Predigt vom 04.10.2015: Stefan Beyer – Galater 6:6-10 – Säen und Ernten

  • Paulus schließt seinen Brief mit einer letzten Ermahnung (Verse 6-10) und einer letzten Einladung (Verse 11-18), aus dem Evangelium zu leben.
6 Wer im Wort unterrichtet wird, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern!
  • Paulus hatte in den Verse 4 und 5 betont, daß wir eine individuelle Bürde mit unseren Gaben und Möglichkeiten haben.
  • Aber er möchte damit keinen Individualismus fördern.
    • Wir können uns alle selbst betrügen und brauchen daher weise Lehrer.
  • Jeder Christ muß im Wort unterrichtet werden.
  • Aus diesem Wort für unterrichtet werden (katechoumenos) leitet sich das Wort Katechese ab.
    • Neue Christen erhielten eine Sammlung der christlichen Lehre (Katechismus), der ihnen von einem Lehrer (Katechet) beigebracht wurde.
  • Paulus erwartet, daß alle jungen Christen dieses Jüngerschaftstraining erfahren.
  • Umkehrt sollen diese Christen ihren Lehrern Anteil an allen Gütern geben.
    • Das Wort für Anteil geben (koinoneo) drückt zunächst erstmal eine enge Gemeinschaft zwischen Schüler und Lehrer aus.
    • Aber “alle Güter” schließt mit Sicherheit finanzielle Unterstützung ein.
    • Es ist ein Segen für den Schüler und für den Lehrer, wenn der Lehrer so finanziert wird, daß er seine Stelle vollzeitig ausüben kann.
  • In diesem Zusammenhang erhält das Wort koinoneo (Anteil geben) eine reiche Bedeutung.
    • Das Gehalt eines christlichen Lehrers ist nicht so sehr eine Bezahlung, sondern Ausdruck einer Gemeinschaft.
    • So wie die Lehrer ihre geistlichen Gaben mit den Schülern teilen, so sollen die Schüler ihre finanziellen Gaben, die Gott ihnen gegeben hat, mit den Lehrern teilen.
  • Deshalb sollten wir die festen Mitarbeiter in unserer Gemeinde großzügig unterstützen.
    • Wir sollten nicht Konsumenten sein, die nur zur Gemeinde kommen, um ihre Vorteile mitzunehmen.
    • Stattdessen sollten wir in erheblichen Maß die Arbeit der Gemeinde finanziell unterstützen.
  • Aber dieses Geben muß aus der richtigen Einstellung heraus geschehen.
    • Christliche Lehre ist nicht eine Dienstleistung, für die man bezahlt, sondern eine reiche Gemeinschaft und ein gegenseitiges Teilen der Gaben Gottes.
7 Irrt euch nicht: Gott läßt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.
  • Paulus knüpft an diese Ermahnung zur finanziellen Unterstützung der Menschen, die uns die Wahrheit des Evangeliums lehren, mit der Warnung an: Irrt euch nicht.
  • “Irrt euch nicht.” heißt im Original eigentlich “Laßt euch nicht verführen.”
  • Das ist das Thema des ganzen Galaterbriefes.
  • Wahrscheinlich war Paulus damals der Katechet für viele dieser jungen Christen gewesen.
  • Nun sind sie in der Gefahr, von falschen Lehrern verführt zu werden.
  • Paulus hatte argumentiert, daß diese falschen Lehrer nicht echte Gemeinschaft mit den Galatern wollen (Galater 4:17), sondern sie mißbrauchen, um für sich selbst Ehre und Ansehen zu erhalten.
  • Nachdem Paulus das richtige Lehrer-Schüler Verhältnis in Vers 6 dargelegt hat, schließt er nun mit einer letzten Warnung an, der Anziehungskraft dieser falschen Lehrer zu widerstehen.
  • Paulus benutzt eines der vertrautesten Prozesse der Menschheitsgeschichte: den landwirtschaftlichen Prozeß des Säens und Erntens.
  • In der Landwirtschaft und im Garten ist das ein absolutes Prinzip.
  • Paulus möchte, daß die Galater es von zwei Seiten sehen.
  • Erstens, man erntet nur, was man sät.
    • Wenn man Tomaten anpflanzt, wird man keinen Weizen ernten, egal wie sehr man sich Weizen wünscht.
  • Zweitens, was auch immer man sät, das wird man auch irgendwann ernten.
    • Auch wenn der Same für lange Zeit in der Erde liegt, irgendwann wird er hervortreten.
    • Nicht das Einsammeln bestimmt, was man erntet, sondern die Saat.
  • Dieses Ertragsgesetz gilt genauso unaufhaltsam im moralischen und geistlichen Bereich.
  • Gott läßt sich nicht spotten! Er läßt sich nicht leichtfertig behandeln.
8 Denn wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten.
  • Gott ist nicht ein kosmisches Polizist, der ständig unsere Fehler zurechtweist.
  • Das Gesetz des Säens und Erntens zeigt, daß der Prozeß moralischer Konsequenzen für unser Handeln viel natürlicher und organischer verläuft.
  • Das moralische Universum hat Prozesse.
  • Jede Sünde gegen Gott beeinflußt und zerrt am moralischen/geistlichen Gefüge des Universums, so wie fettes Essen das Gefüge unseres Körpers beeinflußt.
  • Wenn du schlecht säst, wirst du auch schlecht ernten.
  • Wenn du fette Nahrung zu dir nimmst, schadest du deinem Herzen und stirbst früher.
  • Wenn du deiner sündigen Natur nachgibst, dann erntest du geistlichen Zusammenbruch und Verderben.
  • Das Wort Verderben bedeutet, daß das Gefüge auseinanderreißt. Sünde zerstört Dinge.
  • Die Zerstörung, die wir ernten, kommt als Resultat der Anspannung im Gewebe des Universums.
  • Das ganze Buch der Sprüche wird in der Versen 7 und 8 zusammengefasst.
    • Wenn man Unehrlichkeit sät, zerstört man das Gefüge von Beziehungen und schafft das Verderben der Einsamkeit.
    • Wenn man Neid und Eifersucht sät, zerstört man das Gefüge der Zufriedenheit und schafft das Verderben der Bitterkeit.
  • Du wirst genau das ernten, was du säst.
    • Sünde führt immer zu Verderben, niemals zu Freude und Leben
  • Alles was du säst, wirst du auch irgendwann ernten.
    • Deine Sünde wird dich immer einholen und die Konsequenzen können nicht abgehalten werden.
  • Wenn wir auf das Fleisch säen (auf die sündhafte Natur in uns), dann leben wir in einem bestimmten Bereich unseres Lebens nicht aus dem Evangelium.
    • Wir leben aus unseren Werken und gemäß unserer Götzen und nicht aus Gottes Gnade und zu seiner Ehre.
  • Paulus hat hier zwei Anwendungen im Sinn:
    • Wenn ein wahrer Christ auf das Fleisch sät, wird er zwar seine Errettung nicht verlieren, aber er wird Zusammenhalt, Freude und Stärke im Leben verlieren.
    • Wenn jemand das Evangelium ganz ablehnt und nach dem Fleisch lebt, indem er etwas anderes sucht und dient außer Christus, dann wird er ewiges Verderben ernten und kein ewiges Leben.
  • Diese Warnung ist schonungslos, aber sie hat auch ein wunderbares Versprechen: Wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten.
  • Wenn wir im Geist wandeln, werden wir die Anerkennung, Gewißheit, Erfüllung und Freude des christlichen Lebens erfahren, und wissen, daß es nach dem Tode noch viel besser werden wird.
  • Die große Aufgabe für uns ist also: gut zu säen.
    • Wir säen gut, indem wir Gott aus Freude und Dankbarkeit gehorchen, aus Wertschätzung unseres Statuses als seine Kinder.
    • Dadurch werden die Götzen in unserem Leben entmachtet und wir sind frei, für Gott zu leben.
9 Laßt uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten.
  • Wir sollen jeden Tag auf den Geist säen und dabei nicht müde werden.
  • Es gibt immer eine Wartezeit zwischen dem Säen und dem Ernten.
  • Paulus hatte die Sünder gewarnt, daß es manchmal für eine lange Zeit so aussehen kann, als ob einen die Sünde nicht einholt, aber irgendwann kommt sie.
  • Jetzt will er die ermutigen, die für Christus leben.
    • Menschen, die Gutes tun, werden irgendwann die Früchte davon erleben.
  • Er möchte, daß diese jungen Christen in ihrem Dienst ausharren und nicht vor der Ernte aufgeben.
  • Der Gärtner muß seine Saat beständig gießen bis die Ernte kommt.
10 So laßt uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens.#
  • Was ist nun dieses gute Säen?
    • Es ist das praktische “Gutestun” gegenüber allen, aber besonders gegenüber den Hausgenossen des Glaubens.
  • Das ist eine allumfassende, aber erstaunlich einfache, Aussage.
  • Im christlichen Leben geht es nicht um Veranstaltungen, Programme oder Bekehrungen, sondern darum dem Menschen Gutes zu tun, der gerade vor mir ist, indem ich ihm oder ihr das gebe, was für sie am besten ist.
  • Das heißt, wir tun aus Liebe jedem Menschen Gutes.
    • Dazu zählt, das Evangelium zu verkündigen.
    • Dazu zählt, Jüngerschaft zu machen.
    • Dazu zu zählt aber auch praktische Hilfsbereitschaft in den Sorgen des Alltags.
  • Deshalb schließt christlicher Dienst nicht nur Evangelisation ein, sondern auch Suchtberatung und Flüchtlingshilfe.
  • Wir sollen allen Menschen Gutes tun, aber mit der Einschränkung: wo wir Gelegenheit haben.
    • Wir sollen um uns schauen und sehen, wessen Nächster wir sind und wo Gott uns berufen hat.
  • Aber besonders dient diese Liebe den Hausgenossen des Glaubens.
  • Dieser Ausdruck macht deutlich, daß alle Christen eine Familie sind.
  • Wir sind alle Brüder und Schwestern in Gottes Haushalt (4:5).
  • Deshalb haben wir eine besondere Verpflichtung, den Geschwistern in der Gemeinde Gutes zu tun.
  • Ein Leben des Gutestun ist ein Leben, das eine reiche Ernte bringt: ein echtes, erfüllendes, nachhaltiges Leben.
  • Wir sollen in einem solchen Leben des Gutestuns nicht müde werden.
  • Es kann kurzfristig viele Opfer von uns fordern:
    • Wir binden unser Herz an Menschen und können tief verletzt werden.
    • Wir begrenzen unsere Optionen im Leben, weil der Dienst an Menschen Vorrang hat.
    • Wir haben weniger Geld, weil wir großzügig einzelne Menschen und christliche Dienste unterstützen.
  • Die Kosten sind groß, aber der Wert der Ernte übersteigt bei weitem den Wert des Saatgutes.
    • Zunächst erleben wir die direkte und tiefe Freude zu sehen, wie sich das Leben von Menschen verändert.
    • Darüber hinaus können wir manchmal Veränderungen in ganzen Familien, Nachbarschaften und Städten miterleben.
    • Wir erleben wie Menschen, deren Lasten wir getragen haben, anfangen, die Lasten von anderen Menschen zu tragen.
    • Unser eigener christlicher Charakter beginnt sich zu wandeln. Die Frucht des Geistes wächst in uns.
    • Es wartet eine ewige Belohnung auf uns.
Anwendungsfragen
  • Kannst du dich an Zeiten in deinem Leben erinnern, bei denen du auf deine sündige Natur gesät hast, um ihr zu gefallen, und dadurch Verderben geerntet hast?
  • Wie säst du auf den Geist in deinen einzigartigen Lebensumständen?
  • Wie kannst du dein Leben einsetzten, um allen Menschen Gutes zu tun? Gibt es bestimmte Veränderungen, zu denen der Geist Gottes dich führt?

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