Predigt vom 06.03.2016: Stefan Beyer – Richter 8:22-35 – Ein schlechtes Ende

Stefan Beyer – Richter 8:22-35 – Ein schlechtes Ende

  • Gideon ist eine Warnung, daß obwohl man im Glauben einen guten Start und Perioden der Treue gegenüber Gott haben kann, man doch in der Gefahr steht, später untreu in der Beziehung zum Herrn zu werden.
    • Damit steht er in Verbindung mit anderen Königen Israels: Asa, Josaphat, Ussija und Hiskia (2. Chronik 16:1-19:3; 26:16-23; 2. Könige 20:12-21).
  • Gideon ist auch eine Erinnerung, daß Leiter fehlerhaft sein können und wir sie nicht übermäßig verehren sollten.
    • Nur Jesus hatte keine Sünde und kann deshalb vollkommen vertraut werden.
      • 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise wie wir , doch ohne Sünde. (Hebräer 4:15)
  • Gideon ist aber auch ein Symbol für das Evangelium, indem er uns zeigt, wie abhängig wir von Gottes Gnade sind und wie vergebungsbedürftig.
    • Gott hat seinen Sohn nicht für nette Menschen gegeben, die ein bißchen Vergebung brauchen, sondern für verlorene Sünder.
      • 6 Wir alle gingen in die Irre wie Schafe, jeder wandte sich auf seinen Weg; aber der HERR warf unser aller Schuld auf ihn. (Jesaja 53:6)
22 Da sprachen die Männer Israels zu Gideon: Herrsche über uns, du und dein Sohn und der Sohn deines Sohnes, weil du uns aus der Hand der Midianiter errettet hast!
  • Die Israeliten wollen aufgrund des Erfolgs von Gideon, daß er ihr König wird.
  • Es ist genau das passiert, wovor Gott gewarnt hat.
    • Statt anzuerkennen, daß der Herr den Sieg geschenkt hat, vertrauen die Israeliten auf sich selbst und ihren König.
  • Gideons Herz war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr beim Herrn.
    • Dadurch wird deutlich, wie gefährlich es ist, Leiter nur durch ihren Erfolg zu beurteilen.
23 Aber Gideon sprach zu ihnen: Ich will nicht über euch herrschen, mein Sohn soll auch nicht über euch herrschen; der HERR soll über euch herrschen!
  • Gideon lehnt die Königswürde ab, weil er noch einen Rest von Gewissen hat, daß der Ruhm eigentlich dem Herrn gehört und die Israeliten ihm dienen sollten.
  • Das Problem der Israeliten hier ist nicht grundsätzlich die Forderung nach einem König, sondern die Abwendung vom Herrn und das Vertrauen auf weltliche Mächte.
  • Gideons Hochachtung des Herrn ist aber nur äußerlich. Er lehnt zwar das öffentliche Königtum ab, fängt aber an, inoffiziell als König zu agieren.
24 Und Gideon sprach zu ihnen: Eins erbitte ich von euch: Gebt mir jeder die Ohrringe, die er erbeutet hat! Denn weil sie Ismaeliter waren, hatten sie goldene Ohrringe. 25 Sie sprachen: Die wollen wir dir gerne geben! Und sie breiteten ein Gewand aus, und jeder warf die Ohrringe von der Beute darauf. 26 Und die goldenen Ohrringe, die er erbeten hatte, hatten ein Gewicht von 1 700 Schekel Gold, ohne die Halbmonde und Ohrengehänge und Purpurkleider, welche die Könige der Midianiter getragen hatten, und ohne den Halsschmuck ihrer Kamele.
  • Gideon fordert eine Bezahlung für den von ihm errungenen Sieg.
  • Er erhebt eine königliche Steuer.
27 Und Gideon machte ein Ephod daraus und stellte es in seiner Stadt auf, in Ophra. Und ganz Israel hurte ihm dort nach. Und das wurde zum Fallstrick für Gideon und sein Haus.
  • Ein Ephod war ein priesterliches Gewand. Es beinhaltete den Brustschild des Rechtsspruchs, wodurch Gottes Wille erfragt werden konnte.
  • Anstatt auf das Bundeszelt in Silo und den normalen Priesterdienst dort zu verweisen, möchte Gideon, daß das Volk bei ihm nach Gottes Willen fragt.
  • Er ist ein heimlicher König und ein heimlicher Priester und möchte diese beiden Ämter in einer Person verbinden.
  • Zu Beginn der Geschichte sollte Gideon seine Stadt Ophra vom Götzendienst befreien, nun setzt er ihn in genau der Stadt wieder ein.
  • Er führt Israel nicht zurück zum Herrn, sondern weiter weg von ihm.
28 Die Midianiter aber waren vor den Söhnen Israels gedemütigt worden und erhoben ihr Haupt nicht mehr; und das Land hatte 40 Jahre lang Ruhe, solange Gideon lebte.
  • Eigentlich war das Land schon in eine Ruhephase eingetreten, aber durch Gideons Verhalten nimmt es jetzt den größten Schaden.
  • Es ist das letzte Mal, daß im Buch Richter von einer Ruhe gesprochen wird.
  • Die Geschichten im Buch Richter sind weniger zyklisch als spiralförmig.
  • Das Volk wendet sich immer weiter von Gott ab und am Ende fragt man sich, warum Gott überhaupt mit diesem Volk weiter geht.
    • Die Antwort liegt nicht darin, daß Israel so liebenswürdig ist und Gott einfach nicht anders kann, als sie zu lieben.
    • Stattdessen ist der Grund einzig in der Bundestreue Gottes und in seiner Leidenschaft für die Ehre seines Namens zu suchen.
      • 22 Der HERR aber wird um seines großen Namens willen sein Volk nicht verstoßen, denn es hat dem HERRN gefallen, euch zu seinem Volk zu machen. (1. Samuel 12:22)
      • 9 Um meines Namens willen bin ich langmütig, und um meiner Ehre willen halte ich mich zurück, dir zugute, um dich nicht auszurotten. (Jesaja 48:9)
29 Und Jerub-Baal, der Sohn des Joas, ging hin und wohnte in seinem Haus.
  • Gideon setzt sich zwar öffentlich zur Ruhe, aber im Geheimen regiert und handelt er als König.
30 Gideon hatte aber 70 Söhne, die aus seinen Lenden hervorgegangen waren, denn er hatte viele Frauen. 31 Und seine Nebenfrau, die er in Sichem hatte, gebar ihm auch einen Sohn, dem gab er den Namen Abimelech.
  • Gideon nimmt sich auf (falsche) königliche Art viele Frauen und zeugt viele Kinder.
  • Er nennt einen Sohn sogar “mein Vater ist ein König” (Abimelech).
32 Und Gideon, der Sohn des Joas, starb in gutem Alter und wurde in Ophra begraben, im Grab seines Vaters Joas, des Abiesriters. 33 Es geschah aber, als Gideon gestorben war, da kehrten die Kinder Israels um und hurten wieder den Baalen nach und machten den Baal-Berit zu ihrem Gott. 34 So gedachten die Kinder Israels nicht an den HERRN, ihren Gott, der sie aus der Hand aller ihrer Feinde ringsum errettet hatte, 35 und sie erwiesen keine Güte an dem Haus Jerub-Baal-Gideons, trotz allen Wohltaten, die er an Israel getan hatte.
  • Gideon hatte das Volk nicht zurück zu Gott geführt.
  • Das Volk hatte sich seinen Egoismus angewöhnt und erweist keine Güte am Hause Gideons.
  • Gideon wird am Ende mit seinem Doppelnamen genannt, um die gespaltene Person darzustellen, die er war.
    • Er begann ängstlich und in bewußter Abhängigkeit von Gott.
    • Nach einigem Zögern vertraute er dem Herrn.
    • Er erlebte Gottes mächtiges Eingreifen.
    • Er wurde als Leiter anerkannt und andere folgten ihm.
    • Dann begann er eigenmächtig zu handeln und nicht mehr nach dem Herrn zu fragen.
    • Obwohl er äußerlich dem Herrn Anerkennung zollte, lebte er doch insgeheim nach eigenen Maßstäben.
    • Er setzte sich an die Stelle Gottes und seiner Priester.
    • Er wollte, daß die Menschen ihn ehren.
    • Er führt das Volk nicht hin zu Gott, sondern letztlich wieder zu Baal.
  • Durch das Ende von Gideon lernen wir:
    • die Gefahr des Abkommens vom richtigen Weg
      • 11 Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben, auf die das Ende der Weltzeiten gekommen ist. 12 Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, daß er nicht falle! (1. Korinther 10:11-12)
    • die Gefahr des falschen Vertrauens auf und die falsche Bewertung von Leitern
      • 7 Aber der HERR sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Aussehen, noch auf seinen hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen! Denn der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der HERR aber sieht das Herz an! (1. Samuel 16:7)
    • das herrliche Leben des Messias, der gerade am Ende seines Lebens seine größte Treue gegenüber Gott bewies
      • 6 Der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; 8 und in seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz. (Philipper 2:6-8)
  • Jesus hat mit seinem Gehorsam unseren Ungehorsam wiedergutgemacht.
    • 19 Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten gemacht. (Römer 5:19)
  • Desto näher wir an Jesus dranbleiben und desto enger wir mit ihm gehen, desto mehr wird sich sein treues Herz auf unser Herz übertragen.
    • 20 Der Umgang mit den Weisen macht weise, wer sich aber mit Narren einläßt, dem geht es schlecht. (Sprüche 13:20)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: