Galater 2:11-16 – Eine ernste Zurechtweisung

Einleitung
  • Egal wie fortgeschritten wir im Glauben oder im Dienst sind, können wir uns immernoch schwer verfehlen.
  • Das ist eine Warnung, daß wir nie selbstsicher oder vermessen werden sollten.
    • Als [der König Ussija] aber stark geworden war, überhob sich sein Herz zu seinem Verderben, und er versündigte sich an dem HERRN, seinem Gott, indem er in die Tempelhalle des HERRN ging, um auf dem Räucheraltar zu räuchern. (2. Chronik 26:16)
  • Wir brauchen aber auch nicht wegen unserer Sünden verzweifeln, sondern können in Gottes Gnade Trost und Heilung finden.
    • 8 Siehe, du verlangst nach Wahrheit im Innersten: so laß mich im Verborgenen Weisheit erkennen! 9 Entsündige mich mit Ysop, so werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee! 10 Laß mich Freude und Wonne hören, damit die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast. 11 Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten! 12 Erschaffe mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir von neuem einen festen Geist in meinem Innern! 13 Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir. 14 Gib mir wieder die Freude an deinem Heil, und stärke mich mit einem willigen Geist! 15 Ich will die Abtrünnigen deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren. (Psalm 51:8-15)
11 Als aber Petrus nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er war im Unrecht.
  • Nach dem sich Paulus und Petrus in Jerusalem getroffen hatten, in einer jüdischen Umgebung, trafen sie sich hier in einer heidnischen Umgebung wieder.
  • In dieser neuen Umgebung leugnete Petrus die Wahrheit des Evangeliums.
12 Bevor nämlich etliche von Jakobus kamen, aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete.
  • Im zeremoniellen Gesetz des Alten Testaments (siehe 3. Mose 11, 15 und 20) wurden strenge Vorschriften über rituelle Reinheit erlassen.
  • Die Menschen konnten nicht in Gottes Gegenwart kommen und ihn anbeten, wenn sie in einem unreinen Zustand waren.
  • Jesus hatte deutlich gemacht, daß mit seinem Erscheinen diese rituellen Gesetze erfüllt sind.
    • 14 Und er rief die ganze Volksmenge zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und versteht! 15 Nichts, was außerhalb des Menschen ist und in ihn hineinkommt, kann ihn verunreinigen; sondern was aus ihm herauskommt, das ist es, was den Menschen verunreinigt. (Markus 7:14-15)
  • Die äußerlichen Reinheitsgesetze waren nur ein Bild für die innere Reinheit, die Gott von seinen Anbetern verlangt und die wir durch Jesus haben.
    • 8 Oben sagt er: “Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, du hast auch kein Wohlgefallen an ihnen” – die ja nach dem Gesetz dargebracht werden -, 9 dann fährt er fort: “Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun”. Somit hebt er das erste auf, um das zweite einzusetzen. 10 Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, und zwar ein für allemal. (Hebräer 10:8-10)
    • 22 so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in völliger Gewißheit des Glaubens, durch Besprengung der Herzen los vom bösen Gewissen und am Leib gewaschen mit reinem Wasser. (Hebräer 10:22)
  • Petrus hatten sogar noch eine Vision empfangen, die ihm diese Zusammenhänge erklärte (Apostelgeschichte 11:7,9), und Gottes Wirken im Leben von Kornelius erlebt, so daß er selber erklärte:
    • 34 Da tat Petrus den Mund auf und sprach: Nun erfahre ich in Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht, 35 sondern daß in jedem Volk derjenige ihm angenehm ist, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt! (Apostelgeschichte 10:34-35)
  • Er hatte sich darüber hinaus für sein Essen mit dem Haus von Kornelius in Jerusalem verteidigt (Apostelgeschichte 11:3) und später im Apostelkonzil erklärt, daß die Heiden “durch den Glauben gereinigt” sind (Apostelgeschichte 15:7-9).
13 Und auch die übrigen Juden heuchelten mit ihm, so daß selbst Barnabas von ihrer Heuchelei mit fortgerissen wurde.
  • Petrus war der Heuchelei schuldig. Er tat etwas, von dem er innerlich wußte, daß es falsch war (siehe Vers 14).
  • Seine Heuchelei war ansteckend. Sogar Barnabas, der mit dem unbeschnittenem Titus auf Mission war (siehe Vers 1), wurde fehlgeleitet.
  • Was war der Grund für seine Heuchelei? Er hatte Angst vor der Beschneidungsgruppe (siehe Vers 12b).
  • Wahrscheinlich war auch seine kulturelle Abneigung gegen andere Völker immernoch ein Faktor.
14 Als ich aber sah, daß sie nicht richtig wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, was zwingst du die Heiden, jüdisch zu leben?
  • Für Paulus war das Verhalten von Petrus nicht in erster Linie rassistisch, sondern ein leugnen der Wahrheit des Evangeliums.
  • Dem orthodoxen Glauben des Petrus sollte auch ein orthopraktisches Leben folgen.
  • Unser ganzes Leben soll von der Stoßrichtung des Evangeliums verändert werden und ihr folgen.
  • Jeden Bereich unseres Lebens sollen wir mit der Richtung des Evangeliums in Einklang bringen.
  • Die Wahrheit des Evangeliums steht vielen Annahmen entgegen, mit denen wir in unserer Kultur aufgewachsen sind.
  • Wir sollten alle Annahmen prüfen und am Evangelium neu ausrichten.
15 Wir sind zwar von Natur Juden und nicht Sünder aus den Heiden;
  • Die Sünde von Petrus war augenscheinlich Nationalismus, aber im Kern Gesetzlichkeit.
  • Gesetzlichkeit sagt, daß ich irgendetwas neben Jesus brauche, um bei Gott angesehen zu sein.
    • Sie führt psychologisch zu Stolz und Furcht und gesellschaftlich zu Ausgrenzung und Zwietracht.
  • In unserem gesetzlichen Stolz tolerieren wir vielleicht andere Christen, aber wir essen nicht mit ihnen (d.h. wir werden keine engen Freunde).
  • Das Evangelium zeigt uns, daß wir alle unrein ohne Jesus sind, aber durch ihn alle rein geworden sind.
  • Wir fallen in die Sünde von Petrus, wenn wir unsere persönlichen Vorlieben mit moralischer Autorität aufladen und von anderen einfordern.
  • Paulus will hier nicht nur das Verhalten von Petrus korrigieren, sondern das Prinzip hinter seinem Handeln aufdecken und verändern.
16 doch weil wir erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Werken des Gesetzes, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch gerechtfertigt wird.
  • Gott hatte nicht Gemeinschaft mit Petrus aufgrund seiner Rasse, Nationalität oder Kultur, deshalb sollten diese Faktoren auch nicht seine Gemeinschaft mit anderen bestimmen.
  • Paulus sagt nicht nur, daß Rassismus Sünde ist, sondern er gebraucht des Evangelium, um seine geistlichen Wurzeln aufzuzeigen.
  • Rassismus ist die Fortsetzung von Werke-Gerechtigkeit. Es ist das Sich-besser-fühlen aufgrund der Zugehörigkeit zu seiner sozialen Gruppe.
  • Paulus sagt: Du hast das Evangelium vergessen, in dem Gott dich in Christus vollkommen frei und aus Gnade willkommen geheißen hat.
  • Paulus benutzte nicht Drohungen, um Petrus zurechtzuweisen, sondern den Reichtum der Gnade Christi im Evangelium.
  • Exkurs: Wenn wir über Sexualität sprechen, sollten wir nicht so sehr die sexuelle Sünde anprangern, sondern aufzeigen, wie Partnerschaft und Sexualität als Bild für das Evangelium gedacht sind (siehe Epheser 5:32) und wie die Botschaft des Evangelium durch sexuelle Sünde verzerrt wird.
  • Wenn wir wie Petrus aus Furcht handeln (siehe Vers 12), brauchen wir die Liebe und Stärke von anderen, um den Mut zu haben, das Richtige zu tun.
  • Sowohl der Rassismus von Petrus aber auch seine Feigheit paßten nicht zum Evangelium.
  • Deshalb sprach Paulus auch seine Feigheit an, wenn er erklärte: Du bist schon vor Gott gerechtfertigt und hast sein Ansehen. Du brauchst das Ansehen dieser Menschen nicht mehr.
  • Wir machen oft den Fehler, daß wir andere nicht aus dem Evangelium zurechtweisen, sondern Schuldgefühle einflößen und z.B. sagen: Du würdest das als hingegebener Christ machen bzw. nicht machen.
  • Dadurch sagen wir eigentlich: Wenn du nur so ein guter Christ wie ich wärst, dann hättest du das schon gemacht, oder diese Sünde nicht mehr gemacht.
  • Paulus würde stattdessen sagen: Gedenke der Gnade, die Gott über dich ausgeschüttet hat. Was würde es in dieser Situation bedeuten, aus dieser Gnade heraus zu leben und sie zu preisen?
Anwendungsfragen
  • Welche Bereichen deines Lebens haben sich im letzen Monat, im letzen Jahr, durch die Stoßrichtung des Evangeliums verändert?
  • Gibt es Menschen in der Gemeinde, mit denen du nicht ißt, weil sie nicht so sind wie du? Welche Selbstgerechtigkeit liegt hinter dieser Einstellung?
  • Wie könntest du dich selbst und andere weniger mit Schuld motivieren und stattdessen mit dem Evangelium?

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