Predigt vom 09.08.2015: Stefan Beyer – Galater 4:26-31 – Das Evangelium der Freiheit

  • Paulus liest das Alte Testament auf Christus hin.
  • In dieser Allegorie kommt es nicht auf die Details an, sondern auf die großen Vergleiche.
  • Hagars Sohn steht für Erlösung durch Werke, Sarahs Sohn steht für das Vertrauen auf Erlösung durch Gottes Gnade.
  • Im Evangelium erhalten wir Gerechtigkeit nicht durch eigene Fähigkeiten und Anstrengungen, sondern wir bekommen eine Gerechtigkeit durch Gottes Eingreifen in der Geschichte: die wundersame Geburt, Sühnetod und Auferstehung Christi.
  • Wir müssen wie Abraham auf dieses Eingreifen Gottes vertrauen.
  • Abraham mußte lernen, nicht auf sich selbst zu vertrauen, und die Galater müssen dies auch.
26 Das obere Jerusalem aber ist frei, und dieses ist die Mutter von uns allen.
  • Der wahre Christ lebt aus einer Gerechtigkeit von oben und sucht die Stadt, die oben ist.
  • Die Galater müssen sich von den falschen Lehrern abwenden, die auf das Irdische schauen, und ihre Augen auf das himmlische Erbe richten.
    • 18 Denn viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe und jetzt auch weinend sage, als Feinde des Kreuzes des Christus; 19 ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, sie rühmen sich ihrer Schande, sie sind irdisch gesinnt. 20 Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter. (Philipper 3:18-20)
27 Denn es steht geschrieben: “Freue dich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht in Wehen liegst, denn die Vereinsamte hat mehr Kinder als die, welche den Mann hat”.
  • Das Evangelium der Gnade für die Unfruchtbare ist ein Thema im gesamten Alten Testament.
  • Paulus zitiert hier aus Jesaja 54:1, wo die Früchte des Wirkens des Gottesknechtes beschrieben werden.
    • 11 Nachdem seine Seele Mühsal erlitten hat, wird er seine Lust sehen und die Fülle haben; durch seine Erkenntnis wird mein Knecht, der Gerechte, viele gerecht machen, und ihre Sünden wird er tragen. 12 Darum will ich ihm die Vielen zum Anteil geben, und er wird Starke zum Raub erhalten, dafür, daß er seine Seele dem Tod preisgegeben hat und sich unter die Übeltäter zählen ließ und die Sünde vieler getragen und für die Übeltäter gebetet hat. (Jesaja 53:11,12)
  • Dieses Wort aus Jesaja war zunächst an die Juden im babylonischen Exil gerichtet.
  • Gott richtet ein Wort der Hoffnung an sie, daß er Erlösung schaffen, sie aus dem Exil befreien und wieder zahlreich machen wird.
  • Diese Weissagung greift auf 1. Mose 16 zurück, wo Gott Erlösung nicht durch eine junge, fruchtbare Frau schafft, sondern durch eine alte und unfruchtbare.
  • Gott wirkt durch die Schwachen, damit seine Gnade mächtig erscheint.
  • Und später griff Gott wieder auf übernatürliche Weise ein und schenkte Maria einen Sohn, durch den er den Segen Abrahams zur ganzen Welt bringen würde.
  • Gottes Gnade wirkt inmitten von menschlicher Schwäche und Unfähigkeit.
  • Paulus erweitert nun die Anwendung dieser Geschichte durch Jesaja, indem er den Galatern vorhält, daß sie dieses Evangelium der Gnade für die Unfruchtbaren umdrehen und ablehnen.
    • Wenn Errettung durch Werke geschähe, könnten nur fruchtbare Menschen Kindern bekommen.
    • Nur die moralisch Fähigen und Starken können sich der Liebe Gottes erfreuen.
    • Aber wenn das Evangelium wahr ist, dann kann jeder Mensch, unabhängig seiner Herkunft und seiner Vergangenheit geistliche Frucht bringen.
    • Gnade ist nicht nur für fruchtbare Hagars, sondern für unfruchtbare Sarahs.
    • Paulus sagt sogar, daß Gottes Gnade besonders den Unfruchtbaren gilt.
    • Die Fruchtbaren denken, daß sie ohne Gottes Eingreifen Frucht bringen können und so verwerfen sie das Evangelium der Gnade.
    • Wie im Gleichnis der zwei verlorenen Söhne in Lukas 15 können die starken, moralischen Menschen letztlich Sklaven ihre eigene Selbstgerechtigkeit sein.
28 Wir aber, Brüder, sind nach der Weise des Isaak Kinder der Verheißung.
  • Im Alten Orient, wie auch heute noch oft, war der Wert einer Frau verbunden mit ihrer Fähigkeit, Kinder zu gebären.
  • Aber das Evangelium zeigt uns, daß unser Wert nicht in uns liegt, sondern in Christus und in dem, was er getan hat.
  • Philosophie, falsche Religionen, aber auch populäre Versionen des Christentums laden uns dazu ein, auf unser Werk zu schauen.
  • Aber im Evangelium schauen wir auf Christus und sein großartiges Werk der Erlösung.
  • Es kommt nicht auf unser tolles Leben an, sondern ob wir umkehren und dem Evangelium glauben.
    • 28 Was meint ihr aber? Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und er ging zu dem ersten und sprach: Sohn, mache dich auf und arbeite heute in meinem Weinberg! 29 Der aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Danach aber reute es ihn, und er ging. 30 Und er ging zu dem zweiten und sagte dasselbe. Da antwortete dieser und sprach: Ich gehe, Herr! und ging nicht. 31 Wer von diesen beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Da spricht Jesus zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Reich Gottes als ihr! 32 Denn Johannes ist zu euch gekommen mit dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Die Zöllner und die Huren aber glaubten ihm; und obwohl ihr es gesehen habt, reute es euch nicht nachträglich, so daß ihr ihm geglaubt hättet. (Matthäus 21:28-32)
  • Wir brauchen alle das Evangelium der Gnade.
    • Religiöse Menschen machen stattdessen ihre eigene Leistungen zu ihrem Erlöser.
    • Jesus ist da nur ein Vorbild oder eine Hilfe, aber nicht der Retter.
  • Aber auch nichtreligiöse Menschen beten etwas an, wovon sie ihren Wert beziehen.
    • Aber diese Dinge beherrschen uns, enttäuschen uns und zerstören uns letztlich.
  • Ohne das Evangelium unterscheidet sich der religiöse Mensch nicht sehr vom Nichtreligiösen.
    • Beide wollen ihre Unabhängigkeit und Kontrolle behalten.
    • Beide gestehen ihre Sünde nicht ein und ihr vollkommenes Bedürfnis nach Gottes Gnade.
    • Sie streben danach, ihren eigen Wert zu verdienen.
    • Sie sind Ismaels und durch ihr Selbstvertrauen in Knechtschaft.
  • Nur die Isaaks, die Kinder der Verheißung, leben in Freiheit.
29 Doch gleichwie damals der gemäß dem Fleisch Geborene den gemäß dem Geist Geborenen verfolgte, so auch jetzt.
  • Menschen, die durch ihre eigenen Werke gerechtfertigt werden wollen, werden immer die Kinder der Freien verfolgen.
    • 8 Und das Kind wuchs heran und wurde entwöhnt. Und Abraham machte ein großes Mahl an dem Tag, als Isaak entwöhnt wurde. 9 Und Sarah sah, daß der Sohn der Hagar, der ägyptischen Magd, den sie dem Abraham geboren hatte, Mutwillen trieb. (1. Mose 21:8-9)
  • Religiöse Menschen sind unsicher in ihrer Beziehung zu Gott.
    • Diese Unsicherheit macht sie feindselig gegenüber dem Evangelium, welches ihre besten Werke in Frage stellt.
  • Wenn wir merken, daß wir feindlich gegenüber Christen werden, die anders sind als wir, dann ist das ein Hinweis, daß wir wieder aus einer Rechtfertigung durch Werke leben.
  • Ismael lachte über Isaak.
    • So wurde der Herr Jesus am meisten von religiösen Führern abgelehnt und von seinem eigen Volk verurteilt.
  • Die schlimmste Verfolgung für die Gemeinde heute kommt nicht von der Welt, sondern von Halbbrüdern, religiösen Menschen, nominellen Christen.
    • Die größten Feinde des evangelikalen Glaubens ist die Kirche, die etablierte Hierarchie.
    • Aber auch innerhalb der Bewegung gibt es Werksprediger, die nicht die Wahrheit des Evangeliums predigen, sondern einen Gefühls- und Erfahrungsglauben.
30 Was aber sagt die Schrift? “Treibe die Magd hinaus und ihren Sohn! Denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien”.
  • Sarah spricht zu Abraham, aber Paulus faßt es als Reden Gottes in der Schrift auf.
    • 10 Da sprach sie zu Abraham: Treibe diese Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak! 11 Dieses Wort mißfiel Abraham sehr um seines Sohnes willen. 12 Aber Gott sprach zu Abraham: Es soll dir nicht leid tun wegen des Knaben und wegen deiner Magd! Höre in allem, was Sarah dir sagt, auf ihre Stimme! Denn in Isaak soll dir ein Same berufen werden. (1. Mose 21:10-12)
  • Ein Glaube aus dem Evangelium und ein falscher Glaube aus eigenen Werken wird sich trennen.
  • Das ist ein Bild der ewigen Trennung, die im letzten Gericht vollzogen wird.
    • 31 Wenn aber der Sohn des Menschen in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, 32 und vor ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken. (Matthäus 25:31-33)
31 So sind wir also, Brüder, nicht Kinder der leibeigenen Magd, sondern der Freien.
  • Laßt uns aus einem freien Glauben, gegründet auf den reichen Verheißungen des Evangeliums leben.
Anwendungsfragen
  • Kannst du dich mit der Unfruchtbarkeit Sarahs identifizieren? Wie tröstet und ermutigt dich ihre Erfahrung?
  • Behandelst du deine Kinder, entweder die die du hast, oder die die du nicht hast, als deinen Retter?
  • Wie wird aus diesem Abschnitt deutlich, daß die christliche Botschaft ausschließend ist?

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