Predigt vom 24.01.2016: Stefan Beyer – Richter 4 – Eine so große Errettung

Stefan Beyer – Richter 4 – Eine so große Errettung

  • Richter 4 und 5 beschreiben dasselbe Ereignis aus zwei unterschiedlichen Perspektiven (historisch und poetisch).
  • Ein starker Fokus in beiden Berichten ist, daß die Ehre für die Errettung allein Gott gehört.
    • Er benutzt Menschen, um seine Errettung zu bringen, aber auf eine Weise, daß die Ehre zuletzt ihm gehört.
  • Frauen spielen eine starke Rolle in dieser Geschichte:
    • Debora, die Prophetin,
    • Jael, die Heldin,
    • die israelischen Frauen, die von Sisera vergewaltigt werden (Richter 5:30).
1 Als aber Ehud gestorben war, taten die Kinder Israels wieder, was böse war in den Augen des HERRN.
  • Die Israeliten sind in vollkommener Abhängigkeit der Sünde.
2 Da verkaufte sie der HERR in die Hand Jabins, des Königs der Kanaaniter, der in Hazor regierte; und sein Heerführer war Sisera, der in Haroset-Gojim wohnte.
  • Der Herr gibt sein Volk in die Hand fremder Mächte.
  • Jabin übte seine Herrschaft vom Norden Israels aus.
  • Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht aber sein Heerführer Sisera.
3 Da schrieen die Kinder Israels zum HERRN; denn er hatte 900 eiserne Streitwagen, und er unterdrückte die Kinder Israels mit Gewalt 20 Jahre lang.
  • Sisera hat eine überwältigende Militärhoheit.
  • Seine Herrschaft war grausam und langanhaltend.
  • Aus dieser Not schreien die Israeliten wieder um Hilfe.
4 Und Debora, eine Prophetin, die Frau Lapidots, richtete Israel zu jener Zeit.
  • Debora (Biene) war ein Sprachrohr Gottes in dieser Zeit.
  • Im Alten Testament gab es fünf Frauen, die als Prophetinnen auftraten (Miriam, Debora, Hulda, Noadja, Jesajas Frau), im Neuen Testament drei (Hanna, die Töchter des Philippus, Isebel).
  • In dieser Geschichte wird die wichtige Rolle von Frauen betont, ohne sie der Rolle von Männern gleichzusetzen.
    • Man kann aus diesem Erzähltext keine klare Anweisung für die Gemeinde ableiten.
    • Er läßt sich in verschiedene Richtungen deuten.
    • Die militärische Leitung wird von Barak ausgeübt.
  • Ihre Aktivität des Richtens, die hier beschrieben wird, ist die Rolle der Prophetin, die sie für das Volk ausübte.
5 Und sie saß unter der Debora-Palme zu Gericht, zwischen Rama und Bethel, auf dem Bergland Ephraim, und die Kinder Israels kamen zu ihr hinauf vor Gericht.
  • Das Volk kam zu ihr, um über die Unterdrückung Siseras zu klagen und Gott um Hilfe zu ersuchen.
6 Und sie sandte hin und ließ Barak rufen, den Sohn Abinoams, von Kedesch-Naphtali, und sprach zu ihm: Hat nicht der HERR, der Gott Israels, geboten: Geh hin und zieh auf den Berg Tabor; und nimm mit dir 10 000 Mann von den Söhnen Naphtalis und von den Söhnen Sebulons!
  • Hier wird die Berufung eines Befreiers klarer ausgeführt, die in anderen Berichten nur angedeutet wurde.
  • Debora, als Sprachrohr des Herrn, läßt nach Barak (Blitz) rufen und beauftragt ihn mit seinem Dienst.
7 Denn ich will Sisera, den Heerführer Jabins, mit seinen Streitwagen und mit seinen Heerhaufen zu dir an den Bach Kison ziehen lassen und ihn in deine Hand geben.
  • Gott wird Sisera an eine verwundbare Stelle neben den Bach Kison führen und ihn dort besiegen.
8 Barak aber sprach zu ihr: Wenn du mit mir gehst, so will ich gehen; gehst du aber nicht mit mir, so gehe ich nicht!
  • Diese Aussage von Barak kann auf zweifache Weise gedeutet werden:
    • Entweder ist sie ein Zeichen seines Unglaubens und der spätere Verlauf der Geschichte ist eine Strafe für seinen Unglauben.
    • Oder Barak erkennt in Debora das Sprachrohr Gottes und es ist ein Zeichen seiner Abhängigkeit vom Herrn, daß er sie dabei haben möchte.
9 Da sprach sie: Ich will freilich mit dir gehen; aber der Ruhm des Feldzuges, den du unternimmst, wird nicht dir zufallen; denn der HERR wird Sisera in die Hand einer Frau verkaufen! Und Debora machte sich auf und zog mit Barak nach Kedesch.
  • Auch wenn Barak Gott gehorsam ist und im Vertrauen auf ihn den Feldzug unternimmt, wird er nicht die Ehre davontragen.
  • Der Ruhm wird Gottes sein, denn genauso wie er Israel unter die Hand Jabins verkaufte, so kann er diesen mächtigen Heerführer nun demütigen und in die Hand einer Frau verkaufen.
10 Da berief Barak Sebulon und Naphtali nach Kedesch und zog mit 10 000 Mann Fußvolk hinauf; auch Debora zog mit ihm hinauf.
  • Barak gehorchte der Stimme des Herrn und versammelt sein Volk.
  • Manche lassen sich nicht zum Kampf berufen und werden dafür vom Herrn getadelt (Richter 5:23).
11 Heber aber, der Keniter, hatte sich von den Kenitern, den Söhnen Hobabs, des Schwiegervaters Moses, getrennt und hatte sein Zelt bei der Terebinthe von Zaanaim neben Kedesch aufgeschlagen.
  • Hier kommt ein scheinbar unzusammenhängender Einschub über einen gewissen Heber.
  • Er ist einer der Keniter, ein nichtisraelischer Stamm, der aber mit Israel verwandt war (Richter 1:16).
  • Sie waren eigentlich mit Israel verbündet, aber Heber hatte sich von seinem Stamm losgesagt und ist ans äußerste, nördliche Ende von Israel umgezogen.
  • Dort hatte er sich mit dem Feind Israels, Jabin, verbündet und wurde vielleicht sogar sein Informant.
  • Gott wirkt in seiner wundersamen Vorsehung in allen Details dieser Geschichte.
12 Und es wurde dem Sisera berichtet, daß Barak, der Sohn Abinoams, auf den Berg Tabor gezogen sei.
  • Möglicherweise war der Berichtende Heber.
13 Da berief Sisera alle seine Streitwagen, 900 eiserne Streitwagen, und das ganze Volk, das mit ihm war, von Haroset-Gojim an den Bach Kison. 14 Debora aber sprach zu Barak: Mache dich auf! Denn dies ist der Tag, an dem der HERR den Sisera in deine Hand gegeben hat! Ist nicht der HERR vor dir ausgezogen? Da stieg Barak vom Berg Tabor hinunter und die 10 000 Mann hinter ihm her.
  • Gott wird als Kriegsmann dargestellt, der für sein Volk in den Kampf zieht.
    • 2 Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang, und er wurde mir zum Heil! Das ist mein starker Gott, ich will ihn preisen; er ist der Gott meines Vaters, ich will ihn erheben. 3 Der HERR ist ein Kriegsmann, HERR ist sein Name. (2. Mose 15:2-3)
  • In dem Kampf, in den er Barak beruft, geht er selbst voran.
15 Und der HERR brachte Sisera samt allen seinen Streitwagen und seinem ganzen Heer durch die Schärfe des Schwertes vor Barak in Verwirrung, so daß Sisera von seinem Streitwagen sprang und zu Fuß floh.
  • Gott ließ es mitten in der Trockenzeit regnen und machte damit die militärische Überlegenheit Siseras durch die Streitwagen zunichte.
    • 20 Die Sterne am Himmel kämpften mit, von ihren Bahnen aus kämpften sie gegen Sisera. 21 Der Bach Kison riß sie fort, der uralte Bach, der Bach Kison. Meine Seele, tritt kräftig auf! (Richter 5:20-21)
  • Sisera kann allein entkommen.
16 Barak aber jagte den Streitwagen und dem Heer nach bis nach Haroset-Gojim; und das ganze Heer Siseras fiel durch die Schärfe des Schwertes, so daß nicht einer übrigblieb.
  • In der Geschichte Ehuds mit Eglon wird zuerst der gegnerische Anführer getötet und dann sein Heer vernichtet.
  • Hier ist es umgedreht. Das Heer von Sisera ist schon vernichtet und er ist allein auf der Flucht.
17 Sisera aber floh zu Fuß zum Zelt Jaels, der Frau Hebers, des Keniters; denn Jabin, der König von Hazor, und das Haus Hebers, des Keniters, hatten Frieden miteinander.
  • Sisera flieht nach Norden in Richtung Hazor, der Stadt von der aus sein König seine Herrschaft ausübt.
  • Er wiegt sich bei Heber in Sicherheit, denn es herrscht ein Friedensvertrag zwischen Heber und Jabin.
  • Er kommt in die Gegenwart eines Menschen, dem er vertraut (Jael), der aber seine Feind ist (wie Eglon bei Ehud).
18 Jael aber trat heraus, dem Sisera entgegen, und sprach zu ihm: Kehre ein, mein Herr, kehre ein zu mir und fürchte dich nicht! Und er kehrte bei ihr ein ins Zelt, und sie deckte ihn mit einer Decke zu.
  • Jael verführt Sisera, in ihr Zelt einzukehren
    •  Wie Ehud den Eglon verführte, indem er vorgab, ein Wort des Herrn für ihn zu haben.
19 Er aber sprach zu ihr: Gib mir doch ein wenig Wasser zu trinken; denn ich bin durstig! Da öffnete sie den Milchschlauch und gab ihm zu trinken und deckte ihn wieder zu. 20 Und er sprach zu ihr: Stelle dich an den Eingang des Zeltes, und wenn jemand kommt und dich fragt und spricht: Ist jemand hier? so sage: Nein!
  • Jael tut alles, damit sich Sisera bei ihr in Sicherheit wiegt und einschläft.
21 Da nahm Jael, die Frau Hebers, einen Zeltpflock und einen Hammer zur Hand und ging leise zu ihm hinein und schlug ihm den Pflock durch die Schläfe, so daß er in die Erde drang. Er aber war vor Müdigkeit fest eingeschlafen; und er starb.
  • Das Aufbauen des Zeltes war Arbeit der Frauen. Deshalb war Jael mit Zeltpflock und Hammer geübt.
  • Auch hier (wie bei Ehud und Eglon) wird der eigentliche Mord wieder in Zeitlupenperspektive berichtet.
  • Sie hatte wahrscheinlich vom Sieg der gegnerischen Truppen gehört und dadurch wie Rahab das Wirken Gottes erkannt.
  • Ihr Verhalten wird in diesem Bericht nicht gutgeheißen, aber es ist dennoch klar, daß es von Gott gebraucht wurde.
  • Gott ist souveräner Herrscher auch über die Sünde.
22 Und siehe, da kam Barak, der den Sisera verfolgte; Jael aber trat heraus, ihm entgegen, und sprach zu ihm: Komm her, ich will dir den Mann zeigen, den du suchst! Und als er zu ihr hineinkam, lag Sisera tot da, und der Pflock steckte in seiner Schläfe. 23 So demütigte Gott zu jener Zeit Jabin, den König von Kanaan, vor den Kindern Israels. 24 Und die Hand der Kinder Israels lastete je länger je schwerer auf Jabin, dem König von Kanaan, bis sie Jabin, den König von Kanaan, völlig vernichtet hatten.
  • Der Feind des Volkes Gottes wird vollständig gedemütigt.
    • Weil er von einer Frau getötet wird.
    • Aber auch durch die Art und Weise des Berichtes.
  • Aber auch der Diener Gottes wird gedemütigt, weil die Errettung durch einen anderen geschieht.
  • Letztlich ist der große Held der Geschichte nicht Debora, Barak oder Jael, sondern der Herr.

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