Werktagsgottesdienst vom 28.07.2016: Stefan Beyer – Bibelaufnahme (Teil 4) – Gottes Wort anwenden

Stefan Beyer – Bibelaufnahme (Teil 4) – Gottes Wort anwenden

  • Wir haben oft Probleme, die Schrift auf konkrete Situationen in unserem Leben anzuwenden.
    • Was sagt die Heilige Schrift zum Kindererziehen?
    • Wie sollte die Heilige Schrift die Art und Weise beeinflussen, wie ich Entscheidungen treffe?
    • Wie kann die Bibel meine Beziehungen auf der Arbeit prägen?
    • Was ist die biblische Perspektive auf eine Entscheidung, vor der ich stehe?
    • Wie kann ich Gott besser kennenlernen?
  • Wir müssen die geistliche Übung der Anwendung des Wortes lernen.
Der Wert der Anwendung
  • Die Bibel verheißt den Segen Gottes denen, die das Wort Gottes in ihrem Leben anwenden.
    • 22 Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen. 23 Denn wer nur Hörer des Wortes ist und nicht Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel anschaut; 24 er betrachtet sich und läuft davon und hat bald vergessen, wie er gestaltet war. 25 Wer aber hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser Mensch, der kein vergeßlicher Hörer, sondern ein wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein in seinem Tun. (Jakobus 1:22-25)
    • 17 Wenn ihr dies wißt, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut! (Johannes 13:17)
  • Diese Verse sagen uns, daß wir uns beim Hören des Wortes Gottes betrügen können.
  • Ohne die Genügsamkeit und Kraft der Schrift zu leugnen, können wir uns dennoch oft über die Wirkung der Schrift auf unser Leben selbst betrügen.
  • Nach Jakobus können wir Gottes Wahrheit in solcher Kraft erfahren, daß wir klar erkennen, was Gott von uns will, so klar, wie wir unser Gesicht in einem Spiegel sehen.
  • Aber wenn wir diese Wahrheit, die wir erfahren haben, nicht anwenden, dann betrügen wir uns wenn wir denken, wir hätten praktischen Nutzen gezogen – selbst wenn die Erfahrung der Entdeckung einer geistlichen Wahrheit noch so toll war.
  • Derjenige, der glückselig sein wird in seinem Tun, ist derjenige, der tut, was die Heilige Schrift sagt.
  • In Jakobus spiegeln sich die reichen Verheißungen wider, die dem Nachsinnen auf das Wort gegeben wurden (Josua 1:8; Psalm 1:1-3).
    • Das ist, weil das Nachsinnen letztlich zur Anwendung führen sollte.
    • “Sondern forsche darin Tag und Nacht, damit du darauf achtest, alles zu befolgen, was darin geschrieben steht.” (Josua 1:8)
    • Auf Nachsinnen gekoppelt mit Anwendung steht die Verheißung: “Denn dann wirst du Gelingen haben auf deinen Wegen, und dann wirst du weise handeln!” (Josua 1:8)
Erwarte, eine Anwendung zu entdecken
  • Weil Gott möchte, daß du ein Täter des Wortes bist, kannst du sicher sein, daß er möchte, daß du eine Anwendung findest, jedes Mal, wenn du zur Heiligen Schrift kommst.
  • Deswegen darfst du vertrauen, daß der Heilige Geist dir helfen wird, deine Erkenntnisse in die Tat umzusetzen.
  • Deshalb: Öffne das Buch erwartungsvoll.
  • Erwarte die Entdeckung einer praktischen Antwort auf die Wahrheit Gottes.
  • Es macht einen großen Unterschied, mit welcher Erwartung und mit welchem Vertrauen man zur Bibel kommt.
  • Der Puritaner Thomas Watson sagte: “Nimm jedes Wort, als sei es zu dir gesprochen. Wenn das Wort die Sünde verurteilt, denke “Gott meint meine Sünde”, wenn es eine Pflicht auferlegt “Gott meint mich damit”. Viele weisen die Heilige Schrift von sich, als ob sie nur zu denen spräche, die zu ihrer Zeit gelebt haben. Aber wenn du von dem Wort profitieren willst, wende es auf dich an: eine Medizin vollbringt keinen Nutzen, wenn sich nicht eingenommen wird.”
  • Weil Gott die Heilige Schrift eingegeben hat, glaube, daß das was du liest, an dich gerichtet ist, genauso wie es an die ersten Empfänger gerichtet war.
  • Ohne diese Erwartungshaltung wirst du selten eine Anwendung der Heiligen Schrift auf eine persönliche Situation in deinem Leben entdecken.
Verstehe den Text
  • Ein falsches Verständnis über die Bedeutung eines Verses führt zu einer falschen Anwendung.
  • Den Vers “Rühre das nicht an, koste jenes nicht, betaste dies nicht!” (Kolosser 2:21) könnte man benutzen, um alles mögliche zu verbieten.
  • Obwohl es viele Dinge gibt, von denen wir uns als Christen zurecht fernhalten sollten, wird dieser Text falsch angewendet, wenn seine Bedeutung falsch verstanden wird.
  • Im Kontext des Verses wird klar ersichtlich, daß diese Wort die Prinzipien der asketischen Gruppe waren, die der Apostel Paulus als Feinde des Evangeliums verurteilt.
  • Also, wenn du diesen Vers liest und ihn darauf anwendest, Gewicht abzunehmen, denn ist das eine falsche Anwendung, die auf einer falschen Interpretation beruht.
    • Aber eine Diät könnte eine Anwendung sein, zu der dich der Heilige Geist mittels 1. Korinther 9:27 führt.
      • 27 Sondern ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde. (1. Korinther 9:27)
  • Watson hatte recht, als er sagte: “Nimm jedes Wort, als sei es zu dir gesprochen.”
  • Aber das können wir nicht tun, bis wir verstehen, wie es für die gedacht war, die es zuerst hörten.
  • Wenn du jedes Wort von der Berufung Abrahams aus 1. Mose 12:1-7 direkt auf dich beziehst, denn wirst du bald nach Israel übersiedeln.
  • Aber wenn du diese besondere Berufung als einzigartig für Abraham verstehst, kannst du immernoch zeitlose Wahrheiten entdecken und jedes Wort auf dich anwenden.
    • Bist du dem Ruf Gottes gefolgt und zu Christus gekommen?
    • Bist du bereit, der Stimme Gottes zu gehorchen, egal wohin er dich hinführt – zu einer neuen Arbeit, einem neuen Ort, dem Missionsfeld?
    • Im Ruf Abrahams kannst du auch das Evangelium von Jesus Christus entdecken und in deiner Anbetung wachsen.
  • Wir müssen verstehen, wie eine Bibelstelle angewendet werden sollte, als sie zuerst überbracht wurde, bevor wir verstehen können, wie sie heute anzuwenden ist.
  • Als Jesus sagte: “Heute wirst du mit mir im Paradies sein!” (Lukas 23:43), war die Anwendung zunächst für den Räuber am Kreuz gemeint.
  • Aber, weil diese Wort teil der Heiligen Schrift sind, die von Gott eingegeben wurde, möchte der Herr sie zur Anwendung bei allen Gläubigen bringen.
  • Das heißt nicht, daß jeder Christ heute stirbt und mit Jesus im Paradies ist.
    • Aber ein Weg, diese Stelle anzuwenden ist, daß wir mit der Möglichkeit rechnen, daß wir heute sterben könnten und uns prüfen, ob wir dafür bereit sind.
  • Jesus Versprechen an den Räuber ist ein Beispiel, wie nicht jedes Versprechen der Bibel heute auf die gleiche Weise angewendet werden kann.
  • Aber es gibt viele Verheißungen, die allgemein und zeitlos in ihrer Anwendung sind.
    • Dazu gehören Johannes 3:16 und 1. Johannes 1:9.
  • Wie können wir erkennen, ob eine Stelle heute noch genauso gilt?
    • Dafür ist ein beständiges Wachsen in der Erkenntnis der Schrift wichtig, durch das Hören, Lesen und besonders das Studieren.
  • Desto besser wir die Bibel verstehen, desto besser ausgerüstet sind wir, sie anzuwenden.
  • Dennoch ist unser Hauptproblem bei der Schrift oft nicht das Verständnis, sondern die fehlende Bereitschaft, sie anzuwenden.
  • Die Worte der Schrift müssen verstanden werden, bevor man sie anwenden kann, aber wenn wir sie nicht anwenden, werden wir sie auch nie richtig verstehen.
Sinne nach, um eine Anwendung zu entdecken
  • Nachsinnen ist kein Selbstzweck, sondern das tiefe Nachdenken über die Wahrheiten und geistlichen Realitäten der Schrift ist der Schlüssel, sie in die Tat umzusetzen.
  • Die meisten Informationen, sogar biblische Informationen, fließen durch unseren Verstand wie durch ein Sieb.
  • Normalerweise kommen jeden Tag so viele Informationen zu uns, und so schnell, daß wir wenig behalten.
  • Aber wenn wir nachsinnen, dann bleiben die Wahrheiten und sickern durch.
  • Wir können ihr Aroma besser riechen und schmecken.
  • Indem die Wahrheit in unserem Verstand gärt, entwickeln sich Einsichten.
  • Des Herz wird durch Nachsinnen erwärmt und kalte Wahrheit wird in leidenschaftliche Handlung verwandelt.
    • 15 Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. (Psalm 119:15)
  • Der Weg, wie wir erkennen, wie eine Bibelstelle auf unser Leben angewendet werden kann, ist daß wir über die Stelle nachsinnen.
Stelle anwendungsorientierte Fragen an den Text
  • Dem Text Fragen zu stellen, ist eine der besten Möglichkeiten, über ihn nachzusinnen.
  • Desto mehr Fragen du an einen Bibelvers stellst und beantwortest, desto besser wirst du ihn verstehen und desto klarer wirst du sehen, wie du ihn anwenden kannst.
  • Hier sind einige Beispiele für anwendungsorientierte Fragen:
    • Offenbart dieser Text etwas, was ich über Gott glauben soll?
    • Offenbart dieser Text etwas, wofür ich Gott preisen oder ihm danken oder ihm vertrauen soll?
    • Offenbart dieser Text etwas, wofür ich für andere oder für mich beten soll?
    • Offenbart dieser Text etwas, worüber ich eine neue Einstellung gewinnen soll?
    • Offenbart dieser Text etwas, wozu ich ich eine Entscheidung treffen soll?
    • Offenbart dieser Text etwas, daß ich für Christus, für andere oder für mich selbst tun soll?
  • Es gibt Zeiten, wo die Anwendung eines Textes ganz deutlich von der Bibelseite springt.
  • Aber meistens mußt du den Text interviewen, indem du ihm Fragen stellst, bis eine klare Anwendung deutlich wird.
Antworte spezifisch
  • Eine Begegnung mit dem Wort Gottes sollte in wenigstens einer spezifischen Antwort münden.
  • Das heißt, wenn du deine Zeit der Bibelaufnahme abschließt, solltest du mindestens eine spezifische Antwort benennen können, die du getan hast oder tun wirst.
  • Die Antwort kann ein Glaubensakt sein, Anbetung, Lobpreis, Danksagung oder Gebet.
  • Es kann bedeuten, jemand um Vergebung zu bitten, oder jemanden zu ermutigen.
  • Es kann bedeuten, eine Sünde aufzugeben oder jemandem Liebe zu erweisen.
  • Egal wie die Antwort aussieht, verpflichte dich zu mindestens einer Antwort bei jeder Bibelaufnahme.
  • Wie wichtig ist das?
    • Wie oft hast du deine Bibel zugemacht und plötzlich gemerkt, daß du dich an nichts mehr erinnern kannst, was du gelesen hast?
    • Wieviele Bibelstudien hast du mitgemacht oder Predigten gehört, die du ohne eine Auswirkung der Schrift auf dein Leben verlassen hast?
    • Deswegen gibt es viele treue Christen (im Sinne von Gemeindebesuch und Bibelstudium), deren Leben sich aber dennoch wenig verändert.
  • Wenn wir uns disziplinieren, wenigstens eine spezifische Antwort zu finden, bevor wir einen Bibeltext verlassen, werden wir wesentlich schneller im Glauben wachsen.
  • Ohne diese Art der Anwendung sind wir keine Täter des Wortes.

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