Werktagsgottesdienst – Ledigsein

  • Ledig sein zwischen Überbewertung (Katholizismus, Mönchtum) und Unterbewertung (Freikirchen)
  • Die einzige Berufung, die viele Christen im Westen mehr fürchten als die Berufung zur Mission, ist die Berufung zur Ehelosigkeit.
  • Weil circa 50% der Menschen (Statistik USA) unverheiratet leben, viele Helden des christlichen Glaubens (einschließlich Jesus) ehelos waren und die Bibel lehrt, daß Ehelosigkeit eine gnädige Gabe Gottes sein kann (Matthäus 19:11-12; 1. Korinther 7:7), sollte das Thema Ledigsein ein wichtiges Thema in Gemeinden sein.

Ehelosigkeit im Alten Testament

  • Im Alten Testament heirateten die Menschen sehr früh (ab 13-15 Jahren bei Frauen, 15-16 bei Männern).
  • Weil das Gebot zur Vermehrung (1. Mose 1:28) sehr ernst genommen wurde, gab es in der Kultur des AT kein Konzept von Jugend, Heranwachsenden oder Erwachsenen ohne Familie.
  • Ledig sein wurde als entgegen der Schöpfung gesehen. 
  • Ledige gehörten gewöhnlich zu 5 Kategorien:
    • Verwitwete (schwierige Position – 2. Könige 4:1, Wiederheirat – Ruth 3-4; als Schande angesehen – Jesaja 4:1; von Gott beschützt – Psalm 68:6)
    • Eunuchen (wichtige Aufgaben – Daniel 1:7; nicht Teil der anbetenden Gemeinde – 5. Mose 23:2; vom Herrn gesegnet – Jesaja 56:3-5)
    • Menschen, die nicht heiraten konnten aufgrund von Erkrankungen (Lepra) oder schwierigen wirtschaftlichen Umständen
    • Menschen mit einer besonderen göttlichen Berufung (Jeremiade 16:1-4; sehr selten im Alten Testament)
    • Geschiedene (Scheidung ging fast immer vom Mann aus – 5. Mose 24:1-4; schwierige finanzielle Situation)
    • unverheiratete junge Männer und Frauen (Väter arrangierten meist die Hochzeit – 1. Mose 24; Richter 14; beschützten ihre Töchter vor männlichen Jägern, damit sie als Jungfrauen heiraten konnten – 2. Mose 22:15,16; 5. Mose 22:13-21 und gaben der Tochter eine Mitgift für den Fall einer Scheidung; die Menschen heirateten sehr früh, weshalb es keine Zeitspanne gab, die angemessen als Ledigsein beschrieben werden könnte)

Ehelosigkeit im Neuen Testament

  • Auch zur Zeit des Neuen Testaments war Ehelosigkeit als fester Zustand und bewusste Lebensentscheidung eher die Ausnahme. Aber:
  • Johannes der Täufer, Jesus und der Apostel Paulus waren ledig.
  • Sowohl Jesus als auch Paulus nennen Ehelosigkeit ein Geschenk Gottes (Matthäus 19:12; 1. Korinther 7:7).
  • Sowohl Jesus als auch Paulus unterstreichen, daß eine Berufung zur Ehelosigkeit den Unverheirateten mehr Zeit und weniger Ablenkung im Dienst für den Herrn verschafft (1. Korinther 7:32-35).
  • Im Gegensatz zur Kultur der Juden des Alten Testaments sehen Jesus und Paulus Ledigsein als etwas Positives. Ledigsein ist etwas Willkommenes, aber nicht die Norm (1. Korinther 7:9; 1. Timotheus 4:1-3).
  • Ledigsein wird als ein Geschenk gesehen, welches Gott verleiht.
  • Auch das Buch der Offenbarung hat besonderes Lob für Ledige, die dem Herrn dienen (Offenbarung 14:4-5).
  • Ehelosigkeit ist eine Berufung, die wenigen zuteil und freiwillig gewählt wird (anstatt durch Umstände aufgezwungen wird) (Matthäus 19:11-12; 1. Korinther 7:2,9,28).

Ehelosigkeit in der frühen Kirche

  • Es ist bemerkenswert, daß einige der Hauptdarsteller des frühen Christentums ledig waren.
  • Der ehelose Stand des Paulus erlaubte ihn, als Pionier die Heidenmission voranzutreiben, wie er es als verheirateter vielleicht nie gekonnt hätte.
  • Seine vielen Reisen und Verhaftungen hätten eine Ehe sehr belastet.
  • Im Gegensatz dazu hatten viele der anderen Apostel Ehefrauen (1. Korinther 9:5).
  • Im Einklang mit jüdischem Brauch konnten Ehemänner eine Zeitlang mit der Erlaubnis ihrer Frau das Heim verlassen, um mit einem Rabbi zu studieren.
  • Paulus erkennt auch die Möglichkeit an, temporär die sexuellen Beziehungen in der Ehe auszusetzen, um besondere Zeit für Gebet zu haben (1. Korinther 7:5).
  • Ehelosigkeit war die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten Kirchenväter waren verheiratet und lehrten den guten Wert der Ehe.
  • Durch gnostische Einflüsse (grieche. Philosophie), asketische Lehren von Sekten und dem Wunsch der römischen Kirche, ihre Macht zu konzentrieren, wurde Ehelosigkeit mehr und mehr akzeptiert und gepriesen durch die Kirche.
  • Gegen Ende des 4. Jahrhunderts wurde Ehelosigkeit von vielen Gemeinden für Leiterschaft gefordert und beim Ersten Laterankonzil 1123 offiziell für alle kirchlichen Leiter verlangt.
  • Danach wurde Ehelosigkeit oft als der ehrbarere Stand gesehen (Thomas von Aquin), im Gegensatz zu 1. Timotheus 4:4 und 1. Mose 1:31; 2:18.

Eine biblische Theologie des Ledigseins

  • Obwohl Ledigsein im Alten Testament oft ungewöhnlich und unfreiwillig war, lobt das Neue Testament in Aussagen von sowohl Jesus (Matthäus 19:12) als auch Paulus die Vorteile des Ledigseins für den Dienst im Reich Gottes (1. Korinther 7:32-35).
  • Die Ehe blieb aber dennoch die Regel in der frühen Kirche (1. Korinther 9:5).
  • Man sieht eine Entwicklung in der Bibel vom Fokus auf Ehe und Familie (1. Mose 12:1-9) hin zum Reich Gottes und geistlichen Kindern (Jesaja 53:10; Jesaja 54:1-8).
  • In Jesaja 56:1-5 wird die Wiederherstellung des Eunuchen beschrieben, den Gott in seinem Reich gebraucht und dessen Vermächtnis größer ist als ein bloß natürliches Vermächtnis.
  • Während er zwar nicht die traditionelle Familienstruktur auflöste, betonte Jesus doch das Reich Gottes als oberste Priorität, die eine Loyalität sogar über Familienbeziehungen fordert (Matthäus 10:37).
  • Erbe wird im Neuen Testament für geistliche, statt für natürliche Nachfahren, verwendet (Epheser 1:14,18; 5:5; 1. Petrus 1:3-4).
  • Obwohl der ehelose Stand nicht jedem gegeben ist, ermutigen sowohl Jesus als auch Paulus diese Berufung zu ergreifen (Matthäus 19:12; 1. Korinther 7:32,35).
  • Obwohl Jesus ledig war, lebte er nicht allein. Sein engerer Kreis bestand aus 3 Nachfolgern. Außerdem wurde er von der 12 Aposteln begleitet, sowie einer Gruppe gewidmeter Frauen (Lukas 8:1-3).
  • Jesus unterhielt auch enge Freundschaften zu anderen, zum Beispiel der Familie von Lazarus, Martha und Maria in Bethanien nahe Jerusalem (Lukas 10:38-42; Johannes 11:1-12:19).
  • Als Wanderprediger wurde Jesus von vielen Menschen aufgenommen und half vielen Bedürftigen.
  • Er hinterließ beim Abendmahl ein Vermächtnis an seine geistlichen Kinder.
  • Er dient als Vorbild für jemanden, der sich dem Dienst am Reich Gottes weiht.
  • Ledigsein und Ehelosigkeit dienen als Erinnerung, daß Zugang zum Volk Gottes durch geistliche Wiedergeburt und nicht durch Familienbeziehung geschieht. Ledige und Verheiratete in der Gemeinde zeigen, daß die Kirche zwischen den Zeiten lebt (dem schon jetzt aber noch nicht). Die Verheirateten zeigen, daß die Gemeinde immernoch teil der jetzigen Zeit ist. Die Ehelosen verweisen darauf, daß die geistliche Zeit schon durch Christus eingeläutet wurde und baldige Erfüllung erwartet.
  • Wir müssen ein Gemeindeleben entwickeln, welche beide Stände sinnvoll aufnimmt und unterstützt.
Einzelne Themen in Verbindung mit Ledigsein
  • Zusammenwohnen und vorehelicher Sex
    • Ehe ist eine heilige, unbrechbare und exklusive Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, durch Versprechen lebenslanger Treue begonnen und durch sexuelle Verbindung vollzogen, so daß aus der Ehe eine “ein Fleisch” Einheit entsteht (1. Mose 2:23-24).
    • Sexuelle Abstinenz vor der Ehe und sexuelle Treue in der Ehe sind die biblische Erwartungen. Das Ausüben der Ersteren ist die beste Vorbereitung für die Einhaltung der Letzteren.
    • Voreheliches Zusammenleben und Sex ist der vergebliche Versuch, so zu tun als sei man verheiratet, obwohl man mehr nimmt und weniger gibt als die eheliche Liebe in Bezug auf Verantwortung, Liebe, Vertrauen und Treue.
    • Ledige sollte nicht nur sexuelle Handlungen vor der Ehe meiden, sondern auch alles, was potentiell dazu führen könnte, und stattdessen nach Reinheit im Reden und Denken streben.
    • Frauen sollten Sittsamkeit und Zucht im Aussehen bewahren. Männer und Frauen sind zur Selbstbeherrschung aufgerufen.
  • Beziehungen
    • Im alten Israel wurde die Ehe oft von den Eltern arrangiert.
    • Heute gehen Menschen oft Beziehungen völlig getrennt von den Eltern ein (in puncto Rat, Rechenschaft). Mentoren in der Gemeinde können als Ersatz für Mentoren in der Familie dienen.
    • Wahre Liebe ist ausgerichtet auf andere, selbstaufopfernd und auf den inneren Menschen ausgerichtet (1. Kir 13; Sprüche 31:30).
    • Diese Liebe sollen Männer für ihre Frauen haben, so wie Christus für die Gemeinde (Epheser 5:25-30).
    • Wahre Liebe wartet mit Sex bis zur Ehe und bewahrt die Würde der anderen Person.
    • Eine gottesfürchtige Frau ist ein besonderes Geschenk vom Herrn (Sprüche 18:22).
    • Junge Männer sollten weniger Schönheit als gottesfürchtigen Charakter und einen sanften Geist in einer zukünftigen Frau suchen (1. Petrus 3:3-4).
    • Christen sollten keine engen Beziehungen zu Nichtchristen vom anderen Geschlecht unterhalten (2. Korinther 6:14) und wir sollen den Herrn nicht versuchen (Matthäus 4:7).
  • Junge Männer
    • Im Alten Testament werden junger Männer im Buch Sprüche angesprochen.
    • Sie werden vor den Fallen der ehebrecherischen Frau gewarnt und ermahnt, ihr Herz in aller Reinheit zu bewahren.
    • Beispiele für gottesfürchtige, junge Ledige sind Josef, Samuel, David, Salomo sowie Daniel und seine Freunde.
    • Im Neuen Testament wird Timotheus aufgerufen, ein Vorbild in Reden, Leben, Liebe, Glauben und Reinheit zu sein (1. Timotheus 4:12).
    • Junge Bekehrte sollten nicht zur Leitung in der Gemeinde berufen werden (1. Timotheus 3:6; 5:22).
    • Junge Männer sollen demütig gegenüber Älteren sein (1. Petrus 5:5).
    • Junge Männer sollen:
      • Beten und Gott vertrauen, sie vor Versuchung zu bewahren (Matthäus 6:13).
      • Wachsen und stark werden im Herrn und in der Erkenntnis seines Wortes (1. Johannes 2:14).
      • Die Tugenden Selbstbeherrschung (Titus 2:6) und Herzensreinheit (Matthäus 5:8) entwickeln.
      • Die Gemeinschaft und Rechenschaft von gleichgesinnten, männlichen Christen suchen (2. Timotheus 2:22).
      • Erkennen, daß Versuchung noch nicht Sünde ist und widerstanden werden kann (1. Petrus 5:9).
      • Gottes Bereitschaft zu vergeben anerkennen (1. Johannes 1:9; 2:1).
      • Sich nicht paranoid verhalten und junge Frauen meiden (1. Timotheus 5:2).
      • Ihre Fähigkeit der Versuchung zu widerstehen nicht überschätzen, noch die Kraft der Versuchung und des Versuchers unterschätzen.
  • Junge Frauen
    • Die Heilige Schrift betont die Notwendigkeit von Anstand und Zucht in der Erscheinung (1. Timotheus 2:9-10; 1. Petrus 3:3-6).
    • Paulus lehnt nicht äußere Schönheit ab, sondern ruft zum Streben nach innerer Schönheit und geistlichen Tugenden auf.
    • Die Sprüche loben eine Frau, die den Herrn fürchtet (Spräche 31:30).
    • Gute Beispiele für gottesfürchtige Frauen sind Rut (Rut 2:10,13;37,14) und Maria, die Mutter von Jesus (Lukas 1:34,38).
    • Anstand bezieht sich nicht nur auf die Kleidung, sondern auch auch nonverbale Hinweise und zweideutiges Verhalten.
    • Anstand und Zucht bedeuten nicht, häßliche Kleider zu tragen und nichts zu sagen. Schönheit ist ein Geschenk Gottes und sollte nur gut verwaltet werden, mit Weisheit und Sittsamkeit (Sprüche 11:22).
  • Witwer und Witwen
  • Alleinerziehende Eltern
    • Paulus ruft junge Witwer auf, zu heiraten (1. Timotheus 5:14), was vielleicht übertragbar auf diesen Fall wäre.
    • Die Gemeinde sollte Alleinerziehende in ihre gemeinschaftlichen Aktivitäten einbeziehen und die Lücke des fehlenden Elternteils lindern.
    • Die Gemeinde sollte auch wenn nötig finanzielle Hilfe leisten.
  • Geschiedene
    • Die Gemeinde sollte mit Rat und Ermutigung zur Seite stehen.
    • Wie Jesus mit der ehebrecherischen Frau sollte die Gemeinde mit Mitgefühl und Gnade auf diese Menschen auf eine erlösende Weise zugehen.

Praktische Konsequenzen

  • Ehe ist nicht der letzte Stand (Matthäus 22:30). Wir sind mit dem Lamb Gottes vermählt (2. Korinther 11:2).
  • Ledige sollten nach Genügsamkeit streben (1. Timotheus 6:6).
  • Alle die Ehe und Familie für das Reich Gottes aufgeben, werden belohnt mit einer neuen Familie im Leib Christi und mit einer ewigen Familie im Königreich Gottes (Lukas 18:28-30).
Quellen
  • Andreas Köstenberger – God, Marriage, and Family (http://www.amazon.de/dp/1433503646)
  • Timothy Keller – Ehe: Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens (http://www.amazon.de/dp/3765513059)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: