Predigt vom 26.07.2015: Stefan Beyer – Galater 4:21-25 – Religiöse Knechtschaft

  • Paulus wendet sich gegen ein religiöses System der Knechtschaft.
  • Auch Jesus wandte sich gegen das falsche, religiöse System seiner Zeit, welches auf Werksgerechtigkeit beruhte.
    • 38 Und er sagte ihnen in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, welche gern im Talar einhergehen und auf den Märkten sich grüßen lassen 39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die obersten Plätze bei den Mahlzeiten einnehmen wollen, 40 welche die Häuser der Witwen fressen und zum Schein lange Gebete sprechen. Diese werden ein um so schwereres Gericht empfangen! 41 Und Jesus setzte sich dem Opferkasten gegenüber und schaute zu, wie die Leute Geld in den Opferkasten legten. Und viele Reiche legten viel ein. 42 Und es kam eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein, das ist ein Groschen. 43 Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle, die eingelegt haben. 44 Denn alle haben von ihrem Überfluß eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut alles eingelegt, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt. 13:1 Und als er aus dem Tempel ging, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Meister, sieh nur! Was für Steine! Und was für Gebäude sind das! 2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Es wird kein einziger Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird! (Markus 12:38-13:2)
  • Das Evangelium dreht die weltlichen und sogar die religiösen Werte um. Die religiösen und sonstwie fähigsten Menschen gehen nicht in das Reich Gottes ein, stattdessen aber Zöllner und Sünder.
    • 1 Es pflegten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören. 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder an und ißt mit ihnen! (Lukas 15:1-2)
21 Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?
  • Paulus spricht jetzt die galatischen Christen, die sich von den falschen Lehrern haben verführen lassen, direkt an.
  • Sie wollen unter dem Gesetz sein im Sinne, daß ihnen das Gesetz Ansehen bei Gott verschafft.
  • Paulus spricht hier alle an, die meinen, daß wir primär durch das Halten von Gesetzen bei Gott angesehen sind.
  • Es ist wichtig, vier Arten von Menschen zu unterscheiden:
    • 1) Menschen, die dem Gesetz gehorchen und sich auf das Gesetz verlassen (selbsgerecht)
      • Sie sind oft überheblich und selbstgerecht.
      • Sie sind sich äußerlich total sicher, mit Gott im reinen zu sein.
      • Aber innerlich haben sie tiefe Unsicherheiten, weil sie nie wissen, ob sie genug getan haben.
      • Deshalb sind sie sensibel für Kritik und leicht zu reizen.
      • Sie sind niedergeschlagen, wenn ihre Gebete nicht beantwortet werden.
      • Wir finde diese Leute auch in anderen Religionen, aber im christlichen Kontext sind es Menschen, die normalerweise in die Kirche gehen.
      • Sie haben viele Ähnlichkeiten mit den Pharisäern aus der Zeit Jesu.
    • 2) Menschen, die das Gesetz brechen, sich aber auf das Gesetz verlassen. (ängstlich)
      • Sie haben ein religiöses Gewissen von starker Werkegerechtigkeit.
      • Aber sie leben nicht dementsprechend.
      • Sie sind demütiger und toleranter als die Pharisäer.
      • Aber sie haben viel mehr mit Schuldgefühlen und wechselnden Gefühlen zu kämpfen.
      • Sie gehen ab und zu zur Gemeinde, bleiben aber am Rand, wegen ihres schwachen geistlichen Zutrauens.
    • 3) Menschen, die das Gesetz brechen und sich auch nicht darauf verlassen. (unabhängig)
      • Das sind Menschen, die das Konzept vom Gesetz Gottes von sich gestoßen haben.
      • Sie denken säkular oder relativistisch, oder sie haben ein vages Gefühl von Geistlichkeit.
      • Sie wählen ihre eigenen, moralischen Standards aus und glauben, daß sie sie halten.
      • Paulus sagt in Römer 1:18-20, daß diese Menschen unterbewußt wissen, daß es einen Gott gibt und wir ihm gehorchen müssen.
      • Diese Menschen sind normalerweise glücklicher und toleranter als die obigen zwei Gruppen.
      • Aber sie haben oft eine eigene Form von Selbstgerechtigkeit.
      • Sie verdienen ihre Errettung, indem sie besser als andere Menschen sind.
    • 4) Menschen, die dem Gesetz gehorchen, sich aber nicht auf das Gesetz verlassen. (freudig)
      • Diese Menschen sind Christen, die das Evangelium verstehen und aus seiner Freiheit leben.
      • Sie gehorchen dem Gesetz Gottes aus dankbarer Freude heraus.
      • Diese Freude kommt von der Erkenntnis, daß sie von Gott adoptiert wurden und nicht mehr in Furcht leben müssen.
      • Außerdem ist die Selbstzentriertheit, die durch falsche Götzen proviziert wird, in ihnen der Freude in Gott gewichen.
      • Sie sind toleranter als Nummer 3, einfühlender als Nummer 1 und selbstsicherer als Nummer 2.
      • Aber die meisten Christen haben Probleme, als Nummer 4 zu leben.
      • Stattdessen sehen sie die Welt aus dem Blickwinkeln von Nummer 1, 2 oder 3.
      • Im Maße, wie sie das tun, verarmen sie geistlich.
  • Paulus sagt denen, die sich auf das Gesetz verlassen, daß sie eigentlich ein zu geringes Bild vom Gesetz haben.
  • Würden sie das Gesetz wirklich kennen würden, würden sie sich nicht darauf verlassen.
22 Es steht doch geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der leibeigenen Magd, den anderen von der Freien.
  • Paulus benutzt ein vertrautes Bild der Knechtschaft aus dem Alten Testament.
  • Es gibt zwei Wege, mit Abraham verwandt zu sein: entweder auf Basis von Knechtschaft oder auf Basis von Sohnschaft.
  • Der Knecht erbt nichts von den Verheißungen Gottes.
  • Der Knecht ist zwar ein Nachkomme Abrahams, aber nicht ein Sohn der Verheißung.
23 Der von der Magd war gemäß dem Fleisch geboren, der von der Freien aber kraft der Verheißung.
  • Abraham hatte zwei Söhne: Ismael und Isaak, von zwei unterschiedlichen Frauen.
  • Gott hatte Abraham einen Erben verheißen, der in dem Land leben sollte, welches Gott ihm zeigen würde (1. Mose 12:1-4; 1. Mose 15:4,5).
  • Aber Abraham war alt und seine Frau Sara unfruchtbar.
  • Als er nun schon zehn Jahre im verheißenen Land lebte und kein Erbe in Sicht war, schlug Sara vor, daß Abraham mit ihrer leibeigenen Magd Hagar schlafen sollte.
    • 1 Und Sarai, Abrams Frau, gebar ihm keine Kinder; aber sie hatte eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. 2 Und Sarai sprach zu Abram: Sieh doch, der HERR hat mich verschlossen, daß ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner Magd; vielleicht werde ich durch sie Nachkommen empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. (1. Mose 16:1-2)
  • Abraham willigte ein und Ismael wurde geboren.
  • 14 Jahre später, als Abrahahm 100 Jahre alt war, hatte er einen weiteren Sohn, diesmal von Sara, seiner unfruchtbaren Frau.
    • 1 Und der HERR suchte Sarah heim, wie er verheißen hatte, und der HERR handelte an Sarah, wie er geredet hatte. 2 Und Sarah wurde schwanger und gebar dem Abraham einen Sohn in seinem Alter, zur bestimmten Zeit, wie ihm Gott verheißen hatte. 3 Und Abraham gab seinem Sohn, der ihm geboren wurde, den ihm Sarah gebar, den Namen Isaak. (1. Mose 21:1-3)
  • Dieser Sohn wurde auf übernatürliche Weise, kraft der Verheißung, geboren.
  • Wahre Religion beruht auf der übernatürlichen Neugeburt in Christus, nicht auf den Werken unseres sündhaften Fleisches.
  • Abraham hatte seinen ersten Sohn durch menschliche Leistung erzeugt, statt auf Gottes Eingreifen zu warten.
24 Das hat einen bildlichen Sinn: Dies sind nämlich die zwei Bündnisse; das eine vom Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, das ist Hagar. 25 Denn “Hagar” bedeutet den Berg Sinai in Arabien und entspricht dem jetzigen Jerusalem, und es ist in Knechtschaft samt seinen Kindern.
  • Paulus klagt das Judentum seiner Zeit an, welches sich so auf Abraham und und den Bundeschluß unter Mose verläßt, in Wahrheit in Knechtschaft zu leben.
  • Die Juden hatten fälschlicherweise das Gesetz zu ihrem Weg gemacht, vor Gott gerecht zu sein, und es wurde zum wichtigsten Angelpunkt ihres Lebens.
  • Paulus macht ganz deutlich, daß das gegenwärtige Jerusalem seiner Zeit mehr gemein hat mit Hagar als mit Sara.
  • Indem Abraham mit Hagar geschlafen hatte, hat er sich auf seine eigenen, menschlichen Fähigkeiten verlassen.
  • Er war sein eigener Retter und setzte sein Vertrauen auf seine eigenen Leistungen.
  • Das Ergebnis war ein Disaster!
  • Sara wurde sehr eifersüchtig auf Hagar und die Familie wurde durch Spaltung und Traurigkeit geplagt.
    • 4 Und er ging ein zu Hagar, und sie wurde schwanger. Als sie nun sah, daß sie schwanger war, wurde ihre Herrin verächtlich in ihren Augen. 5 Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir zugefügt wird, treffe dich! Ich habe dir meine Magd in den Schoß gegeben. Da sie nun aber sieht, daß sie schwanger ist, bin ich verächtlich in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir! 6 Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist in deiner Hand; tue mit ihr, was gut ist in deinen Augen! Da nun Sarai sie demütigte, floh sie von ihr. 7 Aber der Engel des HERRN fand sie bei einem Wasserbrunnen in der Wüste, beim Brunnen auf dem Weg nach Schur. 8 Er sprach zu ihr: Hagar, du Magd der Sarai, wo kommst du her, und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von meiner Herrin Sarai geflohen! 9 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder zurück zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand! 10 Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Siehe, ich will deinen Samen so mehren, daß er vor großer Menge unzählbar sein soll. 11 Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Ismael geben, weil der HERR dein Jammern erhört hat. 12 Er wird ein wilder Mensch sein, seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn; und er wird allen seinen Brüdern trotzig gegenüberstehen. 13 Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist “der Gott, der mich sieht”!, indem sie sprach: Habe ich hier nicht dem nachgesehen, der mich sieht? 14 Darum nannte sie den Brunnen einen “Brunnen des Lebendigen, der mich sieht”. Siehe, er ist zwischen Kadesch und Bared. (1. Mose 16:4-14)
  • Abrahams Versuch, sich selbst zu retten, ist katastrophal gescheitert.
  • Der Streit zwischen Sara und Hagar hat sich in ihren Nachkommen fortgesetzt.
  • Obwohl die falschen Lehrer sich in enger Gemeinschaft mit Abraham, Sara und Isaak wähnten, hatten sie doch mehr gemeinsam mit Hagar, der Heidin, der Verstoßenen.
  • Ihr Umgang mit Gott beruht auf Knechtschaft und die Frucht, ihr Ismael, ist immer weitere Knechtschaft.
  • Die religiösesten Menschen können manchmal am weitesten entfernt von einer echten Beziehung zu Gott sein, die auf Freiheit beruht.
Anwendungsfragen
  • Welche der 4 Kategorien von Menschen würdest du dich zuordnen?
  • Abraham hat sich auf sich selbst verlassen, damit Gottes Verheißungen in seinem Leben erfüllt werden. Hast du schonmal etwas ähnliches getan? Was waren die Ergebnisse?
  • Wann hast du gesehen, wie Gott etwas scheinbar Unmögliches in deinem Leben oder im Leben von Menschen in deinem Umfeld getan hat
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