Predigt vom 06.09.2015: Stefan Beyer – Galater 5:16-21 – Die Werke des Fleisches

  • Wir wachsen im Glauben, indem wir kämpfen.
    • Christliches Wachstum ist kein Automatismus.
      • 12 Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, zu dem du auch berufen bist und worüber du das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen abgelegt hast. (1. Timotheus 6:12)
16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen.
  • Es gibt zwei Naturen, die im Herzen eines Christen am Werk sind: der Geist und das Fleisch.
  • Zu jeden Zeitpunkt unseres Leben wandeln wir gemäß einer dieser Naturen und erfüllen ihr Begehren.
  • Das Wort Fleisch kommt vom griechischen Wort sarx und bezeichnet nicht unseren Körper, sondern unsere sündige Natur.
    • Im Mittelalter wurde sarx oft fälschlich bloß auf den Körper bezogen, was zu einer Überbetonung sexueller Sünden und einer Vernachlässigung geistlicher Sünden führte.
  • Die sarx ist unser sündiges Herz, welches die Sünde der Anbetung und Freude in Gott vorzieht.
  • Es ist der Teil unseres Herzens, der noch nicht durch den Geist erneuert wurde.
17 Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so daß ihr nicht das tut, was ihr wollt.
  • Gegen das Fleisch gerichtet ist der Geist ist uns.
  • Mit dem Geist ist nicht der Heilige Geist gemeint, sondern das erneuerte christliche Herz in uns.
    • Auch diese Unterscheidung ist wichtig, denn sonst werden wir die aktive Aufforderung des Paulus nicht verstehen, im Geist zu wandeln und stattdessen uns nur passiv unter die Kontrolle des Heiligen Geistes stellen.
  • Bevor wir Christen wurden, regierte unser Herz die sarx.
  • Aber dann kam der Heilige Geist auf übernatürliche Weise und gab uns ein neues Herz.
    • 26 Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; 27 ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, daß ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut. (Hesekiel 36:26-27)
  • Dadurch wurden wir Christen, indem wir als ersten Schritt Jesus als unseren Retter, Herrn und Schatz annahmen.
  • Aber im gleichen Moment begann auch der Konflikt in uns zwischen dem alten Menschen und dem neuen Menschen.
    • 22 daß ihr, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen abgelegt habt, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte, 23 dagegen erneuert werdet im Geist eurer Gesinnung 24 und den neuen Menschen angezogen habt, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit. (Epheser 4:22-24)
  • Der Konflikt entsteht dadurch, daß die sündige Natur uns von Gott wegzieht und zu anderen Götter hinzieht.
    • Auch hier könnte durch das Wort Lust/Begierde (epithymia) der Eindruck entstehen, es handle sich primär um körperliche Lüste.
    • Stattdessen ist epithymia im Neuen Testament ein allumfassender Ausdruck für das Abwenden von Gott und das Hinwenden zu einem Götzen.
      • 5 Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist. (Kolosser 3:5)
  • Während das Fleisch darauf aus ist, andere Dinge als Jesus an die zentrale Stelle unseres Herzens zu setzen, verherrlicht der Geist Jesus und bringt ihn ins Zentrum.
    • 14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. (Johannes 16:14)
  • Der Geist sehnt sich nach der Schönheit und der Großartigkeit von Christus.
  • Er möchte uns zu Christus führen und uns in sein Bild verwandeln.
  • Der Geist und das Fleisch sind nicht gleichstark im Herzen eines Christen, sondern im Kern möchte ein Christ dem Geist folgen.
    • 22 Denn ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. (Römer 7:22-23)
  • Das heißt, obwohl der Christ eigentlich nach dem Geist leben möchte, kreiert die sündige Natur (das Fleisch) beständig alternative und widerstreitende Begierden, denen der Christ nachgeben kann.
    • Aber sie widerstreben seiner tiefsten Vorlieben und Zielen.
    • Deshalb wird ein wahrer Christ immer wieder zur Buße geführt.
18 Wenn ihr aber vom Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.
  • Wir sollen im Geist wandeln und vom Geist geleitet werden statt die Lust des Fleisch zu vollbringen und unter dem Gesetz zu leben.
  • Das Antrieb der sarx ist immer, unter dem Gesetz zu wandeln.
    • Das heißt in diesem Kontext nicht der Gerechtigkeit Gottes untertan sein und nicht im Vertrauen auf Gott leben wollen,
    • sondern unabhängig und selbstbestimmt leben wollen und kein Vertrauen auf Gottes Güte haben.
      • 6 Und die Frau sah, daß von dem Baum gut zu essen wäre, und daß er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß, und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war, und er aß. (1. Mose 3:6)
  • Im Geist zu wandeln und vom Geist geleitet zu werden heißt weniger ein passives sich Ausliefern unter dem Heiligen Geist, sondern ein aktives Unterordnen unter Gottes Gebote, ein Vertrauen auf Gottes Güte und ein Freude finden in Gott.
  • Es bedeutet das Abwenden von der falschen Freude in unseres Götzen und das Hinwenden zur echten Freude in Gott.
19 Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit;
  • Die Werke des Fleisches sind nicht nur äußerliche Handlungen, sondern auch innere Herzenshaltungen.
  • Vers 19 spricht die sexuellen Sünden zuerst an, die zwar nicht die einzigen Sünden des Fleisches sind, in denen sich aber die Abwendung von der Freude in Gott oft am deutlichsten zeigt.
  • Sexualität gehört zum Kern unseres Menschseins, deshalb wird dort am ehesten unser sündiges Herz deutlich.
    • 27 Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. 28 Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde! (1. Mose 1:27-28)
  • Paulus unterscheidet hier vier Arten von sexueller Sünde:
    • Ehebruch (moicheia): Geschlechtsverkehr zwischen Menschen die verheiratet sind, aber nicht miteinander, oder wo nur ein Partner verheiratet ist
    • Unzucht (porneia): Geschlechtsverkehr zwischen unverheirateten Menschen
    • Unreinheit (akatharsia): unnatürlicher Geschlechtsverkehr (z.B. Homosexualität)
    • Zügellosigkeit (aselgia): unkontrollierte Sexualität
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; 21 Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, daß die, welche solche Dinge tun, das Reich Gottes nicht erben werden. 
  • zwei Worte beschreiben die Werke des Fleisches in der Religion
    • Götzendienst (eidololatria): das Anbeten eines anderen Gottes als den Herrn
    • Zauberei (pharmakeia): das fälschliche Nachahmen des Werkes des Heiligen Geistes
  • vier Worte beschreiben Herzenseinstellungen
    • Selbstsucht (eritheia): Selbstzentriertheit, Wettbewerbsdenken
    • Neid (phtonoi): Begehren nach Dingen, die andere haben
    • Eifersucht (zelos): der Eifer und die Energie, die aus einem hungrigen Ego entspringen
    • Feindschaft (echtrai): eine feindselige Einstellung gegenüber anderen
    • Es gibt eine Entwicklung von der Selbstsucht zum Neid zur Eifersucht und schließlich zur Feindschaft.
  • vier Worte beschreiben das Ergebnis dieser zerstörerischen Herzenseinstellungen auf Beziehungen
    • Streit (eris): streitlustig und rechthaberisch sein
    • Zorn (thymoi): Ausbrüche von feindseligen Gefühlen
    • Zwietracht (dichostasiai): Trennung zwischen Menschen aufgrund von Wut und Zorn
    • Parteiungen (heresais): feste Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen
    • Auch hier gibt es eine Entwicklung vom Streit zum Zorn zur Zwietracht und schließlich zu Parteiungen.
  • zwei Worte beschreiben den Mißbrauch von Stoffen
    • Trunkenheit (methai): Alkoholmißbrauch
    • Gelage (komoi): Feiern, die mit exzessivem Gebrauch von Stoffen (z.B. Alkohol) verbunden sind, die Vergnügen einflößen sollen und oft unmoralisches Verhalten nach sich ziehen
  • Paulus warnt diejenigen, die solche Dinge tun, äußerst scharf, daß sie das Reich Gottes nicht erben werden.
  • Ihm geht es hier um die
    • gewohnheitsmäßige Handlung,
    • für die keine Buße getan wird.
  • Jemand der fortwährend die sündige Natur auslebt, ohne gegen sie anzukämpfen, zeigt dadurch, daß er noch nicht vom Sohn Gottes erlöst und vom Heiligen Geist erneuert wurde.
  • Paulus möchte hier nicht christliche Heilsgewißheit untergraben, sondern falsche Selbstsicherheit zerstören.
  • Aus dieser Liste wird deutlich, daß Gott die typischen Sünden von religiösen Menschen (Selbstsucht, Neid, Eifersucht, Parteiungen) als genauso schlimm ansieht wie die typischen Sünden von nichtreligiösen Menschen (Unzucht, Trunkenheit).
Anwendungsfragen
  • Welche Werke der sündigen Natur siehst du am Werk in deinem Leben?
  • Wie deuten sie auf einen Götzendienst in deinem Herzen hin?
  • Wie kann das Evangelium der Gnade dir helfen, diese falschen Begierden zu untergraben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: