Predigt vom 11.10.2015: Stefan Beyer – Galater 6:11-18 – Ein letzter Appell

 

11 Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!
  • Nun ergreift Paulus selbst den Stift.
    • Paulus diktierte seine Briefe an einen Sekretär.
  • Er liebt die Männer und Frauen der Gemeinde in Galatien und wendet sich nun persönlich an sie.
  • Er richtet einen letzten Appell und eine letzte Einladung an sie, weiter auf das Evangelium für ihre Errettung zu vertrauen und daraus Tag für Tag zu leben.
12 Alle, die im Fleisch wohlangesehen sein wollen, nötigen euch, daß ihr euch beschneiden laßt, nur damit sie nicht um des Kreuzes des Christus willen verfolgt werden.
  • Wahres Christentum ist eine Sache der inneren Veränderung, nicht das äußerliche Einhalten von Ritualen.
  • Paulus benennt das Motiv der falschen Lehrer: Sie wollen wohlangesehen sein.
  • Die Predigt des Evangeliums ist sehr anstößig für das menschliche Herz.
    • 11 Ich aber, ihr Brüder, wenn ich noch die Beschneidung verkündigte, warum würde ich dann noch verfolgt? Dann hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehört! (Galater 5:11)
  • Menschen finden es beleidigend, wenn ihnen gesagt wird, daß sie zu schwach und zu sündig sind, um etwas zu ihrer Errettung beizusteuern.
  • Das Evangelium ist ein Anstoß für liberal-denkende Menschen, die es als intolerant erachten, daß der einzige Weg zur Errettung durch das Kreuz führt.
  • Das Evangelium ist aber auch ein Anstoß für konservativ-denkende Menschen, denn ohne das Kreuz sind “gute” Menschen genauso verloren wie “schlechte”.
  • Das Evangelium ist anstößig, weil das Kreuz gegen jedes System der Selbsterlösung steht.
  • Die Welt mag Religion und Moral, aber sie nimmt Anstoß am Kreuz.
  • Deshalb werden Menschen, die das Kreuz lieben, von der Welt verfolgt.
  • Wir können nur die Süße des Kreuzes verstehen, wenn wir seinen Anstoß verstanden haben.
  • Wenn jemand das Kreuz versteht, dann ist es entweder das Größte in seinem Leben, oder er findet es abstößig.
    • Wenn es keins von beiden ist, dann hat er es nicht verstanden.
  • Den falschen Retter, den die Judaisierer (die falschen Lehrer bei den Galatern) anbeten, ist Ansehen.
  • Das ist der Grund für ihrer gesetzliche Lehre.
  • Sie wollen nicht um des Kreuzes des Christus willen verfolgt werden.
13 Denn nicht einmal sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz, sondern sie verlangen, daß ihr euch beschneiden laßt, damit sie sich eures Fleisches rühmen können.
  • Und sie wollen sich rühmen.
  • Sie sind Teil einer Religion aus Gründen des Ansehens, Prestiges und der Ehre, die sie dafür in der Welt haben.
  • Ihr Dienst ist eine Form der Selbsterlösung.
  • Weil es ihnen darum geht, von der Welt angesehen zu werden, konzentriert sich ihre Religion hauptsächlich auf äußerliche Riten und Verhalten (Beschneidung und das zeremonielle Gesetz), statt auf eine innerliche Veränderung des Herzens, der Motive und des Charakters.
  • Das Evangelium führt dagegen von innen nach außen: eine innere Veränderung des Herzens führt zu einer neuen Motivation für richtiges Verhalten, aus der schließlich praktischer Gehorsam folgt.
  • Die falschen Lehrer predigen eine Religion von außen nach außen: Sie konzentrieren sich auf richtiges Verhalten und niemals auf das Herz. Dadurch bleiben sie oberflächlich.
  • Paulus kritisiert sie auf Grundlage ihrer eigenen Prinzipien: Nichtmal sie halten das Gesetz.
  • Wir können uns niemals durch unseren Gehorsam gegenüber dem Gesetz selbst retten.
14 Von mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
  • Letztendlich geht es bei deiner Religion nach der Frage: Wessen rühme ich mich?
    • Was ist der Grund, warum ich denke, daß ich in einer richtigen Beziehung zu Gott bin?
  • Wenn das Kreuz nur eine Hilfe ist, aber wir nun unsere Errettung durch gute Werke vollenden müssen, dann machen letztendlich unsere Werke den Unterschied, ob wir in den Himmel kommen oder nicht.
  • Wer so denkt, “rühmt sich seines Fleisches” (Vers 13), d.h. seiner eigenen Anstrengungen.
  • Diese Botschaft klingt sehr anziehend.
    • Man kann sich selber auf die Schulter klopfen, weil man einen Platz im Himmel gesichert hat.
  • Aber wenn man das Evangelium wirklich versteht, wird man sich nur und ausschließlich des Kreuzes rühmen.
  • Unsere ganze Identität und Selbstbild gründen auf dem, was uns ein Gefühl von Würde und Wert gibt – das, wofür wir uns rühmen.
  • Falsche Religion führt dazu, daß wir uns für etwas in uns selbst rühmen.
  • Das Evangelium führt dazu, daß wir uns nur des Kreuzes Jesu rühmen.
  • Das heißt, daß unsere Identität in Jesus sicher und verwahrt ist – wir können uns rühmen – aber in Demut, weil wir ein tiefes Bewußtsein für unsere Sünde und Not haben.
  • Paulus kann deshalb in Vers 14 das Evangelium so zusammenfassen:
    • Ich bin einzig und allein durch das Werk Christi gerettet, nicht durch meine Werke.
    • Er hat einen Platz im Himmel für mich erworben, denn ich von ihm frei erhalte.
    • Ich rühme mich nie, das heißt ich rechne mir meine Beziehung zu Gott nicht als Verdienst an, außer in dem Kreuz.
    • Dessen, was Christus vollbracht, kann ich mich nun rühmen.
  • Sich zu rühmen heißt zu jubeln und ein tiefes Vertrauen auf etwas zu haben.
  • Zu wissen, daß man von Christus gerettet ist, führt zu einem freudigen Rühmen und zu einer tiefen Sicherheit, nicht in sich selbst, sondern in Christus.
  • Und wenn ich mich wirklich allein in Christus rühme, geschieht eine tiefe Veränderung in meinem Leben: Die Welt erstirbt für mich.
    • Ich brauche mich nicht mehr darum zu sorgen, was die Welt von mir denkt.
    • Sie hat keine Gewalt mehr über mich, weil ich meine Errettung allein in Christus suche.
  • Paulus sagt nicht, daß wir der Welt fliehen sollen, denn dann hätte sie ja noch Gewalt über uns, sondern er sagt, daß der Christ jetzt die Freiheit hat, die Welt zu genießen, weil er sie nicht mehr fürchten und nicht mehr vergöttern muß.
15 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Schöpfung.
  • Paulus wiederholt die Aussage aus Kapitel 5, Vers 6.
    • 6 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist. (Galater 5:6)
  • Weder religiöse oder moralische Leistungen noch religiöses oder moralisches Versagen zählen bei der Errettung.
    • Es geht nicht darum, was ich getan habe, sondern nur darum, was Christus getan hat.
  • Durch den gekreuzigten Christus sind wir zu einer neuen Schöpfung gemacht.
    • Das Evangelium verändert meine Zukunft, indem es mir einen Platz in der wunderbare Neuschöpfung von Christus schenkt.
    • Das Evangelium verändert auch meine Gegenwart, indem es mir eine neue Natur, ein neues Selbstbild und eine neue Motivation schenkt.
  • Durch das Evangelium kann der Glaube nun durch die Liebe wirksam sein, indem
    • wir eine neue Natur bekommen
    • und einen neuen Antrieb zum Gehorsam: dankbare Liebe aus der Glaubenssicht dessen, was Christus getan hat.
  • Dieser neue Antrieb verändert uns von innen nach außen.
  • Es geschieht eine neue Geburt, eine übernatürliche Transformation des Charakters, eine neue Schöpfung.
  • Die Verse 14 und 15 fassen zusammen, was es heißt, einzig auf das zu vertrauen, was Christus getan hat.
    • Das Evangelium verändert grundsätzlich das, wofür ich mich rühme. Es ändert die ganze Grundlage meiner Identität.
    • Nichts in der ganzen Welt hat mehr Gewalt über mich. Ich bin frei, die Welt zu genießen, weil ich die Welt nicht brauche.
    • Ich fühle mich weder unterlegen noch überlegen gegenüber anderen, denn ich bin von Gott neugemacht und werde von ihm verwandelt.
16 Über alle, die nach dieser Regel wandeln, komme Frieden und Erbarmen, und über das Israel Gottes!
  • Paulus beschreibt ein Leben nach dem Evangelium als eine Regel.
    • Es ist ein Lebensstil.
    • Ein Fundament für alles andere.
  • Zu jedem, der das Evangelium Christi zu seiner Regel macht, kommt Frieden und Erbarmen.
  • Und er wird Teil des Israel Gottes sein.
    • Christen sind alle Kinder Abrahams und Erben der Verheißungen Gottes.
17 Hinfort mache mir niemand weitere Mühe; denn ich trage die Malzeichen des Herrn Jesus an meinem Leib.
  • Paul verweist auf die Wundmale, die er durch Folter, Gefängnis und Schläge um Christi willen erhalten hatte.
  • Die Lehrer des falschen, aber populären Evangeliums der Selbsterlösung hatten diese Wundmale nicht, weil die Welt ihre Botschaft gern hörte.
  • Paulus ist im Gegensatz zu ihnen ein wahrer Diener Gottes, ein wahrer Apostel, wie er in Kapitel 1 und 2 argumentiert hatte.
  • Er sagt: Zweifelt nicht an mir. Ich habe die wahren Zeichen apostolischer Autorität – nicht Größe und Reichtum, sondern Zeichen von Leid und Schwäche.
18 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder! Amen.
  • Paulus schließt den Brief ab und macht noch einmal deutlich, daß die Gnade unseres Herrn Jesus
    • der Einstieg,
    • der Weg
    • und alles was wir im Christen Leben brauchen ist.
  • Wir beginnen mit Gnade, indem wir gerechtfertigt werden durch Glauben an das, was Christus getan hat.
  • Wir gehen weiter mit Gnade, nicht durch irgendetwas, was wir tun.
  • Dieses Evangelium der Gnade ist das, was die Galater kennen und lieben müssen.
  • Paulus richtet sich an ihren Geist.
    • Das Evangelium ist nicht eine Sammlung abstrakter Wahrheiten, sondern ein Lebensweg
      • eines tief erfüllenden und sicheren Lebens jetzt
      • und ewigen Lebens danach.
Anwendungsfragen
  • Wie begeistert dich Vers 14? Wie fordert er dich heraus?
  • In welchen Bereichen deines Lebens erfährst du den Frieden, der daraus kommt, aus dem Evangelium zu leben?
  • Wo gehst du diesen Frieden verlustig, indem du für das Ansehen der Welt lebst?
  • Wenn du die Botschaft des ganzen Galaterbriefs in ein paar Worten zusammenfassen solltest, was würdest du sagen?

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