Werktagsgottesdienst vom 17.12.2015: Stefan Beyer – 2. Mose 20:13 – Du sollst nicht töten!

Stefan Beyer – 2. Mose 20:13 – Du sollst nicht töten!

13 Du sollst nicht töten! (2. Mose 20:13)
  • Gott hat den Menschen in seinem Bild geschaffen.
    • 26 Und Gott sprach: Laßt uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. (1. Mose 1:26)
  • Mord ist deshalb verwerflich, weil er das Bild Gottes im Menschen zerstört.
    • 3 Alles, was sich regt und lebt, soll euch zur Nahrung dienen; wie das grüne Kraut habe ich es euch alles gegeben. 4 Nur dürft ihr das Fleisch nicht essen, während sein Leben, sein Blut, noch in ihm ist! 5 Jedoch euer eigenes Blut will ich fordern, von der Hand aller Tiere will ich es fordern und von der Hand des Menschen, von der Hand seines Bruders will ich das Leben des Menschen fordern. 6 Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden; denn im Bild Gottes hat Er den Menschen gemacht. (1. Mose 9:3-6)
  • Staatliche Stellen dürfen Verbrechen ahnden, einschließlich durch Verhängung der Todesstrafe.
    • 12 Wer einen Menschen schlägt, daß er stirbt, der soll unbedingt sterben. (2. Mose 21:12)
  • Daraus entsteht eine ethische Spannung:
    • Auf persönlicher Ebene dürfen wir uns nicht rächen.
    • Dem Staat ist das Schwert gegeben und er darf Rache üben.
      • 4 Denn sie ist Gottes Dienerin, zu deinem Besten. Tust du aber Böses, so fürchte dich! Denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; Gottes Dienerin ist sie, eine Rächerin zum Zorngericht an dem, der das Böse tut. (Römer 13:4)
  • Martin Luther hat zur Klärung dieses Konflikts die Zwei-Reiche-Lehre entworfen, die wie die Lehre der Dreieinigkeit auf dem biblischen Zeugnis aufbaut.
    • Wir leben zum einen im Reich zur Linken, in der die Welt unter dem Einfluß der Sünde gedacht ist.
      • Die staatlichen Ordnungen sind von Gott eingesetzt und dienen der Eindämmung der Auswirkung der Sünde.
    • Wir leben zum anderen im Reich zur Rechten, in der das kommende Reich Gottes eingebrochen ist.
      • Wir weisen mit unserem Verhalten auf das Kommen des Retters hin.
  • Augustinus sprach in diesem Zusammenhang von der irdischen und der himmlischen Stadt, in der wir leben.
  • Jesus sprach davon, daß wir als Christen zwar noch in der Welt, aber nicht mehr von der Welt sind.
    • 14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt haßt sie; denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie bewahrst vor dem Bösen. (Johannes 17:14-15)
  • Tut man so, als ob wir nicht mehr im Reich zur Linken leben, erhält man eine überrealisierte Eschatologie.
    • Man lebt so, als ob das Reich Gottes schon in seiner ganzen Fülle da wäre und die Sünde gebannt.
  • Tut man so, als ob wir nicht im Reich zur Rechten leben, erhält man eine unterrealisierte Eschatologie.
    • Man lebt so, als ob das Reich Gottes überhaupt noch nicht gekommen sei und wir uns nach den Prinzipien der Welt ausrichten müssen.
  • Deswegen ist es bei ethischen Entscheidungen wichtig, beide Reiche zu beachten und eine gewissen Spannung aushalten zu können.
  • Wenn Gott in den Zehn Geboten auffordert, nicht zu morden, dann weist er damit die Israeliten darauf hin, daß nicht sie, sondern er der oberste Richter in Israel ist.
    • Da sprach der HERR zu Samuel: Höre auf die Stimme des Volkes in allem, was sie dir gesagt haben; denn nicht dich haben sie verworfen, sondern mich haben sie verworfen, daß ich nicht König über sie sein soll! (1. Samuel 8:7)
  • Gott vermittelte sein Königs- und Richteramt durch weltliche Richter.
    • 8 Wenn es dir zu schwer wird, ein Urteil zu fällen in Sachen eines Mordes oder eines Streites oder einer Körperverletzung, bei irgendeiner Streitsache, die innerhalb deiner Tore vorkommt, dann mache dich auf und geh hinauf an den Ort, den der HERR, dein Gott, erwählen wird. 9 Und du sollst zu den Priestern, den Leviten, und zu dem Richter kommen, der zu jener Zeit im Amt sein wird, und fragen; sie sollen dir das Urteil sprechen. 10 Und du sollst nach dem Urteilsspruch handeln, den sie dir von jenem Ort aus verkünden, den der HERR erwählen wird, und sollst darauf achten, daß du tust nach allem, was sie dich lehren werden. 11 Nach dem Gesetz, das sie dich lehren, und nach dem Urteil, das sie dir fällen, sollst du handeln; du sollst von dem Urteilsspruch, den sie dir verkünden, weder zur Rechten noch zur Linken abweichen. 12 Der Mann aber, der so vermessen wäre, daß er dem Priester, der dort steht, um dem HERRN, deinem Gott, zu dienen, oder dem Richter nicht gehorcht, jener Mann soll sterben ! So sollst du das Böse aus Israel ausrotten. (5. Mose 17:8-12)
  • Sich nicht selbst zu rächen, sondern den staatlichen Stellen zu vertrauen hat drei Auswirkungen:
    • Es ist ein wunderbares Bild und eine Auswirkung des Evangeliums.
      • 32 Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest; 33 solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe? 34 Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. 35 So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt. (Matthäus 18:32-35)
    • Es zeigt Respekt für die staatliche Ordnung, die Gott eingesetzt hat.
      • 17 Erweist jedermann Achtung, liebt die Bruderschaft, fürchtet Gott, ehrt den König! (1. Petrus 2:17)
    • Das irdische Gericht ist eine Warnung vor dem ewigen Gericht.
      • 6 Und auch die Städte Sodom und Gomorra einäscherte und so zum Untergang verurteilte, womit er sie künftigen Gottlosen zum warnenden Beispiel setzte. (2. Petrus 2:6)
  • Weil wir aber schon im neuen Reich Gottes leben, müssen wir da, wo der Staat etwas gebietet, was Gott verbietet, unserem neuen Herrn folgen.
    • 5 Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um des Zorngerichts, sondern auch um des Gewissens willen. (Römer 13:5)
    • 19 Aber Petrus und Johannes antworteten ihnen und sprachen: Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott! (Apostelgeschichte 4:19)
  • Exkurs: Das Alte Testament unterscheidet zwischen töten und morden. Im 6. Gebot geht es um das ungesetzliche Morden.
    • 16 Wenn er ihn aber mit einem eisernen Werkzeug schlägt, so daß er stirbt (jamot), dann ist er ein Totschläger (rotza), und ein solcher Totschläger (rotza) soll unbedingt (mot) getötet (jamot) werden . (Num 35:16 SCL)
  • Gott möchte eine stabile Gesellschaft schaffen, die auf ihn hinweist.
    • 6 Ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! (2. Mose 19:6)

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