Gottesdienst vom 23.10.2016: Stefan Beyer – Hebräer 4:14-5:10 – Ein barmherziger Hohepriester

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Predigt vom 23. Oktober 2016

Hebräer 4:14-5:10 – Ein barmherziger Hohepriester

  • Der Schreiber des Hebräerbriefs lädt die Zuhörer seiner Predigt ein, auf Jesus zu sehen.
    • Jesus in seiner ganzen Macht und Autorität.
    • Jesus in seiner Nähe und Barmherzigkeit.
  • Jetzt fängt er mit dem großen Thema seines Briefes an: Jesus als Auferstandener, der jetzt in der Gegenwart Gottes für uns eintritt.
14 Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis!
  • Im Alten Testament durfte der Hohepriester nur einmal pro Jahr in das Allerheiligste.
  • Jesus ist jetzt direkt in die Gegenwart Gottes eingetreten.
  • Die Tatsache, daß Jesus mit seiner ganzen Autorität, aber auch mit seiner Liebe und Barmherzigkeit direkt beim Vater ist und für die Seinen eintritt, sollte ein großer Ansporn sein, im Glauben fest zu bleiben.
  • Jesus wird hier in seinem Amt als Hohepriester vorgestellt, der sein Volk beim Vater vertritt.
15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir, doch ohne Sünde.
  • Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, damit er für Menschen das Gesetz erfüllen und die Strafe für die Übertretung des Gesetzes erdulden konnte.
  • Aber diese Menschwerdung hatte den Nebeneffekt, daß er die ganze menschliche Erfahrung mitmachen konnte.
  • Er hat alle Arten und von Anfechtung und Versuchung erlebt.
    • Jesus hat zwar nicht genau die gleiche Anfechtung oder Versuchung erlebt wie wir, aber er wurde in ähnlicher Weise versucht.
    • Der Kern der Anfechtung ist immer die Versuchung, vom Glauben abzufallen.
    • Gerade darin kann uns Jesus verstehen und jetzt beim Vater für uns eintreten.
      • 31 Es sprach aber der Herr: Simon, Simon, siehe, der Satan hat euch begehrt, um euch zu sichten wie den Weizen; 32 ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht aufhöre; und wenn du einst umgekehrt bist, so stärke deine Brüder! (Lukas 22:31-32)
  • Jesus ist ohne Sünde geblieben.
    • Nur so konnte er als vollkommenes Lamm für unsere Sünden sterben.
16 So laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe!
  • Eines der ersten Resultate der Erkenntnis, daß Jesus jetzt als unser barmherziger Hohepriester beim Vater ist, ist die Ermutigung zum Gebet.
    • Durch Jesus und sein Werk haben wir freien Zugang zum Vater.
    • Durch Jesus und sein Werk haben wir Gewissheit, daß unsere Gebete erhört werden.
      • Der Kern eines jeden Gebets ist, daß Gott verherrlicht und sein Volk erlöst wird.
      • Diese Art des Gebets wird Gott immer erhören, weil der Hohepriester seines Volkes direkt vor ihm steht.
1 Denn jeder aus Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen eingesetzt in dem, was Gott betrifft, um sowohl Gaben darzubringen als auch Opfer für die Sünden. 2 Ein solcher kann Nachsicht üben mit den Unwissenden und Irrenden, da er auch selbst mit Schwachheit behaftet ist; 3 und um dieser willen muß er, wie für das Volk, so auch für sich selbst Opfer für die Sünden darbringen. 4 Und keiner nimmt sich selbst diese Ehre, sondern der empfängt sie, welcher von Gott berufen wird, gleichwie Aaron. 5 So hat auch der Christus sich nicht selbst die Würde beigelegt, ein Hoherpriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm sprach: “Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt”. 6 Wie er auch an anderer Stelle spricht: “Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks”.
  • Der Schreiber des Hebräerbriefs zählt einige Qualifikationen für den Hohepriester aus dem Alten Testament auf.
    • Er wird aus den Menschen genommen.
    • Er wird für die Menschen eingesetzt, was Gott betrifft, um sie vor Gott zu vertreten.
    • Er bringt Gott repräsentativ Gaben und Opfer für die Sünden.
    • Er ist barmherzig mit seinem Volk, weil er selbst mit Schwachheit behaftet ist.
    • Aus dem tiefen Bewußtsein für die eigene Sündhaftigkeit und die Sündhaftigkeit des Volkes bringt er Gott Opfer, um für die Sünden zu sühnen.
    • Er setzt sich nicht selber in sein Amt ein, sondern wird wie Aaron von Gott selbst eingesetzt.
  • Danach macht er deutlich, daß Jesus genau diese Eigenschaften erfüllt und noch übertritt.
    • Er mußte Mensch werden, um uns als menschlicher Hohepriester vor Gott zu vertreten.
    • Er wirkt repräsentativ für sein Volk und hat sich selbst zum Opfer gebracht.
    • Er ist barmherzig mit seinem Volk, weil er selber Schwachheit, Anfechtung und Versuchung in vollem Umfang erfahren hat.
    • Er hat sich aus vollem Bewußtsein für die Sündhaftigkeit seines Volkes selbst zum Opfer gebracht.
    • Da er selber keine Sünde hat, mußte er für sich selbst kein Opfer bringen, sondern konnte zum Opfer werden.
    • Er hat sich nicht selbst in sein Amt eingesetzt, sondern wurde von Gott dazu berufen.
  • Diese innige Beziehung von Jesus als Hohepriester zu seinem Volk drückt dieser zum Beispiel in Johannes 10 aus:
    • 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt, 15 gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus dieser Schafhürde sind; auch diese muß ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte sein. 17 Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme. 18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir aus. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und habe Vollmacht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen. (Johannes 10:14-18)
7 Dieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte, und ist auch erhört worden um seiner Gottesfurcht willen.
  • Die größte Anfechtung der Hebräer bzw. der Kern ihrer Anfechtung war, daß sie aufgrund ihrer Probleme und der Herausforderungen nicht mehr auf Gott vertrauen.
  • Der Schreiber wählt jetzt die zentrale Begebenheit aus dem Leben Jesu aus, wo dieser genau mit der gleichen Anfechtung konfrontiert war.
    • Im Garten Gethsemane, kurz bevor er von seinen Feinden gefasst wurde, wurde Jesus mit dem ganzen Ausmaß des Zornes Gottes über die Sünde konfrontiert und der Preis vor Augen geführt, den er am Kreuz für die Erlösung seines Volkes bezahlen müßte.
    • Er wurde vor die Herausforderung gestellt, aus Liebe und Vertrauen zu Gott sich freiwillig für dieses Opfer zu entscheiden.
    • Nur so konnte es als Sühneopfer gültig sein.
  • Jesus hat im Garten Gethsemane mit dem Kern unserer Anfechtung gerungen: Auf die Liebe, Güte und Weisheit des Vaters zu vertrauen, selbst wenn die Umstände Leid und Schmerzen bedeuten.
  • Er betete ernstlich, daß er diesen Weg nicht gehen müßte, weil er als Mensch erkannte, wie schmerzvoll es werden würde.
    • 36 Da kommt Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das Gethsemane genannt wird. Und er spricht zu den Jüngern: Setzt euch hier hin, während ich weggehe und dort bete! 37 Und er nahm Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich; und er fing an, betrübt zu werden, und ihm graute sehr. 38 Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir! 39 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! (Matthäus 26:36-39)
  • Er rang mit Gott im Gebet, weil er trotz der Anfechtung das Vertrauen und die Hingabe zu Gott behalten wollte.
    • 44 Und er war in ringendem Kampf und betete inbrünstiger; sein Schweiß wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen. (Lukas 22:44)
  • Jesus ging siegreich aus dieser schweren Glaubensprobe hervor und unterstellte seinen Willen dem Willen des Vaters.
  • Er kann uns jetzt als barmherziger Hohepriester genau in dieser schwersten aller Anfechtungen helfen.
    • Er bittet für uns und hilft uns, daß unser Glaube nicht aufhört.
  • Jesus ist erhört wurden, obwohl der Kelch nicht an ihm vorüberging.
    • Gott erhört unsere Gebete immer, weil der Kern des Gebetes ist, daß sein guter Wille geschieht und sein Name groß gemacht wird.
  • Hier sehen wir auch die Eigenschaft, die Jesus siegreich machte: seine Gottesfurcht.
    • Genau diese Gottesfurcht will der Herr in uns bewirken und herausbilden, indem er Anfechtungen unseres Glaubens zuläßt (siehe Hebräer 12:1-11).
8 Und obwohl er Sohn war, hat er doch an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt; 9 und nachdem er zur Vollendung gelangt ist, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, 10 von Gott genannt: Hoherpriester nach der Weise Melchisedeks.
  • Jesus war ohne Sünde, aber er lernte doch durch die Anfechtung, Gott auf eine tiefere Weise zu gehorchen.
    • Er mußte sich entscheiden, Gott im Vertrauen auf seine Liebe und Treue zu gehorchen, auch wenn die Umstände etwas anderes anzeigten.
    • Auch uns führt Gott durch Anfechtungen in immer tieferes Verständnis seiner Liebe und Vertrauen auf seine Treue und Gehorsam, der ihm auch in schwierigen Umständen folgt.
  • Der Schreiber des Hebräerbriefs will aber Jesus hier nicht als bloßes Beispiel vorstellen.
    • Das Evangelium, die gute Nachricht der Bibel, ist nicht: Jesus hat so ein tolles, gottgefälliges Leben geführt, jetzt streng dich an, genauso zu leben.
      • So wird das Evangelium leider oft falsch verstanden und vielfach auch in der Kirche verkündigt.
    • Das Evangelium ist stattdessen: Jesus hat ein tolles, gottgefälliges Leben geführt und hat damit denen, die ihm gehorchen, Errettung geschaffen.
      • Sein Leben zählt stellvertretend für uns.
  • Das heißt, die Fähigkeit, in schwierigen Zeit am Glauben festzuhalten, entsteht nicht dadurch, daß ich mich anstrenge, wie Jesus zu sein, sondern indem ich immer fester auf das schaue, was Jesus im Evangelium für mich getan hat und jetzt für mich tut.
    • Er hat den Kelch des Zornes Gottes über meine Sünde aus Liebe zu Gottes Ehre und aus Liebe zu mir als dem, dem Gott ihm gegeben hat, getrunken.
    • Er ist damit auch barmherzig geworden mit meinen Anfechtungen und Schwachheiten.
    • Er vertritt mich jetzt als treuer Hohepriester beim Vater, damit mein Glaube nicht aufhöre.
    • Ich kann also auf Jesus vertrauen, daß er sicherstellt, daß ich im Glauben fest bleibe.
  • Es geht also darum Jesus im Evangelium in der Fülle seiner Person und seines Werkes zu sehen und dann auf ihn als Person und auf sein Werk mit ganzem Herzen zu vertrauen.

 

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