Werktagsgottesdienst – Geistesgaben (1. Korinther 14)


Hintergrund der charismatischen Bewegung

Unsere theologische Grundlage – 3. Offenbarung
In seiner Gnade hat Gott seine Existenz und Macht in der Schöpfung bekannt gemacht und sich dem gefallenen Menschen in seinem Sohn, dem fleischgewordenen Wort, offenbart (Joh 1,14; Röm 1,20). Er hat außerdem gesprochen, indem er sich durch seinen Geist mit menschlichen Worten offenbart hat: Wir glauben, dass Gott die Worte, die in der Heiligen Schrift überliefert sind, inspiriert hat: Die sechsundsechzig Bücher des Alten und Neuen Testaments, welche sowohl Aufzeichnung, wie auch Mittel seines rettenden Handelns in der Welt sind. Allein diese Schriften sind von Gott durch seinen Geist inspiriert und sind somit Wort für Wort Gottes Offenbarung. Wir halten an den folgenden Eigenschaften des Wortes Gottes fest: Es ist (1) ohne Fehler in den ursprünglichen Schriften; (2) vollkommen in der Offenbarung seines errettenden Willens; (3) ausreichend für alles, was Gott von uns zu glauben und zu tun erwartet; und (4) endgültig und maßgeblich in seiner Autorität in all seinen Aussagen (2Tim 3,16; 2Petr 1,20–21, vgl. a. Mk 12,24; Lk 24,27.45; Joh 5,39; 19,24.28.36; Röm 1,1–2; 15,4; 1Kor 15,3–4; Gal 3,8). Wir bekennen, dass sowohl unsere Begrenztheit wie auch unsere Sündhaftigkeit ausschließen, Gottes Wahrheit umfassend zu verstehen. Wir sind nichtsdestotrotz der Ansicht, dass wir, erleuchtet durch den Heiligen Geist, Gottes Wahrheit tatsächlich erfassen können. Nur wenn Gottes Volk auf das Wort hört, ihm glaubt und es in die Tat umsetzt, werden die, die ihm angehören, zu Jüngern Christi und Zeugen des Evangeliums ausgerüstet sein (Joh 7,38; 2Kor 13,11).

1. Korinther 14
1 Strebt nach der Liebe, doch bemüht euch auch eifrig um die Geisteswirkungen; am meisten aber, daß ihr weissagt!
  • Liebe sucht nicht das Ihre (1. Korinther 13:5). Generelles Problem der Gemeinde in Korinth: Selbstsucht.
  • Wichtiger Platz der Geistesgaben: Wir sollen uns um Geisteswirkungen bemühen (Zelot).
  • Die wichtigste Geistesgabe ist das prophetische Reden (Weissagung). Die prophetische Rede wird im Wort Gottes, dem Neuen Testament, erfüllt (2. Petrus 1:19-21; 2. Timotheus 3:16,17).
2 Denn wer in Sprachen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht es, sondern er redet Geheimnisse im Geist.
  • Zungenrede = Sprachenrede (eine gesprochene, verständliche Sprache – Apostelgeschichte 2:6-11)
  • Die Sprachenrede hat keine wichtige Funktion in der Gemeinde. Sie dient den Ungläubigen außerhalb der Gemeinde.
3 Wer aber weissagt, der redet für Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung und zum Trost.
  • Prophetische Rede (das Wort Gottes verkündigen) ist besser, weil es zur Erbauung, zur Ermahnung und zum Trost dient. Sie dient anderen.
4 Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde.
  • Die Sprachenrede dient sich selbst, sie ist selbst-zentriert.
  • Das prophetische Reden dient der Gemeinde.
5 Ich wünschte, daß ihr alle in Sprachen reden würdet, noch viel mehr aber, daß ihr weissagen würdet. Denn wer weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet; es sei denn, daß er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfängt.
  • Die prophetische Rede ist wichtiger als das Reden in Sprachen.
  • Die Sprachenrede dient nur dann der Gemeinde, wenn sie ausgelegt (übersetzt, Hermeneutik) wird. Sie ist eine wirkliche, fremde Sprache, die übersetzt werden kann.
6 Nun aber, ihr Brüder, wenn ich zu euch käme und in Sprachen redete, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch redete, sei es durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre?
  • Der Nutzen in der Gemeinde entsteht durch Offenbarung, Erkenntnis, durch Weissagung und Lehre, nicht durch das Reden in Sprachen allein.
7 Ist es doch ebenso mit den leblosen Instrumenten, die einen Laut von sich geben, sei es eine Flöte oder eine Harfe; wenn sie nicht bestimmte Töne geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird?
  • Es geht um Verständlichkeit. Die Gemeinde soll verstehen können, was im Gottesdienst vor sich geht.
8 Ebenso auch, wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten?
9 So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie kann man verstehen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.
  • Eine unübersetzte Sprachenrede ist unnütz.
10 Es gibt wohl mancherlei Arten von Stimmen in der Welt, und keine von ihnen ist ohne Laut.
11 Wenn ich nun den Sinn des Lautes nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Fremder sein und der Redende für mich ein Fremder.
12 Also auch ihr, da ihr eifrig nach Geisteswirkungen trachtet, strebt danach, daß ihr zur Erbauung der Gemeinde Überfluß habt!
  • Das Wichtigste an den Geisteswirkungen ist, daß sie zur Erbauung nicht von uns selbst, sondern der Gemeinde eingesetzt werden.
13 Darum: Wer in einer Sprache redet, der bete, daß er es auch auslegen kann.
  • Wir sollen uns um Auslegung ernsthaft bemühen.
14 Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet zwar mein Geist, aber mein Verstand ist ohne Frucht.
  • Der Verstand ist nicht ausgeschaltet, sondern er erhält keine Frucht, weil das Gesagte nicht verstanden wird.
15 Wie soll es nun sein? Ich will mit dem Geist beten, ich will aber auch mit dem Verstand beten; ich will mit dem Geist lobsingen, ich will aber auch mit dem Verstand lobsingen.
  • Wir sollen Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten (Johannes 4:23,24).
16 Sonst, wenn du mit dem Geist den Lobpreis sprichst, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er nicht weiß, was du sagst?
  • Andere in der Gemeinde sollen unseren Lobpreis verstehen und ihn bejahen können.
17 Du magst wohl schön danksagen, aber der andere wird nicht erbaut.
  • Es geht immer wieder darum, daß der andere erbaut wird (Römer 14:19; 15:2).
18 Ich danke meinem Gott, daß ich mehr in Sprachen rede als ihr alle.
  • Paulus hatte die Gabe der Sprachenrede.
19 Aber in der Gemeinde will ich lieber fünf Worte mit meinem Verstand reden, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache.
  • Die Sprachenrede ist eine Gabe für außerhalb der Gemeinde, ein Zeichen für die Ungläubigen (Juden) (siehe Apostelgeschichte 2).
  • In der Gemeinde soll mit dem Verstand zur Unterweisung gesprochen werden.
20 Ihr Brüder, werdet nicht Kinder im Verständnis, sondern in der Bosheit seid Unmündige, im Verständnis aber werdet erwachsen.
  • Paulus ermahnt zu einer Reife im Verständnis. Wir sollen nicht naiv oder bloß geistgeführt sein, sondern in unserem Verständnis wachsen (2. Petrus 3:18).
21 Im Gesetz steht geschrieben: “Ich will mit fremden Sprachen und mit fremden Lippen zu diesem Volk reden, aber auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr”.
  • Die Sprachenrede ist eine Erfüllung einer Prophezeiung aus Jesaja 28:11,12.
  • dieses Volk = die Juden
  • Die Sprachenrede ist ein Warnung des Gerichts an die Juden, welches 70 n.Chr. an Jerusalem von den Römern vollstreckt wurde.
22 Darum dienen die Sprachen als ein Zeichen, und zwar nicht für die Gläubigen, sondern für die Ungläubigen; die Weissagung aber ist nicht für die Ungläubigen, sondern für die Gläubigen.
  • Die Sprachenrede ist ein Zeichen des Gerichts an die ungläubigen Juden.
  • Die prophetische Rede dient zur Erbauung der Gläubigen.
23 Wenn nun die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkäme, und alle würden in Sprachen reden, und es kämen Unkundige oder Ungläubige herein, würden sie nicht sagen, daß ihr von Sinnen seid?
  • Der Gottesdienst einer Gemeinde soll für Unkundige und Ungläubige verständlich sein.
24 Wenn aber alle weissagten, und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger herein, so würde er von allen überführt, von allen erforscht;
  • Die prophetische Rede dient zur Überführung der Ungläubigen.
25 und so würde das Verborgene seines Herzens offenbar, und so würde er auf sein Angesicht fallen und Gott anbeten und bekennen, daß Gott wahrhaftig in euch ist.
  • Die Predigt ist ein Mittel der Evangelisation.
26 Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas: einen Psalm, eine Lehre, eine Sprachenrede, eine Offenbarung, eine Auslegung; alles laßt zur Erbauung geschehen!
  • In der Gemeinde soll kein Chaos herrschen, sondern Ordnung und gegenseitige Erbauung.
27 Wenn jemand in einer Sprache reden will, so sollen es zwei, höchstens drei sein, und der Reihe nach, und einer soll es auslegen.
  • Die Sprachenrede soll in eine feste Gottesdienstordnung eingefügt sein. Höchstens zwei oder drei, in Reihenfolge.
28 Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde; er mag aber für sich selbst und für Gott reden.
  • Wenn kein Ausleger da ist, soll jemand mit der Gabe der Sprachenrede in der Gemeinde schweigen.
  • Er kann seine Gabe aber außerhalb der Gemeinde, für sich alleine ausüben.
29 Propheten aber sollen zwei oder drei reden, und die anderen sollen es beurteilen.
  • Bevor der Kanon des Neuen Testaments abgeschlossen wurde, mußte die prophetische Rede beurteilt (griech. kritisiert) werden.
  • Die Analogie des Glaubens mußte überprüft werden.
  • Später war der Glaube ein für alle mal überliefert (Judas 3).
30 Wenn aber einem anderen, der dasitzt, eine Offenbarung zuteil wird, so soll der erste schweigen.
  • Wichtigkeit von Ordnung und Reihenfolge auch beim prophetischen Reden.
31 Denn ihr könnt alle einer nach dem anderen weissagen, damit alle lernen und alle ermahnt werden.
  • Es soll alles zur Lehre und zur Ermahnung geschehen. Die Geistesgaben dienen nicht sich selbst, sondern der Gemeinde.
32 Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.
  • Ein jeder hat Kontrolle über seine Geistesgabe. Unkontrollierte Äußerungen kommen nicht vom Herrn.
33 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.
34 [Wie in allen Gemeinden der Heiligen] sollen eure Frauen in den Gemeinden schweigen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie es auch das Gesetz sagt.
  • allgemein gültiges Prinzip
  • Der Kontext ist hier das beurteilen der prophetischen Rede.
  • Es besteht oft eine Verbindung von unkontrollierten Geistesgaben und dem Auflösen des biblischen Rollenverständnisses.
35 Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist für Frauen schändlich, in der Gemeinde zu reden.
  • Diese Aussage wird von 1. Korinther 11:5 relativiert.
  • Es geht wohl um das autoritative Lehren (1. Timotheus 2:12).
36 Oder ist von euch das Wort Gottes ausgegangen? Oder ist es zu euch allein gekommen?
  • Paulus bestätigt die Autorität des Apostel.
37 Wenn jemand glaubt, ein Prophet zu sein oder geistlich, der erkenne, daß die Dinge, die ich euch schreibe, Gebote des Herrn sind.
  • Ein Prophet würde die besondere Autorität des Paulus erkennen. Seine Weisungen sind Gebote des Herrn.
38 Wenn es aber jemand mißachten will, der mißachte es!
39 Also, ihr Brüder, strebt danach, zu weissagen, und das Reden in Sprachen verhindert nicht.
  • Schon in diesem Kapitel ist eine Bewegung weg von Sprachenrede und hin zur prophetischen Rede zu sehen.
  • Nach der prophetischen Rede soll man streben, die Sprachenrede soll man nur nicht verhindern.
  • Sprachenrede wird nach dem Korintherbrief nicht weiter erwähnt.
  • In den pastoralen Briefen 1. Timotheus, 2. Timotheus, Titus, die gegen Ende des Lebens von Paulus geschrieben wurden, liegt der Fokus klar auf der Wortverkündigung.
40 Laßt alles anständig und ordentlich zugehen!
  • Wichtigkeit der Ordnung.
  • Nicht Liturgie, aber Ordnung.
Referenzen:

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