Werktagsgottesdienst vom 23.07.2015: Stefan Beyer – Historisches zur Theologischen Grundlage

Das apostolische Glaubensbekenntnis
  • Hat sich zwischen den Jahren 100-700 entwickelt als Zeugnis eines Erwachsenen bei seiner Taufe.
  • Es ist in drei Teile aufteilt: Gott, der Vater – Schöpfung, Gott, der Sohn – Erlösung, und Gott, der Heilige Geist – Heiligung.
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische (christliche/allgemeine) Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Das Glaubensbekenntnis von  Nicäa

  • Es wurde im Jahr 325 im Rahmen des ersten ökumenischen Konzils verfasst.
  • Vertreter der ganzen Christenheit versammelten sich, um die Lehren von Arius zu verurteilen.
  • Er lehrte, daß der Sohn Gottes nicht ewig sei, sondern von Gott dem Vater geschaffen wurde.
  • Beim späteren Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 reagierte die Kirche auf eine Gruppe, welche die Gottheit des Heiligen Geistes leugnete, und paßte des Bekenntnis an.
Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater (und dem Sohn) hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Das athanasische Glaubensbekenntnis

  • Es ist nach Athanasius benannt, einen Diakon der Gemeinde in Alexandrien.
  • Er war einer der wichtigsten Gegner von Arius beim Konzil von Nizäa.
  • Das athanasische Glaubensbekenntnis wurde aus seinen Schriften gegen Arius im Zeitraum 500 bis 800 zusammengestellt.
Jeder, der da selig werden will, der muss vor allem den katholischen Glauben festhalten. Jeder, der diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel auf ewig verloren gehen. Dies aber ist der katholische Glaube: Wir verehren den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit, so dass in allem, wie bereits oben gesagt worden ist, die Einheit in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit zu verehren ist. Wer also selig werden will, soll diese Auffassung von der Dreifaltigkeit haben. Aber zum ewigen Heil ist es [ferner] nötig, auch an die Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus aufrichtig zu glauben. Dies ist der katholische Glaube. Jeder, der ihn nicht aufrichtig und fest glaubt, kann nicht selig werden.

Die Glaubensbekenntnis von Chalcedon

  • Dieses Glaubensbekenntnis wurde beim vierten ökumenischen Konzil im Jahre 451 in Chalcedon verfasst.
  • Man reagierte auf falsche Lehren in Bezug auf das Wesen von Jesus.
  • Nestorius lehrte, daß die göttliche und menschliche Natur von Jesus so getrennt waren, daß er zwei Personen war und nicht ein Christus.
  • Eutyches lehrte, daß die beiden Naturen so verbunden waren, daß die göttliche Natur die menschliche aufnahm und eine gemischte Natur entstand.
Wir folgen also den heiligen Vätern und lehren alle übereinstimmend: Unser Herr Jesus Christus ist als ein und derselbe Sohn zu bekennen, vollkommen derselbe in der Gottheit vollkommen derselbe in der Menschheit, wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch derselbe, aus Vernunftseele und Leib, wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns derselbe der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] aus Maria, der jungfräulichen Gottesgebärerin, der Menschheit nach, ein und derselbe Christus, Sohn, Herr, Einziggeborener in zwei Naturen unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt zu erkennen, in keiner Weise unter Aufhebung des Unterschieds der Naturen aufgrund der Einigung, sondern vielmehr unter Wahrung der Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen und im Zusammenkommen zu einer Person und einer Hypostase, nicht durch Teilung oder Trennung in zwei Personen, sondern ein und derselbe einziggeborene Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus, wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns im Symbol der Väter überliefert ist.

Das Niederländische (Belgische) Glaubensbekenntnis

  • Es wurde 1561 von den verfolgten reformierten Gemeinden in den Niederlanden verfasst und ist eine Bittschrift an den römisch-katholischen König Philipp II.
  • Es sollte beweisen, daß die reformierten Kirchen nicht die Regierung umstürzen wollen.
  • Außerdem sollte es zeigen, daß der reformierte Glaube einfach der Glaube der alten Kirche war. 
Artikel 1 – Vom Wesen Gottes
  • Wir glauben von Herzen und bekennen mit dem Munde, dass da ist ein einziges und einfaches geistiges Wesen, das wir Gott nennen, ewig, unbegreiflich, unsichtbar, unveränderlich, unendlich, der vollkommen weise ist, gerecht und gut und die reichlichste Quelle aller Güter ist.
Der Heidelberger Katechismus
  • Der Katechismus wurde 1563 in Heidelberg auf Initiative des Kurfürsten Friedrich III. verfasst, um die Bevölkerung der Kurpfalz im reformierten Glauben zu unterweisen.
  • Ein Katechismus beruht auf einem Frage und Antwort System.
  • Er hat schnelle Verbreitung gefunden und ist der meist gebrauchte Katechismus aus der Reformationszeit.
Frage 1: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
  • Daß ich mit Leib und Seele, sowohl im Leben als auch im Sterben (Röm 14,7.8), nicht mir (1.Kor 6,19), sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre (1.Kor 3,23), der mit seinem teuren Blut (1. Petr 1,18.19) für alle meine Sünden vollkommen bezahlt (1.Joh 1,7; 2,2) und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst hat (1.Joh 3,8) und so bewahrt (Joh 6,39), daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann (Mt 10,29-31; Lk 21,18), ja, daß mir wirklich alles zu meiner Seligkeit dienen muß (Röm 8,28). Darum versichert er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens (2.Kor 1,20-22; 5,5; Eph 1,13.14) und macht mich von Herzen willig und bereit, ihm hinfort zu leben (Röm 8,14-16).

Die Lehrregeln von Dordrecht

  • In den Niederlanden entstand eine große Kontroverse um die Lehren eines Theologiedozenten an der Universität von Leiden namens Jakobus Arminius (1560-1609).
  • Nach seinem Tod verfassten mehr als 40 seiner Anhänger Die Remonstranz (1610).
  • In fünf Punkten lehnten sie zahlreiche Lehren der Reformation wie Vorherbestimmung ab.
  • Eine Synode, d.h. eine Versammlung, der reformierten Kirchen wurde in Dordrecht zusammengerufen.
  • Sie verwarf die fünf Punkte der Remonstranz und verfasste als Antwort die Lehrregeln.

Das Bekenntnis von Westminster

  • Es wurde zusammen mit dem Katechismus von Westminster 1647 zur Zeit der Puritaner in England verfasst.
  • Es bildet die Glaubensgrundlage der Presbyterianischen Gemeinden und des Baptistischen Glaubensbekenntnis von London.
Frage 1: Was ist die vornehmste und höchste Bestimmung des Menschen?
  • Die vornehmste und höchste Bestimmung des Menschen ist, Gott zu verherrlichen und ihn vollkommen zu genießen in alle Ewigkeit.

Das Baptistische Glaubensbekenntnis von London

  • Durch die Puritaner geprägt entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts erste Baptistengemeinden in England.
  • Das erste Glaubensbekenntnis von London wurde von sieben reformierten Bapistengemeinden Londons im Jahre 1644 unterzeichnet.
  • Ein zweites Glaubensbekenntnis entstand 1677 durch Überarbeitung des Bekenntnisses von Westminster in Bezug auf die Tauflehre und dem Verständnis von Gemeindeleitung.
  • Im Jahr 1689, nach der Glorreichen Revolution und vermehrter Freiheit für die Baptisten, trafen sich über 100 Vertreter von Baptistengemeinden und nahmen das zweite Glaubensbekenntnis an.

Die erste deutsche Baptistengemeinde

  • Johann Gerhard Oncken kam ca. 1820 in London zum Glauben und wurde stark durch den reformierten Glauben Englands und Schottlands geprägt.
  • Er gründete als Missionar 1834 die erste Baptistengemeinde Deutschlands in Hamburg.
  • 1836 verfasste er als Reaktion auf die Anfrage der Stadtverwaltung Hamburgs ein stark reformiert geprägtes Glaubensbekenntnis für die Gemeinde.
Artikel VII – Von der Erwählung zur Seligkeit
Wir glauben, dass es von Ewigkeit her das freie, von Nichts außer sich selbst geleitete Wohlgefallen, der bestimmte Vorsatz Gottes gewesen, Sünder zu erlösen66. Darum, so wie es vor Grundlegung der Welt, aus unergründlicher erbarmender Liebe in der Gottheit beschlossen wurde, dass Jehova, der Gesalbte durch seine Menschwerdung und Tod der Erlöser sein sollte67, so wurden die Personen aus dem verlorenen Menschengeschlechte, die wirklich erlöst werden sollten, auch vom Vater erwählt68, ihre Namen im Himmel angeschrieben69, sie selbst den Händen des Erlösers übergeben, als sein Volk70, als die Schafe seiner Herde, für welche er sein Leben lassen wollte71, als sein Erbe72, als die Beute seines Todeskampfes73, und als seine Braut.74 Diesen Personen wurde das ewig Leben in Christo beschieden75 und zugleich alle Mittel verordnet, die sie zum Glauben an Christum, zur Heiligkeit, und endlich zur ewigen Seligkeit bringen sollten76. Solcher Ratschluss Gottes ist unveränderlich und ewig festgestellt77, so dass diejenigen, welche er betrifft, die Auserwählten, den Händen Christi nicht entrissen werden können78, vielmehr durch Gottes Macht im Glauben und in der Liebe zu Christo bewahret bleiben79, bis sie Miterben seiner Herrlichkeit geworden sind.80 Da diese teure Lehre der heiligen Schrift von Anfängern im Christentume häufig nicht verstanden wird, so halten wir es für unsere Pflicht, auch solche zu den Gnadenmitteln als Mitglieder der Gemeinde zuzulassen, die an den Herrn gläubig geworden, aber in das Verständnis der hier abgehandelten Lehre noch nicht eingedrungen sind.
Die erste Freie evangelischen Gemeinde
  • Hermann Heinrich Grafe wurde nach seiner Bekehrung Teil einer freien, evangelischen Gemeinde in Lyon.
  • Diese Gemeinde war stark durch die reformierte Lehre geprägt. Gleichzeitig war man offen für Gläubige mit anderen theologischen und konfessionellen Hintergründen.
  • Außerdem zeichnete sich die Gemeinde durch treue, biblische Auslegungspredigten aus, die einen evangelistischen Fokus hatten.
  • 1850 gründete er den “Evangelischen Brüderverein” und 1854 die erste Freie evangelische Gemeinde.
  • Für diese Gemeinde verfasste er ein Glaubensbekenntnis auf Grundlage der reformierten, evangelikalen Gemeinde von Genf.
Artikel 12
Wir glauben, dass der Heilige Geist den Erwählten, mittelst des Wortes, das Heil zueignet, welches der Vater ihnen bestimmt und der Sohn ihnen erworben hat, dergestalt, dass, indem er sie mit Jesus vereinigt durch den Glauben, er in ihnen wohnt, sie von der Herrschaft der Sünde befreit, sie die Schrift verstehen lehrt, sie tröstet und sie versiegelt auf den Tag der Erlösung.

Evangelium21

Zu Evangelium21 gehören Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden, die ihren Glauben fest auf Jesus Christus gründen.
Ausgerichtet auf die von den Reformatoren wiederentdeckten Wahrheiten
  • Gnade allein
  • Glaube allein
  • die Schrift allein
  • Christus allein und
  • zu Gottes Ehre allein
wollen wir Impulse setzen, durch die Gemeinden neu belebt und gestärkt werden. Denn: Allein das biblische Evangelium bewirkt, dass Christen von einer echten Hoffnung und überwältigenden Freude an Gott erfüllt werden und diese auch ausstrahlen.
Als Anlaufstelle für Gleichgesinnte und Interessierte empfehlen wir Kontakte und Ressourcen. Die von uns angebotenen Materialen und Veranstaltungen heben die Zentralität des Evangeliums für den Gemeindealltag und das gesamte Leben hervor.
Danach wollen wir demütig streben, mit dem Ziel, dass die Gemeinde Christi im 21. Jahrhundert ganz neu erfährt, was es heißt, dass das „Evangelium nicht nur im Wort zu [uns] kam, sondern in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit“ (1 Thess 1,5).

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