Predigt vom 14.08.2016: Stefan Beyer – 2. Timotheus 2:1-7 – Jüngerschaftstraining

Stefan Beyer – 2. Timotheus 2:1-7 – Jüngerschaftstraining

  • Treue Mitarbeiter im Reich Gottes entstehen nicht von selbst, sondern müssen herangezüchtet werden.
    • Wir sollen für Arbeiter in der Ernte beten (Lukas 10:2), aber zur gleichen Zeit hat die Gemeinde auch eine Aufgabe, gezielt solche Mitarbeiter herauszubilden.
  • Der private Dienst von Jesus und Paulus war von diesem Jüngerschaftsdienst geprägt.
  • Jüngerschaft: Das Ermutigen und Ausbilden von treuen Jüngern Jesu Christi.
1 Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist.
  • Geistliche Stärke kommt durch die Gnade Gottes allein.
  • Von der Gnade Gottes erfahren wir im Evangelium.
    • 24 Aber auf das alles nehme ich keine Rücksicht; mein Leben ist mir auch selbst nicht teuer, wenn es gilt, meinen Lauf mit Freuden zu vollenden und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe, nämlich das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. (Apostelgeschichte 20:24)
  • Jüngerschaft beginnt und wird getragen von der tiefen Beschäftigung mit dem Evangelium (Theologie).
    • Paulus verkündigt das Evangelium den Christen in Rom.
      • 15 Darum bin ich bereit, soviel an mir liegt, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen. (Römer 1:15)
  • Im Evangelium erfahren wir die zweifältige Gnade Gottes.
    • Die Gnade der Vergebung.
      • 7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade. (Epheser 1:7)
    • Die Gnade der Befähigung.
      • 8 Gott aber ist mächtig, euch jede Gnade im Überfluß zu spenden, so daß ihr in allem allezeit alle Genüge habt und überreich seid zu jedem guten Werk. (2. Korinther 9:8)
2 Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.
  • Hier kommt Paulus zum Kerngedanken seiner Vorstellung vom Jüngerschaftstraining in der Gemeinde.
  • Timotheus hatte ein intensives Lehrer-Schüler Verhältnis zu Paulus (“Kind” in Vers 1).
  • Dazu kamen viele andere Glaubensvorbilder, mit denen Paulus seinen Schüler Timotheus konfrontiert hatte.
  • Die Hauptsache, die Timotheus von seinem Lehrer gelernt hatte, war das Evangelium.
    • 10 Das Evangelium, 11 für das ich als Verkündiger und Apostel und Lehrer der Heiden eingesetzt worden bin. 13 Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! 14 Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt! (2. Timotheus 2:10-14)
  • Dieses Evangelium sollte er jetzt wieder anderen Menschen anvertrauen.
  • Das Wort anvertrauen (parathitemi) drückt ein intensives Lehren einzelner Menschen aus.
  • Neben dem allgemeinen Dienst am Wort (2. Timotheus 4:2) sollte sich Timotheus nach treuen Menschen umschauen, in die er besonders investierte.
  • Das Ziel war, daß aus diesen Schülern selbst wieder Lehrer des Evangeliums werden sollten.
  • Timotheus hatte zwei Aufgaben:
    • Sich nach diesen treuen Menschen umzuschauen bzw. für sie zu beten.
    • Ihnen das Evangelium so intensiv zu lehren, daß es als ihnen anvertraut erachtet werden konnte, und sie fähig waren, andere zu lehren.
  • Dieses Form des Jüngerschaftstrainings ist das neutestamentliche Modell für die Herausbildung von geistlichen Leitern.
  • Der Kontext ist die Gemeinde in Ephesus.
  • Jeder in der Gemeinde, unabhängig von einer offiziellen Position, kann diesen Jüngerschaftsdienst beginnen.
    • Als Material eignet sich gemeinsames Bibelstudium und theologisch tiefe, evangeliumszentrierte Bücher.
  • Um herauszufinden, ob jemand treu ist, kann man einem Menschen kleine Aufgaben geben und sehen, ob und wie er sie erfüllt.
3 Du nun erdulde die Widrigkeiten als ein guter Streiter Jesu Christi!
  • Es ist erstaunlich, welche Vokabeln Paulus für die Nachfolger Jesu Christi benutzt.
    • Er bezeichnet sich selbst oft als Sklave Jesu Christi (doulos).
      • 1 Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes. (Römer 1:1)
    • Er bezeichnet die Jünger Jesu als Soldaten Jesu Christi (stratiotes).
  • Für Soldaten ist es kennzeichnend, daß sie schwierige Umstände durchstehen müssen.
  • Der eigene Wachstumsprozeß im Glauben, aber auch das Herausbilden von anderen Jüngern, ist mit vielen Widrigkeiten verbunden.
    • Anfechtungen des Teufels
    • Gottes Züchtigung
    • Entmutigung
    • Einsamkeit
4 Wer Kriegsdienst tut, verstrickt sich nicht in Geschäfte des Lebensunterhalts, damit er dem gefällt, der ihn in Dienst gestellt hat.
  • Das christliche Leben wird von Paulus als Kriegsdienst bezeichnet.
  • Er hat keine Gruppe von elitären Christen vor Augen, sondern ganz normale Christen.
  • Es geht ihm hier um den Fokus und die Entbehrungen eines Soldaten.
  • Wir haben als Christen eine Aufgabe: Das Evangelium zu lernen und weiterzugeben.
  • Das sollte die oberste Priorität in unserem Leben haben und nichts sollte uns davon ablenken.
  • Wir sollten uns immer wieder die Frage stellen: Wir kann ich bestmöglich das Evangelium selber tiefer lernen und wie kann ich es bestmöglich anderen anvertrauen?
  • Durch diesen Filter werden viele weltliche Dinge herausfallen, die zwar nicht falsch sind, aber nicht dem Ziel entsprechen, wofür Jesus uns in den Dienst gestellt hat.
  • Jesus hat uns nicht ewiges Leben geschenkt, damit wir auf einer Kreuzfahrt in den Himmel segeln können.
  • Er hat uns ein heiliges Gut anvertraut, welches wir weitergeben sollen.
    • 15 Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Markus 16:16)
  • Paulus geht es hier nicht darum, daß die Geschäfte des Lebensunterhalts (die pragmateia) unwichtig sind, sondern daß sie mich nicht von meinem eigentlich Ziel ablenken sollen.
  • Jesus hat uns in Dienst gestellt und er wird Rechenschaft von uns fordern.
    • 19 Nach langer Zeit aber kommt der Herr dieser Knechte und hält Abrechnung mit ihnen. 20 Und es trat der hinzu, der die fünf Talente empfangen hatte, brachte noch fünf weitere Talente herzu und sprach: Herr, du hast mir fünf Talente übergeben; siehe, ich habe mit ihnen fünf weitere Talente gewonnen. 21 Da sagte sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über vieles setzen; geh ein zur Freude deines Herrn! (Matthäus 25:19-21)
  • Die Freude und Freiheit zu diesem Dienst kommt aber nur aus der Gnade Gottes, weshalb sie von Paulus an den Anfang und des Ende gestellt wurde (Vers 1 und 7).
5 Und wenn sich auch jemand an Wettkämpfen beteiligt, so empfängt er doch nicht den Siegeskranz, wenn er nicht nach den Regeln kämpft.
  • Die Kultur zu Paulus’ Zeiten war begeistert von den olympischen Spielen.
  • Auch hier ist erstaunlich, daß Paulus diesen Gedanken auf das christliche Leben überträgt.
  • Er geht ganz natürlich davon aus, daß sich das christliche Leben mit dem harten Training eines Athleten vergleichen läßt.
  • Hier geht es ihm jedoch um den Gedanken der Treue und der Geduld.
  • Als Leistungssportler ist man immer versucht, gute Leistungen durch einfachere Mittel zu erreichen (Doping).
  • Auch im geistlichen Leben ist die Versuchung groß, das harte Training der Jüngerschaft durch unlautere Mittel zu unterstützen oder zu vereinfachen.
    • Dazu zählt die Versuchung der Abkürzung über besondere geistliche Erfahrungen.
    • Oder die Vereinfachung, indem man nicht einzeln in Leute investiert, sondern auf Massenveranstaltungen hofft.
    • Oder man predigt ein verkürztes, unvollständiges Evangelium (ohne Buße und Gericht).
    • Oder man schaut pragmatisch nur darauf, ob etwas Erfolg bringt, und nicht darauf, ob es Gott gefällt.
  • Es gibt im geistlichen Leben und im Herausbilden von Jüngern keine Abkürzungen.
  • Der erstaunliche Gedanke in den Versen 4 und 5 ist, daß wir Jesus gefallen können durch unseren Dienst und einen Siegeskranz erhalten können.
  • Das wird eine großartige Ehrung sein, welche die Siegerehrung bei den olympischen Spielen noch weit übertrifft.
    • 26 Wenn jemand mir dienen will, so folge er mir nach; und wo ich bin, da soll auch mein Diener sein; und wenn jemand mir dient, so wird ihn mein Vater ehren. (Johannes 12:26)
6 Der Ackersmann, der sich mit der Arbeit müht, hat den ersten Anspruch auf die Früchte.
  • Das dritte Bild, welches Paulus für das Jüngerschaftstraining benutzt, kommt aus der Landwirtschaft.
  • Zum einen drückt er damit aus, wieviel Geduld wir mitbringen müssen.
    • Der Veränderungsprozeß in unserem eigenen Leben wird Zeit in Anspruch nehmen.
    • Der Veränderungsprozeß im Leben derer, in die wir investieren, wird auch Zeit in Anspruch nehmen.
  • Außerdem ist der Prozeß mehr organisch als mechanisch.
    • Der Ackersmann kann nur die Erde pflügen und den Samen säen, dann muß er warten und vertrauen, daß Gott das Gedeihen schenkt.
  • Man muß seine Grenzen im Dienst für Jesus anerkennen.
    • 26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch den Samen auf die Erde wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same keimt und geht auf, ohne daß er es weiß. 28 Denn die Erde trägt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn aber die Frucht es zuläßt, schickt er sogleich die Sichel hin; denn die Ernte ist da. (Markus 4:26-29)
  • Das ist zum einen ein sehr demütigender aber zur gleichen Zeit auch sehr befreiender Gedanke.
    • Demütigend, weil der Prozeß nicht in unserer, sondern in Gottes Hand ist.
    • Befreiend, weil wir letztendlich nur verantwortlich sind, das Evangelium anzuvertrauen, nicht aber für die Früchte.
  • Außerdem macht Paulus durch das Bild des Ackersmannes nochmals deutlich, wie anstrengend das Training von Jüngern ist und wie es in festen Phasen vor sich geht.
    • Man kann erst Früchte ernten wenn man lange und ausgiebig gepflügt, gesät und begossen hat.
  • Aber er verweist auch darauf, wie fruchtbringend ein Dienst der Jüngerschaft ist.
  • Es gibt nichts erfüllenderes im Leben nach der Gemeinschaft mit Gott als zu sehen, wie das Evangelium im eigenen Leben und im Leben von anderen Wurzeln schlägt und wie sich Jünger herausbilden.
  • Diese Früchte wird in erster Linie der genießen dürfen, der die harte Arbeit des Trainings geleistet hat.
  • Die Gemeinde als Ganzes profitiert natürlich von ausgebildeten Jüngern, aber insbesondere für den Jüngermacher ist es enorm lebensbereichernd.
7 Bedenke die Dinge, die ich sage; und der Herr gebe dir in allem Verständnis!
  • Paulus geht davon aus, daß Timotheus diese Dinge nicht sofort verinnerlicht, sondern tief darüber nachsinnen muß.
  • Wir müssen immer wieder an das Evangelium und seine Priorität in unserem Leben erinnert werden.
  • Das ist der grundlegendste Anteil, den die Gemeinde zum Jüngerschaftstraining beisteuert: Die Erinnerung an das Evangelium.
  • Das ist auch der grundlegendste Anfang eines persönlichen Jüngerschaftsdienstes: Andere an das Evangelium zu erinnern und es mit ihnen gemeinsam zu studieren.
  • Paulus schließt diesen Abschnitt ab, wie er ihn begonnen hat: Der Herr muß in seiner Gnade wirken.
  • Die Kraft für die eigene Jüngerschaft aber auch dafür, andere in der Jüngerschaft anzuleiten, kommt allein von Gott.
  • Von dieser Kraft und Gnade erfahren wir im Evangelium.
    • 9 Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, daß er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet. (2. Korinther 8:9).
 
Anwendung
  • Wie kann ich mein Leben so ausrichten, daß ich bestmöglich im Evangelium wachsen kann?
  • Von wem kann ich lernen, wie ich im Evangelium wachsen kann?
  • Wem kann ich das Evangelium so intensiv anvertrauen, daß er oder sie es anderen lehren kann?
 
Ressourcen
  • LeRoy Eims: Die verlorene Kunst des Jüngermachens
  • Marshall, Payne: Das Spalier und der Weinstock

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