Werktagsgottesdienst vom 16.06.2016: Stefan Beyer – Geistliche Übungen – Eine Einführung

Stefan Beyer – Geistliche Übungen – Eine Einführung

  • Die Bibel ruft uns auf, in unserem Glauben allen Eifer daran zu setzen, im Glauben zu wachsen.
    • 5 So setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, 6 in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht, 7 in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. 8 Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, so lassen sie euch nicht träge noch unfruchtbar sein für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. (2. Petrus 1:5-8)
  • Die Grundlage sollte aber immer das Evangelium sein, sonst werden die geistlichen Übungen zur Werksgerechtigkeit.
    • 9 Wem dagegen diese Dinge fehlen, der ist blind und kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. (2. Petrus 1:9)
  • Deswegen habe ich das Buch “Spiritual Disciplines for the Christian Life” von Don Whitney als Grundlage ausgesucht.
  • Er baut seine Gedanken auf die Theologie und Praxis der Puritaner sowie Jonathan Edwards, C.H. Spurgeon und Martyn Lloyd-Jones auf.
Übe (gymnaze) dich in der Gottesfurcht! (1. Timotheus 4:7)
  • “Wir leben in einem disziplinlosem Zeitalter. Disziplin im christlichen Leben wird sofort als Gesetzlichkeit verschrien oder ist vollkommen unbekannt. Wir brauchen die Stärke eines christlichen Charakters, die nur aus der Disziplin erwachsen kann.” Raymond Edman
  • Disziplin ohne Richtung ist Plackerei.
  • In jedem Gebiet des Lebens kommt Fortschritt nur durch Übung.
  • Aber wir müssen die Richtung kennen, nämlich daß wir Jesus ähnlicher werden.
    • 29 Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. (Römer 8:29)
  • Irgendwann, wenn wir Gott sehen, werden wir genau so sein wie er.
    • 2 Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß wir ihm gleichgestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1. Johannes 3:2)
  • In der Zwischenzeit sollen wir in Christusähnlichkeit wachsen.
  • Wir sollen nicht nur auf Heiligkeit warten, sondern nach ihr streben.
    • 14 Jagt nach dem Frieden mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird! (Hebräer 12:14)
  • Diese Frage sollte sich jeder Christ stellen: “Wie soll ich nach Heiligung streben? Wie kann ich wie Jesus werden?”
  • In 1. Timotheus 4:7 finden wir eine klare Antwort: “Übe dich in der Gottesfurcht”.
  • Der einzige Weg zu geistlicher Reife und Gottesfurcht (Christusähnlichkeit, Heiligkeit) führt über die geistlichen Übungen.
  • Gottesfurcht ist das Ziel der Übungen, deswegen sind sie keine Plackerei, sondern eine Freude.
Die geistlichen Übungen – das Mittel zur Gottesfurcht
  • Die geistlichen Übungen sind die persönlichen und gemeinschaftlichen Übungen, die geistliches Wachstum fördern.
  • Sie sind Gewohnheiten der Andacht und angewandtem Glauben, die von Christen seit Anbeginn praktiziert wurden.
  • Es soll in unserer Reihe um die folgenden geistlichen Übungen gehen: Bibelaufnahme, Gebet, Anbetung, Evangelisation, Dienst, Haushalterschaft, Fasten, Stille und Einsamkeit, Tagebuchschreiben und Lernen.
  • Es ist immer wichtig, das Ziel vor Augen zu haben: Gottesfurcht.
    • 8 Denn die leibliche Übung nützt wenig, die Gottesfurcht aber ist für alles nützlich, da sie die Verheißung für dieses und für das zukünftige Leben hat. (1. Timotheus 4:8)
  • Die geistlichen Übungen sind die gottgegebenen Mittel, die wir gebrauchen sollen in einem geistgefülltem Streben nach Gottesfurcht.
  • Gottesfürchtige Menschen sind disziplinierte Menschen.
  • Das war schon immer so (siehe Augustinus, Luther, Calvin, Bunyan, Wesley, Whitefield, Edwards, Spurgeon, Muller).
  • Gott benutzt drei Katalysatoren, um uns Christus ähnlicher zu machen, aber nur einer steht unmittelbar unter unserer Kontrolle.
    • Ein Katalysator sind andere Menschen.
      • 17 Eisen schärft Eisen; ebenso schärft ein Mann den anderen. (Sprüche 27:17)
      • Manchmal benutzt Gott unsere Freunde, manchmal unsere Feinde, um uns zu verändern.
    • Ein weiterer Katalysator sind unsere Umstände.
      • 28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. (Römer 8:28)
      • Finanzieller Druck, körperliche Beschwerden und sogar das Wetter werden von Gott benutzt, um uns zur Heiligkeit anzuregen.
    • Dann gibt es noch den Katalysator der geistlichen Übungen.
      • Hier wirkt Gott von innen nach außen.
      • Gott gibt uns hier eine Wahl, wie weit wir daran teilhaben wollen.
  • Auf der einen Seite erkennen wir, daß selbst die stärkste Selbstdisziplin uns nicht heiliger machen kann, denn Wachstum in Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes.
    • 23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer ganzes Wesen, der Geist, die Seele und der Leib, möge untadelig bewahrt werden bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus! (1. Thessalonicher 5:23)
  • Auf der anderen Seite können wir etwas dafür tun, den Prozeß voranzubringen.
  • Gott hat uns die geistlichen Übungen geschenkt als Mittel, um Gnade zu empfangen und in Gottesfurcht zu wachsen.
  • Durch sie setzen wir uns Gott und seinem Werk in uns aus.
  • Das griechische Wort für Übung im Neuen Testament ist gymnasia, wovon wir die heutigen Wörter Gymnasium und Gymnastik ableiten.
  • Das Wort bedeutet ursprünglich diszipliniertes Training.
  • Die geistlichen Übungen sind geistliches Training.
  • So wie man im Fitnessstudio seine Kraft stählt, so stählen die geistlichen Übungen die Gottesfurcht.
  • Die geistlichen Übungen sind eine Möglichkeit, uns auf den Weg der Gnade Gottes zu stellen (wie Bartimäus und Zachäus) und unsere Bereitschaft zu signalisieren, Gott zu begegnen.
  • Er wird sich uns zeigen und uns verändern.
    • 18 Wir alle aber, indem wir mit unverhülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauen wie in einem Spiegel, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, nämlich vom Geist des Herrn. (2. Korinther 3:18)
  • Die geistlichen Übungen sind Kanäle für Gottes verändernde Gnade.
  • Spurgeon sagte: “Ich muß vor allem dafür sorgen, daß ich Gemeinschaft mit Christus kultiviere, denn obwohl sie nie die Grundlage meines Friedens sein kann, wird sie doch der Kanal dafür sein.”
  • Ein Fußballtrainer zwingt die Spieler im Training das zu tun, was sie normalerweise nicht gerne tun würden, damit sie das werden, was sie immer sein wollten. Genauso ist es mit den geistlichen Übungen.
Der Herr erwartet von uns die geistlichen Übungen
  • “Übe dich in der Gottesfurcht” ist ein Befehl, kein Vorschlag.
  • Heiligkeit ist nicht optional für die Kinder des Heiligen Israels.
    • 15 sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. 16 Denn es steht geschrieben: “Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!” (1. Petrus 1:15-16)
  • Deswegen sind die Mittel zur Heiligkeit, die geistlichen Übungen, auch nicht optional.
  • Die Sprüche raten uns: “12 Ergib dein Herz der Unterweisung.” (Sprüche 23:12)
  • Auch Jesus spricht von diszipliniertem Lernen, wenn er sagt: “Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir.” (Matthäus 11:29).
  • Er sagte auch: “23 Er sprach aber zu allen: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.” (Lukas 9:23)
  • Dieser Vers sagt, daß wir als Jünger Jesu ihm folgen und von ihm lernen sollen.
  • Lernen und Folgen beinhalten Disziplin, denn man lernt nicht durch Zufall.
  • Disziplin ist sogar ein Teil der Frucht des Geistes.
    • 22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.  (Galater 5:22)
  • Jesus erwartet die geistlichen Übungen nicht nur von uns, er hat sie uns auch vorgemacht.
  • Er ergab sein Herz der Unterweisung. Er übte sich in der Gottesfurcht.
  • Wenn wir Christus ähnlicher werden wollen, müssen wir so leben, wie er gelebt hat.
  • Wir müssen seinen generellen Lebensstil nachahmen.
  • Viele Christen können sich in allem möglichen disziplinieren, aber nicht in ihrem Glaubensleben.
  • Viele verschenken Nutzbarkeit für das Reich Gottes, weil sie ein undiszipliniertes Leben führen.
Weitere Anwendungen
  • Es besteht eine große Gefahr, wenn man die geistlichen Übungen vernachlässigt.
    • Wir laufen Gefahr, wenig geistliche Frucht zu bringen.
    • Jeder von uns hat geistliche Gaben (1. Korinther 12:4-7).
    • Aber das reine Dasein von geistlichen Gaben garantiert noch keine Fruchtbarkeit.
    • Sie müssen herausgebildet und eingesetzt werden, um geistliche Frucht zu tragen.
  • Durch geistliche Übungen erlangt man Freiheit.
    • Wenn man einen professionellen Musiker sieht, dann erkennt man die Freiheit, mit der er sein Instrument bedienen und damit spielen kann.
    • Diese Freiheit kam aber nur nach jahrzehntelangem Üben.
    • Diese Art von Freiheit sieht man in allen Bereichen professionellen Tuns.
    • Disziplin ist der Preis für Freiheit bzw. Freiheit ist die Belohnung für Disziplin.
    • Menschen die frei sind, die Schrift in besonderen Lebenslangen zu zitieren, haben sich diszipliniert, Gottes Wort auswendig zu lernen.
    • Durch Fasten machen wir uns frei von geistlicher Unempfindlichkeit.
    • Durch Anbetung, Dienst und Evangelisation werden wir frei von Selbstzentriertheit.
    • Die Freiheit der Gottesfurcht ist die Freiheit zu tun, wozu Gott uns berufen hat durch die Schrift.
    • Es ist die Freiheit, die Charaktereigenschaften Christi durch unsere Person darzustellen.
    • Diese Art von Freiheit ist die Belohnung oder das Resultat des Segens Gottes auf unseren Einsatz in den geistlichen Übungen.
  • Wir müssen geduldig in den geistlichen Übungen sein, weil Fortschritt lange Zeit braucht.
  • Gottesfurcht ist ein lebenslanges Projekt.
  • Alle Christen sind eingeladen, die geistlichen Übungen anzuwenden und die Freude zu erfahren, die aus ihnen folgt.

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