Predigt vom 20.03.2016: Stefan Beyer – Matthäus 22:23-33 – Die Klarheit der Schrift

Stefan Beyer – Matthäus 22:23-33 – Die Klarheit der Schrift

  • Jesus wird in Kapitel 22 von seinen theologischen Gegnern auf die Probe gestellt.
  • Es ist auffällig, daß Jesus auf theologische Fragen mit direkten Zitaten aus der Heiligen Schrift antwortet oder mit Verweisen auf zentrale biblische Lehren.
    • Die Frage nach der Steuer beantwortet er mit Verweis auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen.
    • Die Frage nach der Auferstehung beantwortet er aus dem zweiten Buch Mose.
    • Die Frage nach dem höchsten Gebot beantwortet er aus dem dritten und fünften Buch Mose.
  • Schließlich fordert Jesus seine Gegner sogar anhand der Heiligen Schrift heraus, indem er sie mit einer messianischen Prophezeiung aus den Psalmen konfrontiert.
  • Überall geht Jesus davon aus, daß die Schrift klar ist und verstanden werden kann.
  • Das Problem war nicht, daß die Menschen die Schrift nicht verstanden, sondern daß ihr Herz nicht bereit war, sie anzunehmen und zu glauben.
    • 25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen, wie ist doch euer Herz träge, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben! (Lukas 24:25)
  • Jesus ging von der göttlichen Eingebung (Inspiration) und Deutlichkeit (Perspikuität) der Heiligen Schrift aus.
23 An jenem Tag traten Sadduzäer zu ihm, die sagen, es gebe keine Auferstehung, und sie fragten ihn
  • Die Sadduzäer waren die herrschende Klasse der Juden.
  • Sie lehnten die übernatürlichen Aspekte des Glaubens ab.
    • 8 Die Sadduzäer sagen nämlich, es gebe keine Auferstehung, auch weder Engel noch Geist; die Pharisäer aber bekennen sich zu beidem. (Apostelgeschichte 23:8)
  • Außerdem akzeptierten sie nur die fünf Bücher Mose (die Tora) als Heilige Schrift.
  • Sie waren eine antike Form der liberalen Christen von heute.
24 und sprachen: Meister, Mose hat gesagt: Wenn jemand ohne Kinder stirbt, so soll sein Bruder dessen Frau zur Ehe nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken. 25 Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste heiratete und starb; und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder. 26 Gleicherweise auch der andere und der dritte, bis zum siebten. 27 Zuletzt, nach allen, starb auch die Frau. 28 Wem von den Sieben wird sie nun in der Auferstehung als Frau angehören? Denn alle haben sie zur Frau gehabt.
  • Die Sadduzäer wollen Jesus mit einem logischen Widerspruch dazu bringen, anzuerkennen, daß die Bibel fehlerhaft ist bzw. nur bestimmte Teile als Grundlage für den Glauben gelten können (das Gesetz).
  • Bei der sogenannten Schwagerehe war der Bruder eines verstorbenen Juden, der noch keine Kinder hatte, verpflichtet, die Witwe zu heiraten und für Nachkommen des Verstorbenen zu sorgen.
  • In einem konstruierten Fall hatte eine Frau sieben Brüder geheiratet, weil sie keine Kinder gebar bevor der jeweilige Ehepartner starb.
  • Nun war die Frage, mit wem sie im Himmel verheiratet sein würde, weil sie auf Erden sieben Ehepartner gehabt hatte.
  • Dieses Problem widerlegte für die Sadduzäer den Glauben an die Auferstehung.
  • Anstatt eine Lösung in der Heiligen Schrift zu suchen, nahmen sie einen angeblichen Widerspruch als Ausrede, um die Autorität der Heiligen Schrift abzulehnen.
29 Aber Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt.
  • Jesus führt den theologischen Irrtum der Sadduzäer auf zwei Faktoren zurück:
    • Sie kannten die Heiligen Schrift nicht (genügend).
    • Sie unterschätzten die Kraft Gottes (dem alles möglich ist).
  • Das Problem war nicht, daß die Heilige Schrift schwer verständlich ist oder sogar Widersprüche hat, sondern daß die Sadduzäer sie nicht gut genug kannten und ihr mit einem ungläubigen Herzen begegneten.
  • Es gibt für Jesus eine klare Aussage der Heiligen Schrift, die durch intensives Studium und Vertrauen auf Gott herausgefunden werden kann.
30 Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel.
  • Der Unglaube der Sadduzäer äußerte sich darin, daß sie Gott nicht zutrauten, in der Auferstehung unsere Körper wirklich umgestalten zu können.
  • Wir stehen mit neuen Leibern auf, die nicht mehr für die Gemeinschaft mit einem Menschen, sondern für die Gemeinschaft mit Gott gemacht sind.
    • 42 So ist es auch mit der Auferstehung der Toten: Es wird gesät in Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit; 43 es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft; 44 es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib. (1. Korinther 15:42-44)
31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch von Gott gesagt ist, der spricht: 32 “Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs”? Gott ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.
  • Jesus beantwortete die theologische Frage, die die Sadduzäer hatten, bzw. ihren theologischen Irrtum mit einem Zitat aus der Heiligen Schrift.
  • Er leitet die Auferstehung der Toten aus den Schriften ab, welche die Sadduzäer noch akzeptierten.
  • Für Jesus war klar, daß wenn Gott eine persönliche Beziehung mit einem Menschen eingeht und sich mit ihm identifiziert, ja sich Gott einer bestimmten Person nennt, diese Person dann notwendigerweise leben muß.
  • Die Auferstehung leitet sich daraus, daß Gottes Bund mit seinem Volk selbst durch den Tod nicht aufgelöst werden kann.
    • 37 Aber in dem allem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Römer 8:37-39)
  • Erstaunlich an dieser Stelle ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Jesus aus der Bibel zitiert und davon ausgeht, daß sie die theologische Frage löst und den Streitpunkt entscheidet.
  • Außerdem geht er von der Deutlichkeit der Schrift aus, indem ein bloßes Lesen zur wahren Erkenntnis der Aussage eines Textes führen würde.
  • Die Reformatoren sprachen vor diesem Hintergrund von der Klarheit/Deutlichkeit (Perspikuität) der Heiligen Schrift.
  • Die katholische Kirche wollte nicht, daß die Schrift in die Hände der einfachen Leute kommen sollte, weil sie davon ausging, daß sie schwer zu verstehen war.
  • Jesus und die Reformatoren gingen aber davon aus, daß die Heiligen Schrift im Kern leicht zu verstehen ist und wir deshalb auch verantwortlich sind, sie zu lesen und zu studieren und unsere theologischen Überzeugungen von ihr formen zu lassen (“Habt ihr nicht gelesen?”).
  • In dieser Antwort betont Jesus aber auch die Genugsamkeit der Heiligen Schrift.
  • Im Gegensatz zur katholischen Kirche, welche die Klarheit der Schrift leugnete, leugneten die Schwärmer zur Zeit der Reformation die Genugsamkeit der Schrift.
  • Sie gingen davon aus, daß Gott neben der Heiligen Schrift auch noch durch persönliche, außerbiblische Worte zu seinem Volk redet.
  • Für Jesus bedeutet aber das heutige Reden Gottes ein Hören auf die Heilige Schrift (“was euch von Gott gesagt ist”).
  • Die gleiche Überzeugung hatte der Verfasser des Hebräerbriefs.
    • 7 Darum, wie der Heilige Geist spricht: “Heute, wenn ihr seine Stimme hört, 8 so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Auflehnung, am Tag der Versuchung in der Wüste, 9 wo mich eure Väter versuchten; sie prüften mich und sahen meine Werke 40 Jahre lang. (Hebräer 3:7-9 mit Verweis auf Psalm 95)
  • Der Heilige Geist spricht heute allein durch Anwendung der Heiligen Schrift.
  • Die Abfassung der Heiligen Schrift ist das damalige Werk des Heiligen Geistes und sein heutiges Werk ist es, den Gläubigen zu helfen, die Heilige Schrift zu verstehen (Erleuchtung) und zu glauben.
33 Und als die Menge dies hörte, erstaunte sie über seine Lehre.
  • Jesu Lehre war von Vollmacht geprägt, weil er die Heilige Schrift treu auslegte.
  • Eine ähnliche Reaktion erfuhr er nach seiner Bergpredigt, die im Grunde eine Auslegung der Zehn Gebote ist.
    • 28 Und es geschah, als Jesus diese Worte beendet hatte, erstaunte die Volksmenge über seine Lehre, 29 denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten. (Matthäus 7:28-29)
  • Auch seine Predigt in der Synagogue von Nazareth war eine Auslegung des Alten Testaments (Jesaja).
  • Als Reaktion auf seine Bibelauslegung wurde Jesus nicht als kalt und fundamentlistisch beschrieben, sondern seine Worte waren Gnade für die Zuhörer.
    • 20 Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Er aber fing an, ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren! 22 Und alle gaben ihm Zeugnis und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen, und sprachen: Ist dieser nicht der Sohn Josephs? (Lukas 4:20-22)
  • Jesus erwartete, daß die Heilige Schrift und ihre klare Auslegung nicht von allen Menschen aufgenommen werden würde (siehe das Gleichnis des Hochzeitsfestes, Verse 1-14).
  • Die Gemeinde soll aber deshalb nicht ihre Botschaft verändern, sondern das Wort Gottes weiter treu aussäen und auf Gott vertrauen, daß er den guten Boden bereitet.
    • 20 Und die, bei denen auf das gute Erdreich gesät wurde, das sind solche, die das Wort hören und es aufnehmen und Frucht bringen, der eine dreißigfältig, der andere sechzigfältig, der dritte hundertfältig. (Markus 4:20)
  • Jesus freute sich über die Souveränität Gottes, der den Menschen seiner Wahl die Augen für das Evangelium öffnet.
    • 21 Zu derselben Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß du dies den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir. 22 Und zu den Jüngern gewandt sagte er: Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der Vater ist, weiß niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will. (Lukas 10:21-22)

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