Predigt vom 28.02.2016: Stefan Beyer – Richter 8:1-21 – Die innere Bedrohung

Stefan Beyer – Richter 8:1-21 – Die innere Bedrohung

  • Gideon hatte einen großen Sieg gegen die Midianiter errungen.
  • Dieser Sieg war eigentlich der Sieg Gottes, denn er hatte von Anfang bis Ende deutlich gemacht, daß er allein die Rettung vollbringen würde.
  • Anstatt wie bei der Geschichte von Barak und Debora den Sieg in einem Loblied zu feiern, regt sich nun Widerstand im Volk Israels.
  • Dieser Widerstand ist bezeichnend für die Gefahren, denen die Gemeinden zu aller Zeit ausgesetzt sind, und für die Quelle von Problemen.
  • Es wird deutlich, daß Israel, trotz großer Gegner von außen, eigentlich immer hauptsächlich von innen bedroht wurde.
  • Es waren bestimmte Einstellungen, die das Volk in ihrem Herzen zuließen und die drohten, die Gemeinschaft auseinanderzureißen.
  • Die spätere Geschichte des Buches Richter wird deutlich machen, wie entzweit Israel geworden ist, bis das Buch schließlich in einem blutigen Bürgerkrieg endet.
Stolz
1 Aber die Männer von Ephraim sprachen zu ihm: Warum hast du uns das angetan, daß du uns nicht gerufen hast, als du gegen die Midianiter in den Kampf gezogen bist? Und sie stritten heftig mit ihm. 2 Er aber sprach zu ihnen: Was habe ich jetzt getan, das eurer Tat gleich wäre? Ist nicht die Nachlese Ephraims besser als die Weinlese Abiesers? 3 Gott hat die Fürsten der Midianiter, Oreb und Seb, in eure Hand gegeben; wie hätte ich tun können, was ihr getan habt? Als er dies sagte, ließ ihr Zorn von ihm ab.
  • Die Männer Ephraims war zornig auf Gideon, weil sie nicht an der Hauptschlacht teilnehmen durften.
  • Dadurch war ihnen der Ruhm entgangen, an dieser wichtigen Entscheidungsschlacht mitgewirkt zu haben.
  • Sie erinnern sehr an die Jünger, die darüber stritten, wer unter ihnen der Größte sei.
    • 24 Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen als der Größte zu gelten habe. 25 Er aber sagte zu ihnen: Die Könige der Heidenvölker herrschen über sie, und ihre Gewalthaber nennt man Wohltäter. 26 Ihr aber sollt nicht so sein; sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Führende wie der Dienende. 27 Denn wer ist größer: der, welcher zu Tisch sitzt, oder der Dienende? Ist es nicht der, welcher zu Tisch sitzt? Ich aber bin mitten unter euch wie der Dienende. (Lukas 22:24-27)
    • Jesus würde weniger später am Kreuz für ihre Sünde sterben.
    • Ihre Einstellung war ein krasser Gegensatz zur dienenden Einstellung Jesu.
  • Zu einer anderen Zeit baten Jakobus und Johannes um eine besondere Stellung im Reich Gottes.
    • 20 Da trat die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu ihm und warf sich vor ihm nieder, um etwas von ihm zu erbitten. 21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu ihm: Sprich, daß diese meine beiden Söhne einer zu deiner Rechten, der andere zur Linken sitzen sollen in deinem Reich! 22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wißt nicht, um was ihr bittet ! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde? Sie sprechen zu ihm: Wir können es! 23 Und er spricht zu ihnen: Ihr werdet zwar meinen Kelch trinken und getauft werden mit der Taufe, womit ich getauft werde. Aber das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu verleihen, steht nicht mir zu, sondern es wird denen zuteil, denen es von meinem Vater bereitet ist. (Matthäus 20:20-23)
    • Die Stellung im Reich Gottes wird vom Vater souverän zugeteilt.
  • Wenn wir jetzt im Demut Jesus dienen, werden wir irgendwann von ihm Reich belohnt werden.
    • 28 Ihr aber seid die, welche bei mir ausgeharrt haben in meinen Anfechtungen. 29 Und so übergebe ich euch ein Königtum, wie es mir mein Vater übergeben hat, 30 so daß ihr an meinem Tisch in meinem Reich essen und trinken und auf Thronen sitzen sollt, um die zwölf Stämme Israels zu richten. (Lukas 22:28-30)
  • Auch später im Neuen Testament wird Stolz und Eigendünkel immer wieder eine Rolle spielen.
    • Der Stolz der Judenchristen gegenüber den Heidenchristen (Galater 2).
    • Der Stolz auf bestimmte Lehrer und Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen (1. Korinter 1).
    • Der Wunsch, etwas besonderes in der Gemeinde zu sein (3. Johannes).
  • Darunterliegend ist der Götze der Anerkennung und des Einflusses.
    • Wir müssen lernen, mit Gott allein und seinem Plan für unser Leben zufrieden zu sein.
    • 11 Du wirst mir den Weg des Lebens zeigen; vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich! (Psalm 16:11)
  • Gideon reagiert sehr diplomatisch auf den Zorn der Ephraimiter und zeigt, wie man mit Friedfertigkeit einen Streit beilegen kann.
    • 1 Eine sanfte Antwort wendet den Grimm ab. (Sprüche 15:1)
Sicherheit
4 Als nun Gideon an den Jordan kam, ging er hinüber mit den 300 Mann, die bei ihm waren; die waren müde und setzten dennoch die Verfolgung fort. 5 Und er sprach zu den Leuten von Sukkot: Gebt doch dem Volk, das bei mir ist, einige Laibe Brot, denn sie sind erschöpft, und ich jage den Königen der Midianiter, Sebach und Zalmunna, nach! 6 Aber die Obersten von Sukkot sprachen: Ist denn die Faust Sebachs und Zalmunnas schon in deiner Hand, daß wir deinem Heer Brot geben sollen? 7 Gideon sprach: Wohlan, wenn der HERR Sebach und Zalmunna in meine Hand gibt, so will ich euer Fleisch mit Dornen aus der Wüste und mit Disteln dreschen! 8 Und er zog von dort nach Pnuel hinauf und redete mit ihnen in gleicher Weise. Und die Leute von Pnuel antworteten ihm wie die von Sukkot. 9 Da sprach er auch zu den Leuten von Pnuel: Komme ich mit Frieden wieder, so will ich diesen Turm niederreißen!
  • Gideon jagt mit seinen 300 Kämpfern den Midianitern bis jenseits des Jordans nach.
  • Er bittet die dortigen israelitischen Städte Sukkot und Pnuel um Nahrung, um die Verfolgung fortsetzten zu können.
  • Die beiden Städte wollen Gideon aber nicht unterstützen.
  • Weil sie östlich des Jordans lagen, hatten sie vermutlich Angst, daß sie die ersten Opfer eines midianitischen Vergeltungsschlages sein würden, sollte es Gideon nicht gelingen, die Midianiter endgültig zu besiegen.
  • Anstatt auf Gottes Führung und Eingreifen in der Hauptschlacht zu schauen und anzuerkennen, daß Gideon der von Gott berufene Retter war, und daß Gott durch ihn den Israeliten Rettung bringen wollte, reagierten die beiden Städte aus Angst und Sicherheitsbedürfnis.
  • Der Götze der Sicherheit ist auch in vielen christlichen Herzen sehr zentral.
  • Jesus rief seine Jünger auf, ihren Frieden in ihm selbst, in seiner Person zu finden, statt in sicheren, weltlichen Umständen.
    • 33 Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden! (Johannes 16:33)
  • Gott wird das selbstgebaute Nest seiner Kinder immer wieder zerstören, damit sie lernen, in ihm allein Frieden zu finden.
  • Die beiden Städte Sukkot und Pnuel waren vom Unglauben beherrscht und sie erkannten Gideon nicht als Retter an.
  • Auch der Sohn Gottes wurde in seiner Vaterstadt nicht als Retter anerkannt.
    • 54 Und als er in seine Vaterstadt kam, lehrte er sie in ihrer Synagoge, so daß sie staunten und sprachen: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Wunderkräfte? 55 Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria, und seine Brüder heißen Jakobus und Joses und Simon und Judas? 56 Und sind nicht seine Schwestern alle bei uns? Woher hat dieser denn das alles? 57 Und sie nahmen Anstoß an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nirgends verachtet außer in seinem Vaterland und in seinem Haus! 58 Und er tat dort nicht viele Wunder um ihres Unglaubens willen. (Matthäus 13:54-58)
  • Wir sollen zwar zum einen nicht jeden Lehrer aufnehmen, sondern ihn prüfen.
    • 9 Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn. 10 Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf ins Haus und grüßt ihn nicht! 11 Denn wer ihn grüßt, macht sich seiner bösen Werke teilhaftig. (2. Johannes 1:9-11)
  • Aber die echten Diener Gottes, die von Gott eingesetzt sind und sein Evangelium verkünden, sollen wir in hohen Ehren halten und unterstützen.
    • 12 Wir bitten euch aber, ihr Brüder, daß ihr diejenigen anerkennt, die an euch arbeiten und euch im Herrn vorstehen und euch zurechtweisen, 13 und daß ihr sie um so mehr in Liebe achtet um ihres Werkes willen. (1. Thessalonicher 5:12-13)
  • Gegenüber den beiden Städten reagiert Gideon nicht diplomatisch wie zuvor, sondern wütend und rachsüchtig.
  • Man sieht hier den Beginn des Wandels im Charakter von Gideon.
    • Er hört nicht mehr auf die Führung Gottes, sondern beginnt, eigenmächtig zu handeln.
  • Gott war so geduldig mit Gideon und dem Volk Israels gewesen, aber Gideon beginnt nun aus Ungeduld und Zorn zu handeln.
  • Damit spiegelt er den Herrn immer weniger wieder und verfehlt die Berufung, die er hat.
  • Er führt zu einem neuen Bild über Gott und am Ende sogar zu einem neuen Götzen.
Eigenmächtigkeit
10 Aber Sebach und Zalmunna waren mit ihrem Heer in Karkor, etwa 15 000, der ganze Rest vom Heer der Söhne des Ostens; denn 120 000, die das Schwert ziehen konnten, waren gefallen. 11 Und Gideon zog hinauf auf der Straße derer, die in Zelten wohnen östlich von Nobach und Jogbeha; und er schlug das Lager, denn das Heer war sorglos. 12 Und als Sebach und Zalmunna flohen, jagte er ihnen nach und fing die beiden Könige der Midianiter, Sebach und Zalmunna, und er versetzte das ganze Heer in Schrecken. 13 Und Gideon, der Sohn des Joas, kehrte um von der Schlacht beim Aufstieg von Heres. 14 Und er fing einen Knaben von den Leuten von Sukkot und fragte ihn aus; der schrieb ihm die Obersten von Sukkot und ihre Ältesten auf, 77 Mann. 15 Und er kam zu den Leuten von Sukkot und sprach: Siehe, hier sind Sebach und Zalmunna, wegen denen ihr über mich gespottet und gesprochen habt: “Ist denn die Faust Sebachs und Zalmunnas schon in deiner Hand, daß wir deinen Leuten, die müde sind, Brot geben sollten?” 16 Und er ließ die Ältesten der Stadt ergreifen und ließ Dornen aus der Wüste und Disteln holen und züchtigte die Leute von Sukkot damit. 17 Den Turm von Pnuel ab+er riß er nieder und tötete die Leute der Stadt. 18 Und er sprach zu Sebach und Zalmunna: Wie waren die Männer, die ihr in Tabor erschlagen habt? Sie sprachen: Sie waren wie du, ein jeder so schön wie Königssöhne! 19 Er aber sprach: Das sind meine Brüder, die Söhne meiner Mutter gewesen. So wahr der HERR lebt, wenn ihr die hättet leben lassen, so würde ich euch nicht töten! 20 Und er sprach zu seinem erstgeborenen Sohn Jeter: Steh auf und erschlage sie! Aber der Knabe zog sein Schwert nicht; denn er fürchtete sich, weil er noch jung war. 21 Sebach aber und Zalmunna sprachen zu Gideon: Steh du auf und erschlage uns; denn wie der Mann, so seine Kraft! Da stand Gideon auf und tötete Sebach und Zalmunna; und er nahm die Halbmonde, die an den Hälsen ihrer Kamele waren.
  • Wir sehen in diesem Teil der Geschichte eine neue Seite an Gideon, die sich aber schon früher angedeutet hat.
  • Zunächst ist auffällig, daß von Gott und dem Engel des Herrn keine Rede mehr ist.
  • Gideon scheint in diesem Abschnitt völlig eigenmächtig zu handeln und nicht mehr nach der Wegweisung Gottes zu fragen.
  • Zudem erfahren wir, daß sein Kampf gegen den Rest der Midianiter von Rachsucht geprägt ist.
    • Die Midianiter hatten Gideons Brüder umgebracht und er wollte sich nun an ihnen rächen.
  • Gideon wird nicht mehr von Gott geführt, sondern von seinen eigenen Ambitionen.
  • Statt den Städten Sukkot und Pnuel zu vergeben, rächt er sich in grausamer Weise an ihnen.
  • Er will die Könige der Midianiter zusätzlich demütigen, indem er sie von seinem Sohn Jeter erschlagen läßt.
  • Gideon hat aufgehört, auf den Herrn zu hören und den Herrn in seinem Verhalten widerzuspiegeln.
  • Er ist ein falscher Prophet und ein falscher König geworden.
  • Er tut das, was sein Herz ihm sagt, und gehorcht nicht dem Willen Gottes.
  • Er spiegelt die geistlichen Führer zur Zeit Jesu wider, die den Messias töten wollten, weil er ihre Autorität untergrieb.
    • 40 Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, die ich von Gott gehört habe; das hat Abraham nicht getan. 41 Ihr tut die Werke eures Vaters ! Da sprachen sie zu ihm: Wir sind nicht unehelich geboren; wir haben einen Vater: Gott! 42 Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr mich lieben, denn ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn nicht von mir selbst bin ich gekommen, sondern er hat mich gesandt. 43 Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! 44 Ihr habt den Teufel zum Vater, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun! Der war ein Menschenmörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. (Johannes 8:40-44)
  • Wir müssen lernen, unseren persönlichen Willen immer wieder Gott zu unterstellen, sonst werden wir wie Petrus gerügt.
    • 21 Von da an begann Jesus seinen Jüngern zu zeigen, daß er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten, den obersten Priestern und Schriftgelehrten, und getötet werden und am dritten Tag auferweckt werden müsse. 22 Da nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren und sprach: Herr, schone dich selbst! Das widerfahre dir nur nicht! 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan ! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich! (Matthäus 16:21-23)
  • Wir sind aufgerufen, unseren Willen zu kreuzigen und in die Nachfolge Jesu zu treten.
    • 24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! 25 Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. (Matthäus 16:24-25)

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