten setzte in den himmlischen Regionen, 21 hoch über jedes Fürstentum und jede Gewalt, Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in dieser Weltzeit, sondern auch in der zukünftigen; 22 und er hat alles seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 23 die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt. (Epheser 1:20-23)
  • Jesus ist Gott und er hat das Volk Gottes (die Erwählten) ins Leben gerufen und er baut sein Haus, die Gemeinde.
    • 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! 17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel! 18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreiches sollen sie nicht überwältigen. (Matthäus 16:16-18)
5 Auch Mose ist treu gewesen als Diener in seinem ganzen Haus, zum Zeugnis dessen, was verkündet werden sollte, 6 Christus aber als Sohn über sein eigenes Haus; und sein Haus sind wir, wenn wir die Zuversicht und das Rühmen der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
  • Mose war nur ein schwaches Abbild der Erfüllung in Christus.
    • Der Schreiber des Hebräerbriefs liest das Alte Testament auf Christus hin.
    • Im Alten Testament wird die Person und das Werk von Jesus Christus symbolhaft angedeutet, damit wir sein Kommen im Neuen Testament besser verstehen können.
  • Mose war ein treuer Diener, Jesus ist der Sohn und Eigentümer.
  • Der Schreiber des Hebräerbriefs arbeitet immer wieder mit Bedingungen, so auch hier:
    • Wir gehören zum Volk Gottes (seinem Haus), wenn wir die Zuversicht und das Rühmen der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
  • Der christliche Glaube wird hier mit zwei weiteren Metaphern beschrieben:
    • eine Zuversicht des Zugangs zu Gott
      • 19 Da wir nun, ihr Brüder, kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit haben zum Eingang in das Heiligtum. (Hebräer 10:19)
    • eine begründete Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott
      • 13 Diese alle sind im Glauben gestorben, ohne das Verheißene empfangen zu haben, sondern sie haben es nur von ferne gesehen und waren davon überzeugt, und haben es willkommen geheißen und bekannt, daß sie Gäste ohne Bürgerrecht und Fremdlinge sind auf Erden; 14 denn die solches sagen, geben damit zu erkennen, daß sie ein Vaterland suchen. 15 Und hätten sie dabei jenes im Sinn gehabt, von dem sie ausgegangen waren, so hätten sie ja Gelegenheit gehabt, zurückzukehren; 16 nun aber trachten sie nach einem besseren, nämlich einem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet. (Hebräer 11:13-16)
  • Der Schreiber warnt in dieser Predigt seine Zuhörer davor, von Jesus abzurücken und damit diese Zuversicht und die begründete Hoffnung aufzugeben.
    • Ohne Jesus haben wir keinen freimütigen Zugang zu Gott, sondern müssen ihn uns durch unsere eigene Taten erarbeiten.
    • Ohne Jesus haben wir keine Gewißheit auf das ewige Leben, sondern nur eine vage Hoffnung.
  • Diese Bedingungssätze im Hebräerbrief haben mehrere Funktionen:
    • Sie sollen Christen vor falscher Selbstsicherheit bewahren: Nur wer diesen standhaften, robusten Glauben hat, ist ein echter Christ.
    • Sie sollen wahre Christen zu einem lebhaften, dynamischen Glauben anspornen: Ich muß standhaft im Glauben bleiben.
      • Damit soll bei echten Christen nicht die Heilsgewißheit zerstört werden, sondern das sichere Heil zu einem robusten und ausdauerndem Heil verwandelt werden.

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