Werktagsgottesdienst vom 09.06.2016: Stefan Beyer – Der Christ und die Gemeinde

Stefan Beyer – Der Christ und die Gemeinde

  • Muß man überhaupt Gemeindemitglied werden?
  • Ist Gemeindemitgliedschaft biblisch?
  • Sollte ich, auch wenn ich nur vorübergehend in einer Stadt bin, trotzdem Gemeindemitglied werden?
Gemeindemitglied: Sein oder nicht sein?
  • Die Bibel kennt beim Thema Gemeinde nur ein Drinnen oder Draußen.
  • Schon im Alten Testament sehen wir, daß man entweder Mitglied des Volkes Gottes ist oder nicht.
  • Nachdem die Apostel zu Pfingsten den Heiligen Geist empfangen hatten, traten sie auf die Straße in Jerusalem und begannen dort, das Evangelium zu predigen.
  • In Apostelgeschichte 2:41 lesen wir, daß 3.000 Menschen getauft und hinzugefügt wurden. Die Frage ist: Wozu wurden sie hinzugefügt?
  • Nur wenige Verse später in Vers 47 lesen wir, daß der Herr täglich ihre Zahl vergrößerte. Welche Zahl vergrößerte der Herr?
  • Der Kontext gibt klar zu erkennen, daß hier von der Gemeinde die Rede ist.
  • Wir sehen die Gläubigen, wie sie sich täglich im Tempel trafen, um zu beten, Abendmahl zu feiern und auf die Lehre der Apostel zu hören (Apostelgeschichte 2:42).
  • Sie taten also Dinge, die eine Gemeinde tut.
  • Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl, das Gott seinen Jüngern gegeben hat.
  • Es kann nur in der Gemeinschaft der Gläubigen gefeiert werden.
  • Wir lesen auch, daß “sie sich täglich trafen”. Es handelte sich also um eine feste Gruppe von Menschen.
  • Man kann annehmen, daß im Neuen Testament eine Art Liste geführt wurde, auf der die Namen der Bekehrten und Getauften Gemeindemitglieder standen.
  • Die meisten neutestamentlichen Briefe sind an Ortsgemeinden geschrieben.
  • Die Apostel sprechen über Probleme von einzelnen Personen in den Gemeinden.
  • Sie wußten also, wer in der Gemeinde ist, die Namen der Gemeindemitglieder waren ihnen also bekannt.
  • Die Briefe sind an konkrete, bekannte Menschengruppen mit bestimmten Problemen geschrieben.
  • Wir finden zwar nicht das Wort Gemeindemitglied im Neuen Testament, dafür aber das Konzept Gemeindemitgliedschaft.
  • Paulus kannte und grüßte die Gemeindemitglieder in Rom (Römer 16).
  • Dazu zählen auch Aquila und Priscilla, die er noch aus Korinth kannte (Apostelgeschichte 18), die sich nun aber der Gemeinde in Rom angeschlossen hatten (Römer 16:3).
  • Im Neuen Testament ist ein Christ, der nicht einer Gemeinde angehört, nicht vorstellbar.
  • Das hat unter anderem etwas mit der konsistenten Praxis der Taufe (Taufe=Gemeindemitgliedschaft) und der Gemeindezucht zu tun.
  • Sowohl in Matthäus 18 und 1. Korinther 5 geht es darum, einen “Bruder” aus der Gemeinde auszuschließen.
  • In beiden Fällen ist es das Verharren in der Sünde, was die Gemeindezucht notwendig machte.
  • Gemeindezucht kann nur funktionieren, wenn es so etwas wie Gemeindemitgliedschaft gibt.
  • Gemeindemitgliedschaft wurde unter anderem durch die Teilnahme am Abendmahl definiert und Gemeindezucht durch Ausschluß von dieser Teilnahme.
  • Es gab eine klare Grenze. Entweder man ist in der Gemeinde oder man ist außerhalb der Gemeinde.
  • Die Idee, daß man als Christ dauerhaft einfach nur in den Gottesdienst geht, ohne Mitglied zu sein, gibt es im Neuen Testament nicht.
Gemeindemitglied sein – Die Grundlage für die Anbetung Gottes
  • Warum hält das Neue Testament Gemeindemitgliedschaft so hoch?
  • Die Antwort liegt im Wesen der Gemeinde begründet.
  • Paulus schrieb seinem Mitarbeiter Timotheus: “Dies schreibe ich dir…damit du aber…weißt, wie man wandeln soll im Haus Gottes, welches die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit” (1. Timotheus 3:14-15).
  • Paulus nennt die Gemeinde das Haus Gottes und es gibt in der Bibel nur ein Haus Gottes, nämlich den Tempel.
  • Im Alten Testament war der Tempel der Ort, an dem das Volk Gottes angebetet hat.
  • Nun ist dieses Haus Gottes die versammelte Ortsgemeinde.
  • In Epheser 2:19-22 beschreibt Paulus, wie die Gemeinde als heiliger Tempel gebaut wird, nämlich “auf Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist”.
  • Selbst Petrus fordert die Gläubigen auf, sich zu einem geistlichen Haus, einem Tempel, aufbauen zu lassen (1. Petrus 2:5).
  • Der Christ ist ein Tempel des Heiligen Geistes, weil Gott in ihm wohnt, und die Gemeinde ist ein Tempel, weil sie der Ort ist, wo man Gott anbetet.
  • Petrus geht sogar noch weiter und nennt die Gemeindemitglieder eine Priesterschaft (1. Petrus 2:5).
  • So wie die Priester im Alten Testament diejenigen waren, die für den Gottesdienst verantwortlich waren, ist es jetzt die Gemeinde, die Gott geistliche Opfer bringt.
  • Die einzelnen Gemeindemitglieder sind die Priesterschaft, die Gott anbetet.
  • Diese Anbetung geschieht im Hause Gottes. Im Alten Testament war dies der Tempel. Es war der Ort, den Gott zu seinem herrlichen Wohnort auf Erden gemacht hatte.
  • Heute ist der herrliche Wohnort Gottes die versammelte Ortsgemeinde, die Gemeinschaft der Gläubigen.
Gemeindemitglied sein – Die Basis für geistliches Wachstum
  • Geistliches Wachstum heißt, in das Ebenbild Christi verwandelt zu werden (Römer 8:29).
  • Wir werden heiliger, legen unsere sündige Natur ab und wandeln in der neuen Natur, die auf Gott ausgerichtet ist.
  • Wir werden zu einem Menschen Gottes, der ein Leben lebt, das in allem Gott ehrt.
  • Paulus schreibt an Timotheus: “16 Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.” (2. Timotheus 3:16-17)
  • Das Wort Gottes hat die Kraft, einen Menschen zu verändern.
  • Das Ergebnis ist, daß der Christ für jedes gute Werk zubereitet ist.
  • Wie kommt das Wort Gottes zu dir, um dir zu nützen?
  • Paulus schreibt: “Daher bezeuge ich dir ernstlich…Verkündige das Wort, tritt dafür ein.” (2. Timotheus 4:1,2).
  • Indem Timotheus das Wort predigt, rüstet er den Menschen Gottes zu jedem guten Werk zu.
  • Es ist die Predigt, die das Wort Gottes erklärt, und aufzeigt, was es praktisch bedeutet.
  • Die Predigt ist der Gemeinde gegeben.
  • Die Predigt des Wortes ist das Mittel, das Gott gegeben hat, um die Gemeinde geistlich aufzubauen.
  • Von Anfang an sehen wir, wie sich die Gemeinde Gottes um das gepredigte Wort Gottes versammelt.
  • In der Apostelgeschichte 2:42 lesen wir, daß die Gemeinde täglich zusammenkam, um auf die Lehre der Apostel zu hören.
  • In Epheser 4 schreibt Paulus, daß Christus der Gemeinde Apostel, Propheten, Evangelisten und Hirten-Lehrer gegeben hat, damit die Heiligen zum Dienen zugerüstet werden und die Gemeinde erbaut wird (Epehser 4:11-12).
  • Das Ziel ist wieder das geistliche Wachstum der Christen. Dies geschieht in der Gemeinde, und zwar durch die Verkündigung des Wortes Gotes.
  • Wir sollen durch die Verkündigung des Wortes zu einem Christen werden, der fest im Glauben steht, der richtige von falscher Lehre unterscheiden kann und der in der Liebe vollkommen ist (Epheser 4:13-15).
  • Das geistliche Wachstum geschieht durch die Gemeinde und für die Gemeinde.
Gemeindemitglied sein, weil die Gemeinde dich braucht
  • Mehrmals im Neuen Testament finden wir den Körper oder den Leib als Bild für die Gemeinde (Römer 12; 1. Korinther 12; Epheser 4; 1. Petrus 4).
  • Dieses Bild wird jedes Mal dazu verwendet, Gemeindemitglieder zu ermahnen, ihre Gaben richtig einzusetzen.
  • Jedes Glied am Körper ist wichtig, damit der Köper funktioniert.
  • Der Hebräerbrief gibt uns sogar eine deutliche Warnung, die Gemeinde nicht zu vernächlässigen.
  • In Hebräer 10:25 lesen wir, daß wir die Versammlungen nicht verlassen, sondern uns stattdessen gegenseitig ermahnen sollen.
  • Der Grund dafür: Wir sollen aufeinener Acht geben, damit wir uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Werken anspornen.
Gemeindemitglied sein – die Basis für Evangelisation und Mission
  • Als Christen sollten wir das Verlangen haben, die gute Nachricht der Errettung von Sündern zu verbreiten.
  • Doch wie geschieht das? Wie kann ich meinen Freunden oder Verwandten diese Nachricht näher bringen?
  • In Apostelgeschicfhte 1:8 lesen wir zum Beispiel, daß Jesus seinen Jüngern sagt, daß sie seine Zeugen sein werden.
  • Durch die Apostelgeschichte hindurch sehen wir dann, daß dies hauptsächlich durch das Predigen geschieht.
  • Predigen ist die Aufgabe der Gemeinde, nicht die des einzelnen Christen.
  • In der Gemeinde gibt es Prediger, die berufen sind, das Evangelium zu verkünden.
  • Wir finden in den Briefen keine Aufforderung an einzelne Gemeindemitglieder, daß sie predigen sollen.
  • Vielmehr weisen die Apostel auf das hin, was die Hauptaufgabe eines Christen ist: Ihr Leben gemäß dem Evangelium zu führen.
  • Es gibt allerdings Briefe, die an ganze Gemeinde geschrieben wurden, weil diese aufgehört hatten, das Evangelium zu predigen (siehe Galaterbrief).
  • Aber jeder Christ ist berufen, Zeugnis zu geben.
  • Römer 10:9,10 macht deutlich, daß man als Christ nicht nur glaubt, was Christus getant hat, sondern daß man es auch bekennt.
  • Das geschieht zum einen durch unseren Lebenswandel.
  • Wir bekennen aber auch mit dem, was wir sagen.
  • In 1. Petrus 3:15 werden wir aufgefordert, bereit zum Zeugnis zu sein über die Hoffnung, die in uns ist.
  • Wir sollten bereit sein, das Evangelium zu erklären, welches uns Hoffnung gibt.
  • Die Verkündigung des Evangeliums geschieht also auf zwei Ebenen: zum einen durch die Predigt in der Gemeinde, zum anderen durch das persönliche Zeugnis.
  • In der Gemeinde wird das Evangelium jede Woche neu gepredigt, was den einzelnen Christen ausrüstet, das Evangelium selbst zu verstehen und weitergeben zu können.
  • Die Gemeinde ist dir gegeben, damit du selbst durch das Evangelium gestärkt wirst, und sie hilft dir dabei, das Evangelium weiterzugeben.
Gemeindemitglied sein – Aber wo?
  • Am Ende stellt sich die Frage: Wo soll ich Gemeindemitglied werden? Welche Gemeinde ist die richtige?
  • Es geht nicht um unsere Vorlieben und Wünsche, sondern um Gottes Maßstäbe.
  • Es geht vor allem um Inhalt, nicht um äußere Erscheinungen.
  • Priorität Nummer eins hatte für die Apostel die Verkündigung des Evangeliums.
  • In 1. Korinther 2:2 lesen wir, daß Paulus der Gemeinde vor allem das Evangelium verkündigen wollte.
  • Deshalb solltest du nur in einer Gemeinde Mitglied werden, die die Predigt des Evangeliums im Zentrum hat.
  • Eine weitere Priorität sind Taufe und Abendmahl (die Sakramente).
  • Eine Gemeinde muß neben dem Evangelium darauf achten, daß die Mitglieder getauft sind und regelmäßig am Abendmhal teilnehmen.
  • Daraus ergibt sich, daß Gemeindemitgliedschaft wichtig ist.
  • Die Taufe ist das Zeichen der Aufnahme in die Gemeinde und das Abendmahl das Gemeinschaftsmahl der Gemeinde.
  • In 1. Korinther 5 sehr wir außerdem, daß diejenigen, die nicht nach biblischen Maßstäben leben, aus der Gemeinde und vor allem vom Abendmal ausgeschlossen werden sollten.
  • Letzten Endes ist die Gemeinde immernoch der heilige Tempel Gottes.
  • Auf der Suche nach einer Gemeinde solltest du also darauf auch, daß das Evangelium gepredigt wird, Taufe und Abendmahl als wichtig angesehen werden und Gemeindemitgliedschaft ernst genommen wird.
Bücher und Artikel zum Weiterlesen
  • Thabiti Anyabwile – Was ist ein gesundes Gemeindemitglied? Was darf meine Gemeinde von mir erwarten?
  • Mark Dever – 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde
  • 9 Marks Ministries – Fünf gute Gründe, verbindlich Mitglied zu werden (www.evangelium21.net/ressourcen/fuenf-gute-gruende-verbindlich-mitglied-zu-werden)
Quelle: Müller, Johannes (2014): „Der Christ und die Gemeinde“. In: Klautke, Jochen; Reeh, Lars; Strebel, Hanniel (Hrsg.) Ein Leben zur Ehre Gottes. 1. Aufl. Waldems: 3L Verlag.

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